- Foto: Constantin http://images.kino.de/flbilder/max05/bf05/bf19/b0519125/b150x150.jpg Don Mancini

Steckbrief

Don Mancini


"Ich wollte eine Parodie auf Familiendramen"

Chucky, die Mörderpuppe, ist nicht tot zu kriegen. 1988 trieb sie zum ersten Mal ihr Unwesen auf der Leinwand. "Chucky's Baby" ist schon ihr fünfter Auftritt, aber Schöpfer Don Mancini weiß genau, wie man die Reihe interessant hält.

Großansicht Vater der mörderischen Puppenstube: Don Mancini (Foto: Constantin)

Vater der mörderischen Puppenstube: Don Mancini (Foto: Constantin)

» Wie hat sich Chucky, die Mörderpuppe, über die langen Jahre ihrer Existenz entwickelt?

DON MANCINI:

Nachdem wir die ersten drei Filme gemacht hatten, hatte ich das Gefühl, das Horrorpotenzial der Figur sei nun ausgeschöpft und der Punkt erreicht, ab dem ich mich nur noch wiederholen würde, da die Möglichkeiten eines Horrorkonzepts endlich sind.

Es geht um eine Puppe, und nach einiger Zeit fand ich es schwer, das Absurde und Alberne dieses Konzepts länger zu ignorieren. Um die Langlebigkeit und den Erfolg der Serie zu garantieren, musste ich das Absurde in den Mittelpunkt stellen und den Stoff in eine Komödie verwandeln. Gleichzeitig gab mir diese Änderung die Gelegenheit, tiefer in den Charakter von Chucky einzudringen und mich mit Facetten seiner Persönlichkeit und Emotionen auseinander zu setzen, die lustig, hoffentlich überraschend und sogar subversiv sind.

Mit "Chucky's Baby" wollte ich eine Parodie auf hochwertige Familiendramen schaffen, wie "Kramer gegen Kramer" oder "Eine ganz normale Familie", und mich über Familienwerte lustig machen, die in den USA von George W. Bush immer konservativer werden.

Großansicht Ist die Puppe doch der beste Freund des Menschen? (Foto: Constantin)

Ist die Puppe doch der beste Freund des Menschen? (Foto: Constantin)

» Wollen die Zuschauer mittlerweile mit den Horrorfiguren befreundet sein, weil sie glauben, es sei cool, obwohl sie doch das nächste potenzielle Opfer sind?

Hauptsächlich dürfte das auf die Vertrautheit mit dem Slashergenre zurückzuführen sein. Was früher Furcht einflößend war, ist es heute nicht mehr, da wir es immer wieder gesehen haben. Formeln müssen sich ändern.

"Scream" etwa zeigt, dass sich das Genre selbst wahrnimmt und reflektiert. "Chucky" ist ähnlich, allerdings geht er in Richtung Camp. "Chucky und seine Braut" und "Chucky's Baby" sind insofern in ihrer Tonalität näher an "Interview mit einem Vampir", als dass die Identifikationsfiguren die Monster und nicht die Opfer sind, wie es sonst im Horror- oder Slashergenre üblich ist.

Aber mit den Remakes von "Blutgericht in Texas" und "Zombie" scheint das Pendel wieder zurück zu schwingen. Diese Filme sind klare Horrorfilme, bei denen keine Selbstreflexion des Genres durchschimmert. Anderseits sind es keine neuen Geschichten. Doch sie zeigen dasselbe Phänomen auf: Wir sind mit dem Horrorgenre vertraut.

Großansicht Gerade seinen Liebsten droht Chucky mit Gemetzel (Foto: Constantin)

Gerade seinen Liebsten droht Chucky mit Gemetzel (Foto: Constantin)

» Chucky ist kein Opfer, er weiß, was er tut. Er tötet, weil er es liebt.

Ja, er ist stolz darauf, es ist seine Wahl. Er zweifelt nicht an dem, was er tut, aber die Charaktere um ihn herum, stellen sich und ihr Tun in Frage, und sie zwingen auch Chucky, darüber nachzudenken. Noch nie wurde in einem Horrorfilm die Frage gestellt: Warum tust du das?

In diesem Film ist aber genau dies die Frage: Warum tötest du? Kannst du damit aufhören? Kannst du Verantwortung übernehmen? Es ist interessant zu sehen, was passiert, wenn eine Horrorgestalt mit einem existenzbedrohenden Dilemma konfrontiert wird.

Das ist ein weiterer Punkt, den der Stoff in diesem Stadium ermöglicht: Satire und Parodie. Chucky steckt in dem Dilemma, dass er eine Frau hat, die ihr und auch sein bisheriges Leben ablegen möchte, und ein Kind, das nicht weiß, ob es Junge oder Mädchen ist / sein möchte. Alles in allem findet sich Chucky in einer sehr modernen Situation wieder.

Großansicht Für den Trailer war eine Schönheits-OP nötig (Foto: Constantin)

Für den Trailer war eine Schönheits-OP nötig (Foto: Constantin)

» Hatten Sie Probleme mit den Gewaltdarstellungen des Films?

Das Studio hatte keine Probleme damit. Man wollte auch die subversive Grundhaltung des Films. Das Rating-Board der MPA machte uns lediglich Schwierigkeiten beim Werbetrailer. Sie machten sich Sorgen darüber, dass die Hauptdarsteller Puppen sind und Kinder, die die Werbung sehen, Probleme bekämen. So mussten wir die Wunden in Chuckys Gesicht für die Werbung digital entfernen. Aber es war in Ordnung zu zeigen, wie Chucky Britney Spears von der Straße abdrängt und ihr Wagen explodiert.

Es ist unbegreiflich, wie das Rating-Board arbeitet. So gab es folgende weitere Auflage: Eine Off-Stimme im Trailer sollte sagen: "Um ein menschliches Baby zu schaffen, braucht man nur die richtige Frau." Wir durften das nicht sagen, sondern mussten es folgendermaßen ändern: "Um die Eltern eines menschlichen Babys zu werden..." Was ist der Unterschied, außer dass es sich blöd anhört?

Großansicht Chucky freut sich auf ein Baby von Jennifer Tilly (Foto: Constantin)

Chucky freut sich auf ein Baby von Jennifer Tilly (Foto: Constantin)

» "Chucky's Baby" hat neben seinem hohen Animatronic-Anteil viele Visual Effects. Machte das den Film teurer als seine Vorgänger?

Dieser war mit zwölf Mio. Dollar sogar der günstigste aller fünf Filme. Er wurde mit Hilfe eines Sale&Leaseback-Fonds gemacht, sodass sogar noch zwei Mio. Dollar zurückgekommen sind. Die anderen haben zwischen 13 und 18 Mio. Dollar gekostet, wobei "Chucky und seine Braut" der teuerste war.

Die visuellen Effekte wurden verwendet, um Rumänien, wo wir gedreht haben, in Los Angeles zu verwandeln. Wir haben uns aufgrund des niedrigen Budgets für einen stilisierten, in gewisser Weise altmodischen Look entschieden. Ich wollte einen 50er-Jahre-Alfred-Hitchcock-Douglas-Sirk-Stil.


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