Vom Junkie bis zum Dandy und Sternenkrieger reicht die Karriere des schottischen Shooting Stars der 90er-Jahre. Ewan McGregor fiel bereits mit seiner zweiten Filmrolle auf als Lokalreporter Alex in Danny Boyles schwarzer Komödie "Kleine Morde unter Freunden", in der er Polizei und WG-Mitbewohner um die Gangstermillionen bringt.
Im darauf folgenden Film, Boyles "Trainspotting", entschwand er als an der Nadel hängender Heroin-Junkie Renton, der nach Entziehungskur und einem letzten Deal, bei dem er seine ehemaligen Kumpel linkt, in das gefürchtete Leben eines Normalbürgers. Mit Boyle arbeitete McGregor auch in seinem ersten amerikanischen Film "Lebe lieber ungewöhnlich" als von Cameron Diaz zu einer Geiselnahme gezwungener, schüchterner Raumpfleger.
Im britischen Kino hatte der spitzbübische McGregor entscheidende Rollen als junger Bergarbeiter und Mitglied einer Blaskappelle, der sich in Mark Hermans Ballade "Brassed Off" in Tara Fitzgerald verliebt, und in Hermans "Little Voice", wo er den Taubenzüchter und schüchternen Elektriker Billy spielte.
Weltstar wurde McGregor mit der Rolle des jungen Jedi-Ritters Obi-Wan Kenobi in "Star Wars: Episode I" und "Episode II".
Zu McGregors weniger bekannten Figuren zählen der Jane-Austen-Dandy in "Emma", der Dolmetscher, der sich den Körper bemalen lässt, in Peter Greenaways "Die Bettlektüre", der junge Student in "Freeze - Alptraum Nachtwache", der charismatische Pop-Star, der Iggy Pop und Jim Morrison ähnelt, in "Velvet Goldmine", der Börsenbroker in "High Speed Money" und der Schriftsteller James Joyce in "Nora".
2001 konnte der Schotte an der Seite von Nicole Kidman in Baz Luhrmans Musical "Moulin Rouge" und als Delta Force Ranger im Ensemble von Ridley Scotts schonungslosem Kriegsdrama "Black Hawk Down" große Erfolge feiern. Weniger Zuspruch beim Publikum fand zwei Jahre später die Komödie "Down with Love", in der McGregor in einer Hommage an Doris Day und Rock Hudson mit Renée Zellweger ein ungleiches Traumpaar spielte.
In Tim Burtons magischem Märchen "Big Fish" war er die junge Ausgabe des zu ausschweifenden Erzählungen neigenden Edward Bloom, der gealtert und im Sterben begriffen (Albert Finney) die Versöhnung mit seinem distanzierten Sohn (Billy Cudrup) anstrebt.
Eine seiner bislang besten Leistungen bot McGregor als ebenso sexbesessener wie gewalttätiger junger Drifter Joe, der in "Young Adam" auf einem Frachter in Schottland anheuert und eine Affäre mit der Frau des Kapitäns (Tilda Swinton) beginnt.
2005 war der Schotte gleich in zwei Mega-Blockbustern zu sehen: Er hatte einen weiteren "Star Wars"-Auftritt im großen Abschluß der Weltraum-Saga, "Episode III - Die Rache der Sith", außerdem spielte er neben Shooting Star Scarlett Johansson in der DreamWorks-Produktion "Die Insel".
Als Bruder von Colin Farrell glänzte er im allerdings nur mäßig erfolgreichen Woody-Allen-Krimi "Cassandras Traum", landete dafür aber als Superschurke in der Dan-Brown-Verfilmung "Illuminati" wieder einen Publikumshit.
In Roman Polanskis Polit-Thriller "Der Ghostwriter" gerät McGregor als Autor der Memoiren des britischen Premier-Ministers (Pierce Brosnan) in höchste Gefahr. Schräg-absurd wird es dann an der Seite von Jim Carrey als schwules Paar in "I Love You Phillip Morris" und als Journalist, der in der Militär-Satire "Männer, die auf Ziegen starren" George Clooney begleitet, der glaubt, mit Blicken töten zu können. Im feinen Melodram "Beginners" glänzt McGregor als Künstler, dessen Vater (grandios: Christopher Plummer) sich mit 75 Jahren als homosexuell outet.
In "Perfect Sense" verliebt sich Ewan McGregor als Koch in eine Wissenschaftlerin (Eva Green) - ausgerechnet, während eine mysteriöse Viruserkrankung die ganze Welt nach und nach ihrer sinnlichen Wahrnehmung wie Geruch, Geschmack, Gehör etc. beraubt.
Ewan McGregor ist seit 1995 mit der Produktionsdesignerin Eve Mavrakis verheiratet. 2004 unternahm er gemeinsam mit seinem Freund Charley Boorman einen Motorrad-Trip um die Welt, den er in "Long Way Round" dokumentierte und 2007 mit einer Reise von Schottland nach Kapstadt für "Long Way Down" fortsetzte.
Ewan McGregor kotzt seinem Bruder ins Jet-Cockpit
Er hätte es ahnen können…
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Ewan McGregor: Ein Königreich für eine Kotztüte! (Foto: Kurt Krieger)
Schon in seiner Kultrolle als Obi-Wan Kenobi in der neuen "Star Wars"-Trilogie wurde ihm bei den waghalsigen Flugmanövern des tollkühnen Gleiterpiloten Anakin Skywalker ziemlich mulmig. Doch während sich Ewan McGregor als Jedi-Ritter gerade noch beherrschen konnte, streikte in der Realität sein Magen.
Ewan war von seinem älteren Bruder Colin auf einen Testflug eingeladen worden. Colin McGregor ist Pilot bei der Royal Air Force und in einem Tornado Gr4 unterwegs. Da ist Passagier sein kein Zuckerschlecken, wie Ewan McGregor leidvoll erfahren musste:
"Mein Bruder wollte mir so richtig zeigen, was er drauf hat", berichtet Ewan. "Die ersten 20 Minuten flogen wir extrem schnell und tief. Dann zog er die Maschine heftig nach oben und stoppte plötzlich abrupt den Steigflug. Das war der Moment, in dem ich kreidebleich wurde und Schweißausbrüche bekam. Ich wollte nicht, dass mir schlecht wird, weil das so peinlich ist. Ich habe alles versucht, aber dann musste ich mich doch übergeben…"
Ekel-Spezialist im Cockpit
Details wie den anschließenden hygienischen Zustand des Cockpits und ob er den Arbeitsplatz seines Bruders womöglich selbst wieder in Ordnung bringen musste, verschwieg Ewan McGregor galant. Dabei ist ihm nach seiner berüchtigten Szene in "Trainspotting" eigentlich nichts Menschliches mehr fremd…