Kino, Kino, Kino!
Trauer und Freude: Regisseurin Rebecca Miller und Edelmime Daniel Day-Lewis (Foto: Kurt Krieger)
Das bedeutet nicht nur ein Überangebot an Filmen auf der Berlinale, bei dem es schwer fällt, auszuwählen. Es bedeutet auch verschiedene Locations, die erforscht werden wollen, die ein Stück (Bau-)Geschichte Berlins erzählen.
Nein, der Potsdamer Platz mit seinen frisch aus dem Boden gestampften, aber irgendwie charakterlosen Multiplexen Cinemaxx und Cinestar und dem Berlinale-Palast - der zugegebenermaßen mit seiner Größe beeindruckt - ist längst nicht alles. Es gibt auch noch den schönen Kinotempel "Delphi", in dem die tägliche Drängelei selbst hartgesottenen Festivalgängern alles abverlangt. Hier laufen bis in den frühen Morgen die mutigen, schrägen Filme, weit abseits von Wettbewerb und Mainstream.
Das "International" an der Karl-Marx-Allee ist in kühlem, pompösen DDR-Chic gehalten, der "Film-Palast" zeigt sich unglaublich charmant und altmodisch-elegant. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt, eingekesselt zwischen Bahnhof, Zoo und Gedächtniskirche, der "Zoopalast", einstiges Schmuckstück und Galavorstellungskino der Berlinale.
Das längst überholte Design von Saal 1 mit seinem rot-orangefarbenen Teppich, der mit Filmrollen verziert ist, erstrahlt in neuem Glanz als Daniel Day-Lewis auftritt - das mag auch am Blitzlichtgewitter der Fotografen liegen. Dieter Kosslick überreicht dem Ausnahmemimen mit sehr netten Worten auf German-English eine Berlinale Kamera.
Heikel: In "The Ballad of Jack and Rose" liebt Day-Lewis seine Tochter über die Maßen (Foto: Initial Ent. Group / IFC Prods.)
Der Schauspielstar, der zuletzt mit "Gangs of New York" zu Gast in Berlin war, zieht seine Regisseurin Rebecca Miller zu sich ins Rampenlicht und bedankt sich bei ihr, beim Festival, beim Publikum und bei der Presse für den warmen rücksichtvollen Empfang. Denn Rebecca trauert um ihren gerade verstorbenen Vater Arthur Miller, dass einem fast die Tränen kommen.
Der Film von Day-Lewis und Miller, "The Ballad of Jack and Rose", läuft im Panorama und ist schwere Kost: eine Inzest-Liebesgeschichte zwischen Vater und Tochter. Aber es geht auch um Ideale und den Verlust von Idealen, um den gescheiterten Versuch eines Kommunen-Zusammenlebens.
Traum: Wenn sein Lieblings-Greyhound namens "The Mighty Celt" drei Rennen in Folge gewinnt, darf Nachwuchspfleger Donal ihn behalten (Foto: BBC Films)
Trotz oder wegen des Unverständnisses für die extremen Charaktere schaut man Daniel Day-Lewis als todkrankem Vater Jack und Camilla Belle als seine Tochter fasziniert zu. Ihr Spiel und ihre Umgebung, eine wunderschöne Insel, sind von Ellen Kuras stimmungsvoll fotografiert. Dazu klingt nostalgisch die Seventies-Musik von Bob Dylan und Creedence Clearwater Revival. Abgerundet wird das Filmhighlight bei aller Schwere durch geschickt eingestreute Momente großartiger Komik.
Viel Emotion und echte Begeisterung unter den Kleinen und Großen im Publikum gab es auch nebenan im Kinosaal 4 beim sympathischen 14plus-Beitrag "The Mighty Celt" um einen irischen Jungen, seinen Greyhound und seinen neu gefundenen Vater. Robert Carlyle ("The Beach") und Jungstar Tyrone McKenna wurden mit eifrigem Klatschen empfangen.
Wenn die Stimmung stimmt, dann ist das Teppichdesign eben egal.