Einer der jüngsten deutschen Oscar-Preisträger. Florian Gallenberger wurde 2000 für seinen on location gedrehten mittellangen Kurzfilm (35 Min.) "... - Foto: Gerd Krautbauer http://images.kino.de/flbilder/max06/bf06/bf10/b0610130/b150x150.jpg Florian Gallenberger

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Florian Gallenberger


  • Geburtsort
    München

Einer der jüngsten deutschen Oscar-Preisträger. Florian Gallenberger wurde 2000 für seinen on location gedrehten mittellangen Kurzfilm (35 Min.) "Quiero ser", der von Straßenkindern im Überlebenskampf der Metropole Mexico City erzählt, mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. Sein Spielfilm "Schatten der Zeit" erhielt den Bayerischen Filmpreis als Erstlingsfilm und für die Kameraarbeit (Jürgen Jürges).

Gallenberger wurde 1972 in München geboren, trat als Kind und Jugendlicher auf der Bühne und im Film auf. Er studierte Philosophie, Psychologie und Russisch und wechselte zur Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. In dieser Zeit inszenierte er Kurzfilme, einen BMW-Werbspot und war an Wim Wenders' Studentenfilmprojekt "Die Brüder Skladanowsky" beteiligt. Sein Abschlussfilm "Quiero ser" gewann noch vor dem Oscar zahlreiche Preise, darunter den Studenten-Oscar.

"Schatten der Zeit", nach eigenem Drehbuch 2004 in Indien inszeniert, ist eine tragische Lovestory vor dem Hintergrund der ausgehenden Kolonialzeit und erzählt über mehrere Jahrzehnte die Geschichte von Mavi und Rasha, die sich als Kinder in einer Teppichfabrik kennen lernen und deren Romanze unerfüllt bleibt. Der Film huldigt mit aufregenden Bildkompositionen dem Mythos Indien.

Sein jüngster Spielfilm "John Rabe", der sich auf die historische Figur Rabe bezieht, war auf der Berlinale 2009 erstmals zu sehen. Dieses Mal drehte Gallenberger in China: Der Hamburger Kaufmann Rabe leitete überJahrzehnte in Nanking eine Firma und rettete durch sein beherztes Eingreifen 250000 Menschen, indem er nach japanischen Luftangriffen eine Sicherheitszone für Zivilisten einrichten ließ. Ulrich Tukur als Hauptdarsteller wurde vom Berlinale-Publikum für seine Leistung mit großem Applaus bedacht.

Gallenberger lebt seit 2004 in Berlin.

  • Geburtsort
    München
  • Geburtsland
    BRD

"Indien ist schwierig, aber traumhaft"

Für "Quiero Ser" durfte Florian Gallenberger bereits eine begehrte Trophäe einheimsen. Auch sein Spielfilmdebüt "Schatten der Zeit" wurde nicht nur mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Im Gespräch bekennt sich die deutsche Nachwuchshoffnung zu alten Kinotugenden.

Großansicht Florian Gallenberger am Set von "Schatten der Zeit" (Foto: Constantin/Diana/Fanes)

Florian Gallenberger am Set von "Schatten der Zeit" (Foto: Constantin/Diana/Fanes)

» Warum muss ein Film über zwei Menschen, die sich lieben und ständig verpassen, in Indien spielen?

FLORIAN GALLENBERGER:

Natürlich gibt es solche Schicksale überall. Die Stärke im Grundgerüst von "Schatten der Zeit" basiert eben auf dieser Konstellation, die nicht auf einen Ort fixiert ist.

Die Initialzündung kam durch eine Radiosendung über ein indisches Mädchen, das aus einer Teppichfabrik befreit wurde. Ihre Stimme ging mir nicht aus dem Kopf. Ich wollte die Handlung nicht nach Rumänien verlagern, nur weil dieses Land näher und billiger ist. Ich lasse mich vom Impuls führen. Indien ist visuell und kulturell ein sehr reiches Land, das uns eine ganz andere Welt eröffnet und im Umkehrschluss auch das eigene Leben in Deutschland neu verstehen lässt.

Großansicht Eine Liebegeschichte in Indien, nicht in Berlin (Foto: Constantin)

Eine Liebegeschichte in Indien, nicht in Berlin (Foto: Constantin)

» Eigentlich sollten oder wollten Sie einen Berlin-Film machen.

In einem Film stecken so viel Zeit, Geld und Liebe, da sollte man sich schon sicher sein, ob man diese Geschichte erzählen will. Dem Trend einen Film hinzuzufügen, nur um von der Straße weg zu sein, finde ich nicht richtig. Mein Herzblut hing an dieser Story.

» Wie hat Produzent Helmut Dietl darauf reagiert?

Es war der 29. Dezember 2000, als ich ihm acht Seiten der neuen Konzeption auf das Fax legte. Ich hatte große Angst, dass er mich zurückruft und sagt: "Du spinnst." Dann die Erleichterung, als er anrief und meinte: "Das machen wir." Das ist schon sehr Helmut Dietl. Er steht zu seinem Wort und hat sich nie erschüttern lassen, obwohl es viele Momente gab, durch die er sich hätte erschüttern lassen können. Seine Art des "Durchziehens" hat das Projekt möglich gemacht.

Großansicht Die Dreharbeiten waren hart, aber lehrreich (Foto: Constantin)

Die Dreharbeiten waren hart, aber lehrreich (Foto: Constantin)

» Sie mussten unterbrechen.

Es gab schon dunkle Augenblicke. Nach vier Wochen Dreh erkrankte ich an Hepatitis, eine Katastrophe. Ich befürchtete: "Das war's dann mit dem Film." Doch die Unterbrechung hatte auch etwas Gutes. Wir nutzten die bis dato gemachten Erfahrungen, besetzten Team und Schauspieler teilweise um, veränderten etwas am Buch.

» Was bereitete vor Ort die größten Probleme?

Die Menschenmassen auf der Straße. Bei manchen Szenen tummelten sich drei- bis viertausend Zuschauer, die sich dann mit den Komparsen vermischten, alle wollten plötzlich mitspielen. Da musste man ziemlich viel regeln und kontrollieren. Wir haben deshalb einige emotional wichtige Szenen auf einen anderen Ort oder vom Tag auf die Nacht umgeschrieben.

Anstrengend war auch der wahnsinnige Lärm in der Jutemühle. Die Maschinen waren so laut wie eine Flugzeugturbine, man konnte sich kaum verständigen. Im Team herrschte dagegen eine wunderbare Atmosphäre, die mir sehr viel Kraft gab. Manchmal frage ich mich, wie ich diese Konzentration aufgebracht habe. Indien ist ein schwieriges, aber traumhaftes Land.

Großansicht Die Überzeugungskraft von Kindergesichtern (Foto: Constantin)

Die Überzeugungskraft von Kindergesichtern (Foto: Constantin)

» Haben Sie schon ein nächstes Projekt? Vielleicht wieder mit Helmut Dietl?

Nichts Konkretes. "Schatten der Zeit" muss erst ins Kino kommen und seinen Weg in die Welt finden. Wir würden gern wieder ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen. Die Zusammenarbeit hat mir viel gebracht. Wir verstehen uns gut, nehmen beide alles sehr genau. Er hat sich nie eingemischt.

» Ist ein im positiven Sinne altmodischer Film ein Wagnis?

"Schatten der Zeit" ist eine klassische Geschichte, auch in der Umsetzungsweise vom Licht und den Einstellungen her. Die Gesichter wirken wie die von früheren Filmgrößen. Die Überzeugungskraft von Kindern darf man auch nicht mit technischem Schnickschnack unterminieren.

» Bleiben Sie jetzt erst einmal in Berlin?

Ich habe 28 Jahre in München gelebt, da ist ein Tapetenwechsel gut. Es kommt darauf an, wohin mich das Leben und das Geschichtenerzählen führen. Für drei Monate gehe ich nach Los Angeles, schreibe dort und sondiere die Lage. Nicht, dass man da auf mich warten würde, aber ich bin noch jung und sollte die Gelegenheit nutzen.


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