Sein "Beauty and the Beast" wurde als einziger Zeichentrickfilm in der Geschichte Hollywood für den Oscar als "Bester Film" nominiert, sein "König der Löwen" ist bis heute der weltweit erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten. Der Mann weiß, wovon er redet.
"Es ist ja ein heißgeliebter Film": Animations-Legende Don Hahn im Interview (Foto: G+J Entertainment Media)
Mr. Hahn: Würden Sie dem "König der Löwen" heute Leben einhauchen - und nicht 1994 - was würden Sie anders machen?
Ich bin sicher, wir würden mehr Programme und Werkzeuge einsetzten, die es ja heute gibt. Damals hatten wir gerade erst angefangen mit Computergrafiken zu arbeiten. Aber ich hoffe inständig, wir würden nichts an der Story ändern. Schließlich trägt diese noch nach 17 Jahren - und zwar so, dass man den Film erneut auf die Leinwand bringen kann und die Leute deshalb weltweit ins Kino gehen.
Sie würden ihn sofort in 3D produzieren?
Auf jeden Fall. Das ist für uns Filmemacher einfach ein weiteres Werkzeug. Aber man muss vorsichtig sein. Es gab so viel mieses 3D in der Vergangenheit. Die Lektion, die die Filmindustrie in den letzten Jahren lernen musste, lautet: Wenn Du etwas in 3D machst, muss es die bestmögliche Erfahrung für die Zuschauer werden. Das Publikum ist schlau genug um eine Kopfschmerz-Erfahrung nicht zu tolerieren. Aber wir würde es auf jeden Fall machen.
Schon vor 17 Jahren brach des Schicksal des Löwen Simba alle Rekorde (Foto: Walt Disney)
Als Sie den "König der Löwen" konvertierten - waren Sie versucht, Szenen zu modernisieren?
Interessante Frage. Wir haben tatsächlich darüber gesprochen, aber waren schließlich der Meinung, dass "König der Löwen" einfach ein Film aus einer bestimmten Zeit ist. Abgesehen von der Transformation in 3D wollten wir ihn daher in Ruhe lassen. Dieser Film ist wie ein Kunstwerk, wie ein Gemälde oder ein Buch - er reflektiert diese Zeit und wo die Künstler damals standen. Wenn du damit herumspielst, wird es etwas anderes.
Die 3D-Version ist also 100 Prozent das Original - plus eine Dimension?
(Lacht). Na gut: es gibt ein paar Abschnitte, wo wir ein bisschen Regen oder etwas Ähnliches hinzugefügt haben. Aber in der Essenz ist es der Originalfilm - Bild für Bild. Was wir geändert haben ist die Sound. Als das Original herauskam, gab es keinen Surround-Mix. Jetzt haben wir fürs Kino und Home-Entertainment einen Surround-Sound geschaffen, bei dem du glaubst in der Mitte des Orchesters zu sitzen.
Hatten Sie nie Angst, den Charme des Originals zu verderben?
Doch, und wie - es ist ja ein heißgeliebter Film. Und obwohl wir ihn ja damals sogar gemacht haben, waren wir der Meinung, dass wir ihm uns mit Respekt nähern sollten. Wir wollten uns Zeit nehmen. Darum haben wir die Regisseure und Creative-Artists von damals zurückgeholt, damit die jetzt nötigen Entscheidungen von den damaligen Filmemachern getroffen werden konnten. Das ist extrem wichtig für so etwas. Denn in der Tat: Wir hatten Angst und waren entsprechend vorsichtig.
Wo liegt die Herausforderung beim Konvertieren eines solchen Klassikers?
Da gibt es Etliches: Zunächst braucht du mal den kompletten Film. Wir haben ihn 1994 digital gespeichert - und um eine 3D-Version zu machen, brauchten wir diese Dateien da auf ihnen die Charaktere getrennt vom Hintergrund gespeichert waren. Der nächste Schritt war, den Figuren eine dritte Dimension zu geben - aber eben nicht platt wie in einem Aufklappbuch sondern mit dimensionaler Tiefe. Und das hatte noch nie jemand bei einem solchen gezeichneten Film gemacht. Das war vermutlich die größte Herausforderung.
Welche Szenen waren besonders schwierig?
Da fällt mir sofort die Stampede ein: Tausend Tiere rennen durch ein Tal, die Luft ist voll Staub, Felsen fliegen durch die Gegend... Das war wahnsinnig zeitaufwendig und vermutlich die größte Herausforderung im Film. Aber es war die Mühe wert - du glaubst, mittendrin zu sein, wenn die Szene im Film kommt.
Ist 3D die Zukunft von Disney?
Es ist einfach eine Komponente der Zukunft Hollywoods. Im Bereich des Animationsfilms - und in vielen, wenn auch nicht allen Spielfilmen - ist es ziemlich sicher die Zukunft. Ob im Kino oder zu Haus auf Blu-ray - wir wollen den Menschen einfach die Möglichkeit geben Filme in jedem Format und Stil zu sehen, den sie wollen.
Gibt es keinen Klassiker von dem Sie sagen würden "der ist perfekt wie er ist - den rühre ich nicht an"?
Oh Mann... Witzig. Was mir sofort dabei einfällt ist "Pinocchio". Aber ich würde ihn andererseits liebend gerne in 3D sehen. Eine Hälfte in mir sagt: "Rühr ihn niemals an - das wäre ein Riesenfehler." Gleichzeitig sage ich mir: "Wie cool wär es, ihn in 3D zu sehen." Walt Disney selbst wollte in dem Film unbedingt dimensionale Tiefe haben - und die Figuren sind so wunderbar abgerundet. Ich glaube, das ist der perfekteste Zeichentrickfilm aller Zeiten.
"König der Löwen", "Glöckner von Notre Dame" "Die Schöne und das Biest" - Sie waren praktisch der Pate des Animationsfilms. Und plötzlich 10 Jahre Pause. Hatten Sie den Spaß verloren?
Um ganz ehrlich zu sein: Ein kleines bisschen schon. Diese Filme haben mir so viel bedeutet, dass ich nicht einfach das gleiche immer und immer wieder machen wollte. Ich glaube, auch Walt Disney hat das so empfunden - er hat sich daher später auf die Arbeit an Fernsehsendungen und Freizeitparks verlegt. Ich bin kein Walt Disney - aber ich habe keine Animationsfilme gemacht, da sie mich lange Zeit nicht mehr interessiert haben. Die letzten drei Jahre habe ich mit Tim Burton an dem Stop-Motion-Film "Frankenweenie" gearbeitet. Denn das war anders, das war unglaublich visuell. Wir drehten in schwarz-weiß, in 3D. Dazu ist Tim ein guter Freund und, wie ich glaube, einer der visionärsten Filmemacher unsere Zeit. Das waren Gründe, die mich dazu brachten "Ja" zu sagen. Zu sagen "das ist ein Film, an dem ich arbeiten möchte."
Sie mussten also über 10 Jahre auf die richtige Gelegenheit warten?
Ja - ich glaube schon. Ich wollte nichts machen, einfach um es zu machen. Das hier war nie nur ein Job für mich. Ich wollte immer nur dann Filme machen, wenn es eine Geschichte gab, die es wert war, erzählt zu werden. Eine, wie im "König der Löwen".