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Doris Dörrie

Doris Dörrie

Leben & Werk

Ihre Beziehungsfarce “Männer”, fürs Fernsehen gedreht, aber im Kino ausgewertet und einer der größten deutschen Kassenerfolge, leitete 1985 einen Komödienboom ein, der über zehn Jahre fortwirkte. Dabei ist “Männer” eher untypisch für Dörrie, die mit irritierenden Tragikomödien, kleinen verqueren Alltagsgeschichten und skurrilen Charakteren sowie paradoxen und absurden Situationen ein Kino der produktiven Widersprüche vorantreibt.

Dörrie wurde 1955 in Hannover geboren, studierte zwei Jahre in den USA Theater, nahm nach der Rückkehr Gelegenheitsjobs an, war Filmvorführerin und studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Ihre ersten Arbeiten waren Dokumentationen und Kinderfilme für das Fernsehen. Der Erfolg von “Männer” führte nach der Aussteiger- und Dreiecksgeschichte “Paradies” und der Kleinbürgerfarce “Geld” sowie der Alberto-Moravia-Verfilmung “Ich und er“, die in den USA entstand, zunächst vom Publikum weg, bis Dörrie mit dem Krimi “Happy Birthday, Türke!” 1991 wieder Anschluss fand. Der deutsch-türkische Privatdetektiv (Hansa Czypionka) gerät im Frankfurter Bahnhofsviertel zwischen die Fronten von Polizei und Gangstern und hat Probleme mit seiner Identität als Deutscher türkischer Herkunft.

Mit Maria Schrader als vereinsamte Flughafenangestellte in einem Kölner Hochhaus, die durch einen aidskranken Schwarzen wieder Lebensmut gewinnt, drehte Dörrie 1994 “Keiner liebt mich“, wo ihre Fähigkeit für skurrile Szenen und Dialoge an Qualität gewinnt. Drei Wochen nach Drehbeginn von “Bin ich schön?” starb Dörries Ehemann, der Kameramann Helge Weindler, 1996 in Spanien. Dörrie reflektierte sein Sterben und ihre Reaktionen sowie die von Tochter Carla in dem TV-Essay “…augenblick…”. Die Arbeit an “Bin ich schön?” wurde abgebrochen und nach 18 Monaten 1997 wieder aufgenommen, teils mit anderen Darstellern. Das Resultat wurde Dörries Opus magnum und ihr bester Film, in dem sie einen Reigen von Personen wie in einem Altman-Panorama arrangiert und die Geschichten bis zu einer schlüssigen Auflösung miteinander verzahnt. Alt- und Jung-Stars des deutschen Films (Senta Berger, Dietmar Schönherr, Franka Potente, Joachim Krol, Nina Petri) lieferten eine eindrucksvolle Ensembleleistung, die im Kino etwas unter Wert lief.

Dörrie veröffentlicht seit 1987 Sammlungen von Kurzgeschichten, die sie teilweise als Stoff für ihre Filme benutzt. Mit “Erleuchtung garantiert”, in dem zwei Deutsche auf Zen-Kurs in Asien gehen, experimentierte Dörrie mit digitalen Kleinkameras. In ihren nächsten Arbeiten widmete sich Dörrie wieder den Verhältnissen zwischen Mann und Frau: In “Nackt” (2002) wurde am Beispiel dreier Paare, deren Beziehungen nur noch zum Teil intakt sind und die sich bei einem Abendessen treffen, die Vergänglichkeit des Glücks zum Thema und ein Zusammenhang zwischen Wohlstand und emotionaler Verarmung postuliert. Zuvor hatte Dörrie bereits ihr Debüt als Opernregisseurin gegeben und in Berlin eine in den siebziger Jahren spielende Inszenierung von Mozarts “Cosi Fan Tutte” präsentiert. Nachdem sie für das Fernsehen ein Remake des Lemmon-Matthau-Klassikers “Ein seltsames Paar” gedreht hatte, erzählte sie in der an das gleichnamige Grimm-Märchen angelehnten Beziehungskomödie “Der Fischer und seiner Frau” von einem Paar, das unterschiedliche Vorstellungen vom Glück hat.

Ihr Dokumentarfilm “How to Cook Your Life” über den Zen-Mönch und Kochbuchautoren Edward Espe Brown hatte seinen Kinostart im Mai 2007. Die Regisseurin begleitete den Protagonisten von einem buddhistischen Zentrum in Österreich nach Kalifornien und berichtete dabei über seine Philosophie des Essens. Dörries Regiearbeit “Kirschblüten – Hanami” wurde für den deutschen Filmpreis in Gold nominiert und Hauptdarsteller Elmar Wepper durfte den Bayerischen Filmpreis und 2008 den Deutschen Filmpreis in Gold für seinen ersten Kinofilm in Empfang nehmen.

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