Mit einer für das deutsche Kino seltenen Experimentierfreudigkeit und Verspieltheit sowie garantiert unkonventionellen Art, Genremuster zu variieren, wurde Dominik Graf ein gesuchter professioneller Regisseur von Kino- und TV-Arbeiten. Er orientiert sich teils an amerikanischen Filmen, teils an französischen Improvisationen und "Dogma"-Stilen, denen er die brüchige Erzählweise entlehnt, und entdeckte oder förderte Schauspieler wie Martina Gedeck, Anica Dobra, Katja Flint, Karoline Eichhorn, Jessica Schwarz, Matthias Schweighöfer, Herbert Knaup, Peter Lohmeyer, Heinz Hoenig, Meret Becker und Hansa Czypionka.
Grafs Filme sind Tragikomödien, Road Movies und düstere Thriller, die er in dem eigentümlich kühlen und distanzierten Stil aufnimmt, der ihm Preise und Kritikerlob einbrachte, aber nur selten zu kommerziellem Erfolg führte wie in dem Thriller "Die Katze" (1987). Hier gingen wie vorher und später nie wieder Kinoerfolg und Auszeichnung (Bundesfilmpreis für die beste Regie) zusammen. Dagegen brach der aufwändig produzierte Thriller "Die Sieger" (1994), der einen politisch brisanten Fall von Entführung, Einsatz von Eliteeinheiten und Erfüllung von Pflicht verbindet, an der Kasse ein. Die Arbeiten fürs Fernsehen, für die Reihe "Tatort" (die Schimanski-Folge "Schwarzes Wochenende"), "Der Fahnder" und die Krimis um die von Dieter Pfaff verkörperte schwergewichtige Rolle des Ermittlers "Sperling" sowie der außergewöhnliche Thriller "Der Skorpion" (1997) brachten Graf Grimme-Preise ein.
Den Thrillern stehen die persönlichen Arbeiten über Heranwachsende und die Fallstricke der Liebe gegenüber. War "Treffer" (1984) ein Biker-Film und "Spieler" (1989/90) eine Hommage an Jean-Luc Godards "Die Außenseiterbande" (1964), so gehörte "Tiger, Löwe, Panther" (1988) zu Filmen über Lebenskünstler, in diesem Fall drei Frauen, die aus ihrem Alltag ausbrechen wollen. Graf lässt seinen Schauspielern Freiraum und Möglichkeiten zur Entfaltung, was zu einer spontanen Frische der Darstellung führt, die sich in "Einer meiner ältesten Freunde" ebenso findet wie in "Die Freunde der Freunde" oder in dem irritierenden Korsika-Trip, den Karoline Eichhorn in "Der Felsen" unternimmt.
Graf wurde 1952 als Sohn des Schauspielerehepaares Selma und Robert Graf geboren, begann ein Literaturstudium und wechselte 1974 an die Hochschule für Fernsehen und Film in München, wo er Kurzfilme drehte, bereits Drehbücher fürs Fernsehen schrieb und als Darsteller in Filmen wie "Der Mädchenkrieg" und "1 + 1 = 3" mitwirkte. Als Schauspieler weniger begabt, etablierte sich Graf seit 1978 ("Die Beute", mit Martina Gedeck als Privatdetektivin) als Regisseur, Autor und Spezialist für Krimis und Actionfilme. Aus der Reihe fallen Musikfilme wie "Drei gegen Drei" (1985, mit der Musikgruppe Trio) und die bayerische Satire um "Dr. Knock" (1997, mit Veronica Ferres).
In "Die Freunde der Freunde" (2002) übersetzt er eine Novelle von Henry James über die Beziehung zweier Abiturientinnen, während er in "Hotte im Paradies" vom chaotischen und bedrohlichen Leben eines Berliner Zuhälters erzählt. 2005 wirft der Regisseur in "Der Rote Kakadu" einen glaubwürdigen Blick auf die DDR im Jahr 1961. Auch im nächsten Film, dem Fernsehthriller "Eine Stadt wird erpresst", arbeitet Graf mit dem Autor Rolf Basedow zusammen; beide werden für die Geschichte einer ostdeutschen Stadt, die dem Tagebau geopfert werden soll, mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt. Nach einer wahren Begegnung Clemens Brentanos mit der Nonne Katharina Emmerich drehte Graf 2008 "Das Gelübde" mit Misel Maticevic und Tanja Schleiff in den Hauptrollen, wofür er auch beim Festival des deutschen Films den Filmkunstpreis bekam.
Graf war liiert mit der Schauspielerin Adelheid Arndt und mit der amerikanischen Regisseurin und Autorin Sherry Horman. Er hat eine gemeinsame Tochter mit seiner Lebensgefährtin, der Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika").
99 Filme halten Hof
Wer in Bayern lebt, der kennt Hof in erster Linie aus dem Wetterbericht. Aus unerfindlichen Gründen ist's dort immer zwei bis drei Grad kälter als im restlichen Bundesland - was Hof nicht gerade zum bevorzugten Reiseziel macht. Ende Oktober wendet sich das Blatt seit nunmehr 41 Jahren. Die Hofer Filmtage lassen Minusgrade und Nieselregen zur Randerscheinung werden.
Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)
Dem anhaltenden Erfolg der Hofer Filmtage wird in diesem Jahr durch einen zusätzlichen Tag Rechnung getragen: Ab Dienstag den 23. Oktober läuft eine Auswahl von 69 Lang- und 30 Kurzfilmen, nationale wie internationale Produktionen, die zum Ende des Jahres einen umfangreichen Ausblick auf das Filmschaffen werfen.
Eröffnet werden die diesjährigen Filmtage mit dem neuen Film "Mondkalb" von Sylke Enders, die bereits mit ihrem Erstling "Kroko" 2003 in Hof einen Überraschungserfolg landete. Sie erzählt von Alex (Juliane Köhler), die nach ihrem Gefängnisaufenthalt in eine Kleinstadt flüchtet, auf der Suche nach einem Neuanfang.
Martin Theo Krieger zeigt "Beautiful Bitch", eine Geschichte über eine Kleinkriminelle aus Bukarest, die im Spannungsfeld zwischen Freiheit, Wohlstand im Westen und polizeilicher Verfolgung ein gefährliches Dasein fristet.
Mit zwei Filmen zu Gast auf den Filmtagen: Rosa von Praunheim (Foto: Hofer Filmtage)
Zeitreise mit Dominik Graf
Dominik Graf begibt sich mit seiner Verfilmung von "Das Gelübde" auf eine Reise ins 19. Jahrhundert: Der Künstler und Lebemann Clemens von Brentano (Misel Maticevic) reist nach einer Lebenskrise an das Krankenlager der Nonne Anna Katharina Emmerich (Tanja Schleiff), an deren Körper sich die Wundmale Christi zeigen. Volker Einrauch kommt mit seinem Drama "Der andere Junge" mit Peter Lohmeyer in einer Hauptrolle, Andreas Kleinert mit "Freischwimmer", in dem August Diehl und Fritzi Haberlandt spielen.
Rosa von Praunheim ist gleich mit zwei Filmen vertreten: Er tritt mit "Meine Mütter - Spurensuche in Riga" die Suche nach seiner Herkunft an und begleitet mit "Mit Olga auf der Wolga" eine Flussfahrt von Moskau nach St. Petersburg. Ihre ersten Spielfilme präsentieren Hagen Keller mit "Meer is nich", ein Jugenddrama, und Heiko Aufdermauer mit "Zeit der Fische", eine zarte Liebegeschichte. Auch Maria Schrader zeigt ihre erste Regiearbeit
"Liebesleben": Für Jara, eine Frau, die alles hat und glücklich ist, wird die Begegnung mit dem älteren Arie schicksalhafte Folgen haben.