Für "Bobby" holte Schauspieler und Regisseur Emilio Estevez halb Hollywood vor die Kamera. Alle wollten mitmachen beim Schicksalsreigen am Tag der Ermordung von Robert F. Kennedy.
Großes Starensemble in "Bobby": Sharon Stone, Wiliam H. Macy, Elijah Wood und Lindsay Lohan (Foto: Kinowelt)
» Sie waren 1968 sechs Jahre alt. An was können Sie sich noch erinnern?
EMILIO ESTEVEZ: An die Nachrichten im Fernsehen und an meinen Vater, der ständig mit einem Freund telefonierte, der in Los Angeles in einer Menschenmenge vor dem Krankenhaus wartete, in dem die Ärzte um das Leben des Politikers kämpften.
Erst viel später verstand ich, was an dem Tag wirklich passiert war. Eine ganze Generation begrub ihre Träume und Hoffnungen. Bobby Kennedy war nach dem Mord an seinem Bruder John F. Kennedy und Martin Luther King der letzte Strohhalm, an den sie sich klammerten. Seitdem geht es mit Amerika bergab.
Regisseur Emilio Estevez bespricht mit Anthony Hopkins eine Szene am Filmset (Foto: Kinowelt)
» Durch den Krieg im Irak gewinnt Ihr Film an Aktualität.
Dabei begann ich mit dem Schreiben an "Bobby" schon 2000, lange vor 9/11, vor den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Dieser Bezug zur Realität macht mich traurig. Die Welt ändert sich leider nicht.
» Wie bekamen Sie diese ganze Hollywood-Prominenz zusammen?
Eine alte Weisheit: das Drehbuch. Jeder wollte dabei sein bei diesem Projekt über einen großen Charismatiker und jeder arbeitete ohne die übliche Gage. Wenn Legenden wie Anthony Hopkins oder Harry Belafonte mitspielen, hat das Magnetwirkung.
Schwierig war die Terminkoordinierung, weil allen nur wenige Tage zur Verfügung standen. Wegen des wahnsinnigen Zeitdrucks konnten wir nicht proben. Manche Schauspieler begegneten sich erstmals vor der Kamera. Mulmig wurde mir, als Sharon Stone in ihrem Kosmetiksalon die angetrunkene Sängerin Demi Moore verschönern sollte - wie zwei Tigerinnen im Käfig. Und dann redeten beide völlig easy übers Alter! Nicht weniger stressig die Aufnahmen im Ambassador-Hotel, dem Ort des Attentats. Die mussten in fünf Tagen im Kasten sein. Während der Dreharbeiten wurde das Gebäude schon abgerissen, manchmal mussten wir wegen des Lärms unterbrechen und wir rechneten auch damit, dass uns Bruchstücke der Mauern um die Ohren fliegen würden.