Mit einer stilsicheren vitalen Power-Mischung aus Milieustudie und Gangsterfilm um die Freundschaft dreier Typen aus Hamburg-Altona (ein Türke, ein... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max10/kuk10/kuk38/u1038041/b150x150.jpg Fatih Akin

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Fatih Akin


  • Geburtstag
    25.08.1973
  • Geburtsort
    Hamburg

Mit einer stilsicheren vitalen Power-Mischung aus Milieustudie und Gangsterfilm um die Freundschaft dreier Typen aus Hamburg-Altona (ein Türke, ein Grieche, ein Serbe) trat Regiedebütant Fatih Akin 1998 schlagartig ins Rampenlicht: "Kurz und schmerzlos" brachte mehr Elan auf als andere Produktionen und machte Akin zu dem Hoffnungsträger für den deutschen Film, der er sechs Jahre später tatsächlich wurde. Mit seiner rockenden, dampfenden, wilden und rasant inszenierten Ballade "Gegen die Wand" räumte Akin fast alle Preise ab, die es 2004 zu gewinnen gab: Goldener Bär der Berlinale (Bester Film), Deutscher Filmpreis (Film, Regie, die beiden Hauptdarsteller, Kamera), Europäischer Filmpreis (Film, Regie), Goya für den Besten ausländischen Film, Großer Preis von Ourense (Spanien) und New Faces Award für Hauptdarstellerin Sibel Kekili.

"Gegen die Wand" erzählt so vital und wuchtig wie Akins Debüt von der so schmerzhaften wie leidenschaftlich sich entwickelnden Liebe zwischen einem Alkoholiker (Birol Ünel) und einer jungen Türkin (Kekili), die mit ihm eine Scheinehe eingeht, um dem strengen Elternhaus zu entkommen. Ihr Lebenshunger ("Ich will leben! Atmen! Ficken!") führt zu einem Drama.

Zwischen den beiden Filmen inszenierte Akin das komische Road Movie "Im Juli" (2000): Moritz Bleibtreu folgt als Hamburger Referendar einer Türkin bis an den Bosporus und erlebt mit seiner wirklichen Liebe (Christiane Paul) eine Irrfahrt durch Europa. Als Kain-und-Abel-Geschichte um die Hassliebe zweier Brüder entwickelt sich "Solino" (2002) zur Familien-Tragikomödie und erzählt vom Existenzkampf der ersten Pizzabäcker im Ruhrpott der 60er-Jahre.

Fatih Akin wurde 1973 in Hamburg geboren und begann noch während des Filmstudiums seine Zusammenarbeit mit der Wüste-Filmproduktion. Sein Kurzfilm "Sensin - du bist es!" gewann den Publikumspreis des Kurzfilmfestivals Hamburg, "Kurz und schmerzlos" neun Preise, darunter den Bayerischen Filmpreis und den Bronzenen Leoparden in Locarno. Zwischen den Spielfilmen entstanden die Dokumentarfilme "Wir haben vergessen zurückzukehren" (2000, über seine Familie) und "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" (über die pulsierende Musikszene der Metropole am Bosporus), der in Cannes 2005, als Akin in der Jury saß, uraufgeführt wurde. 2007 kehrte er nach Cannes zurück, dieses Mal mit seinem Ensemble-Drama "Auf der anderen Seite" im Wettbewerb. Bei Anno Sauls Komödie "Kebab Connection" gehörte Akin zu den vier Drehbuchautoren. Seit September 2005 sind Akin und Ehefrau Monique Eltern eines Sohnes.

  • Geburtstag
    25.08.1973
  • Geburtsort
    Hamburg
  • Geburtsland
    BRD

"Ich bin vom Erfolg verwöhnt"

Fatih Akin wirkte schon in der Wettbewerbsjury in Cannes mit und zeigte an der Croisette "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" und "Auf der anderen Seite". In diesem Jahr feiert er Welturaufführung mit "Müll im Garten Eden" in der Sektion Special Screenings, über den Kampf eines Dorfs gegen eine Mülldeponie.

Großansicht Der vielfach ausgezeichnete Hamburger Fatih Akin war mit "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" erstmals in Cannes. Für "Auf der anderen Seite" gewann er 2007 den Drehbuchpreis, 2008 leitete er die Jury der Nebenreihe "Un Certain Régard". (Foto: Kurt Krieger)

Der vielfach ausgezeichnete Hamburger Fatih Akin war mit "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" erstmals in Cannes. Für "Auf der anderen Seite" gewann er 2007 den Drehbuchpreis, 2008 leitete er die Jury der Nebenreihe "Un Certain Régard". (Foto: Kurt Krieger)

Fühlen Sie sich schon als Stammgast in Cannes?
FATIH AKIN: Ich bin gern in Cannes, und die Einladung in die offizielle Sektion ist eine Ehre. "Müll im Garten Eden" ist mir sehr wichtig; ich habe lange daran gearbeitet. Wenn der Film dort geschätzt und angenommen wird, wäre das ein Schritt nach vorn.

Über sechs Jahre dokumentieren Sie den Kampf eines Dorfs gegen die Mülldeponie. Was interessiert Sie an einer Langzeitdokumentation?
Man lernt, mit der eigenen Geduld hauszuhalten, keine schlechte Eigenschaft bei solch einem Projekt. Am Anfang dachte ich, allein durch die Androhung, einen Film zu drehen, könnte ich den Bau stoppen, aber die Mülldeponie wurde weitergebaut, und wir haben weitergedreht. So kamen wir zur Langzeitdoku.

Was ist so inspirierend beim Wechsel vom Spielfilm zum Dokumentarfilm?
Das ist eine andere Sportart, eine andere Art des Filmemachens, eine andere Form - nicht Pflicht und Kür. Ich kann viel vom Spielfilm auf den Dokumentarfilm übertragen und umgekehrt. Wenn ich einen Moment verpasst habe, muss ich auch beim Dokumentarfilm inszenieren. Dann weiß ich vom Spielfilm, was ich tun muss, und umgekehrt lerne ich, beim Spielfilm einfach auf das Vorhandene zu reagieren und dies einzubauen. Die Arbeit am Dokumentarfilm macht mir mehr Spaß.

Glauben Sie, etwas mit einem Dokumentarfilm ändern zu können?
Film allein kann nichts verändern. Aber ein Dokumentarfilm kann eine Wissenslücke schließen und ein Informationsbedürfnis befriedigen, kann emotional aufrütteln und zu einer Diskussion beitragen, auf ein Symptom hinweisen. Das können Spielfilme auch leisten, aber Dokumentarfilme sind da klarer.

Waren Sie zwischendurch nicht mal frustriert, dass nichts vorwärtsging?
Ich musste Finanziers wie FFA, NDR oder die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) davon überzeugen, dass der Film irgendwann auch fertig wird. Natürlich war die Langwierigkeit des Projekts frustrierend, aber Frust erntet man jeden Tag. Fukushima ist Frust, Exxon Valdez ist Frust, da muss man nur Nachrichten angucken. Frust kann auch Antriebsfeder sein.

Ist ein Dokumentarfilm schwieriger zu finanzieren als ein Spielfilm?
Für mich bisher nicht, weil die Budgets überschaubar sind. "Crossing the Bridge", "Denk ich an Deutschland - Wir haben vergessen zurückzukehren" und auch "Müll im Garten Eden" liegen alle unter einer Mio. Euro.

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Wie steht es um "The Cut", den dritten Teil Ihrer Spielfilmtrilogie?
Wir sind gerade in der Finanzierungsphase, da brauche ich viel mehr Geld, als ich je zur Verfügung hatte. Deshalb suchen wir auch in Cannes noch Koproduzenten und Investoren. "The Cut" ist ein historischer Film und spielt in drei Ländern auf drei Kontinenten. Eine teure Angelegenheit. Ich bin durch Erfolg verwöhnt und brauche einen Produzenten, der mich zurechtweist, und auf den ich höre, der mir inhaltlich, finanziell und in allen Dingen des Lebens zur Seite steht. Es gibt nur zwei großartige Produzenten, die infrage kamen: Peter Rommel und "Baumi" (Karl Baumgartner) von Pandora. Bei "Baumi" fühle ich mich in den besten Händen.

Gibt es noch weitere Projekte?
Durch corazón habe ich Jahre damit verbracht, Filme anderer zu ermöglichen und meine Filme hintangestellt. Damit ist jetzt Schluss. In den nächsten Jahren werde ich nur noch meine eigenen Filme produzieren.


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