Frankokanadischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Mit witzig-provokanten und brillanten sarkastisch-satirischen Gesellschaftsstudien, die als urbane Tragikomödien mit boshafter Personenzeichnung, intelligenten, pointiert schillernden ironischen und bissigen Dialogen und gezielt kontrastreichen Szenen, die oft die Höhepunkte seiner Filme bilden, wurde Denys Arcand der neben Atom Egoyan international berühmteste Regisseur Kanadas. "Der Untergang des amerikanischen Imperiums", "Jesus von Montreal", "Liebe und andere Grausamkeiten" und "Die Invasion der Barbaren" sind Filme von intensiver emotionaler und intellektueller Beunruhigung, liebevoll, geistreich und grausam.
Denys Arcand wurde 1941 in Deschambault in der Nähe von Québec geboren, studierte an der Universität Montréal Geschichte, begann 1961 mit Kurzfilmen, die ihm die Mitgliedschaft beim National Film Board of Canada einbrachten, machte sich einen Namen mit Dokumentarfilmen über die Geschichte der ersten nordamerikanischen Kolonien und gründete 1970 die Firma Cinéastes Associés. Sein Dokumentarfilm "On est au coton" (1970) wurde verboten, weil er angeblich ein verzerrtes Bild der Zustände wiedergab. In den 70er-Jahren engagierte sich Arcand für ein unabhängiges Québec und griff in seinen Filmen bevorzugt die Themen Macht und Korruption auf, die er leidenschaftlich attackierte.
Denys Arcands erster Spielfilm "La maudite galette - The Damm Dough - Dreckiges Geld" (1972) ist ein "falscher Krimi" (Arcand), erzählt von harmlosen Leuten, Schrotthändlern, die wegen einiger tausend Dollar zu Kriminellen werden und weist auf Arcands Methode, hinter klassischen Erzählungen mit scharfem Blick und schwarzem Humor eine von Geld und Gier beherrschte Gesellschaft zu analysieren. Dreizehn Jahre später wird Arcand mit seinem vierten Spielfilm "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" (1985) weltberühmt, schafft einen in der kanadischen Filmgeschichte einmaligen Erfolg. Intellektuelle Thirtysomethings, ihre Frauen und Geliebten treffen sich im Wochenendhaus und tauschen sexuelle Erfahrungen aus. Siebzehn Jahre später greift Arcand das Thema wieder auf: Die Clique trifft sich in "Die Invasion der Barbaren" (2003) erneut - am Sterbebett des Geschichtsprofessors Rémy -, um dem alten Radikal-Sozialisten die letzten Tage zu erleichtern. In der Figur von Rémys Sohn, der als Börsenmakler mit viel Geld das Krankenhaus-System aufmischt und Dad mit Heroin versorgt, tritt die neue Generation auf.
Zwischen den Meisterwerken entsteht die spritzige Satire "Jesus von Montréal" (1989), die in Form einer modernen Allegorie die Passionsgeschichte nach Matthäus aufgreift und zeitgenössische Deformationen wie die Werbeindustrie, Pornosynchronisation und Coca-Cola mit dem Urknall, Hamlets Monolog und Paul Newmans Salatsauce kontrastiert. "Liebe und andere Grausamkeiten" (1993) beschreibt einsame Großstädter, die durch eine unheimliche Mordserie verbunden sind, "Stardom" (2000) karikiert den kometenhaften Aufstiegs eines jungen Supermodels und die Welt der Catwalks und Medien.
Arcands Filme wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, so erhielt "Untergang..." den Fipersci-Preis Cannes 1986 und war wie "Jesus..." für den Auslands-Oscar nominiert, den "Die Invasion der Barbarten" 2004 gewann. "Invasion..." erhielt den Drehbuchpreis Cannes 2003, drei Césars" (Film, Regie, Buch) und drei kanadische Jutra Awards. Insgesamt gewannen Arcands Filme sechs kanadische Genie Awards.
Denys Arcand war zwei Mal verheiratet und hat keine Kinder. Im Alter von 55 Jahren adoptierte er 1996 ein chinesisches Baby.
Goldene Palme für Skandalfilm "Elephant"
Die gegenseitigen Anfeindungen zwischen Franzosen und Amerikanern waren dieses Jahr ein großes Thema an der Côte d'Azur. Trotzdem zeigte sich die Jury um Thierry Fremaux mutig.
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Von der Jury mit Siegerküsschen bedacht: "Elephant"
Denn mit "Elephant" sprach man einem Film die zwei wichtigsten Preise zu - die Goldene Palme und den Regiepreis - der noch Öl ins Feuer der nationalen Empfindlichkeiten bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes gießt.
Gus van Sants Drama wirft nämlich ein äußerst kritisches Licht auf die Zustände an amerikanischen Schulen und reiht sich ziemlich nahtlos in Michael Moores Waffen-Doku "Bowling for Columbine" ein. Und Moore ist in den USA nicht erst seit seiner Oscar-Rede ("Shame on you, Mr. Bush!") DIE Persona non grata.
Diese Entscheidung mag Menschen wie Harvey Weinstein, der im Vorfeld lautstark das fehlende Interesse der US-Filmer an den Festspielen von Cannes verkündete, ein Dorn im Auge sein. Dabei saß mit Meg Ryan immerhin auch ein Lieblingskind Hollywoods in der Jury.
Man darf jedenfalls ziemlich sicher sein, dass die Wellen der Entrüstung von der anderen Seite des Atlantiks bald mit gewohnter Heftigkeit an die Strände der Côte d'Azur branden werden.
Neben "Elephant" war der von der Arthouse-Kritik favorisierte türkische Beitrag "Uzak" von Nuri Bilge Ceylan ein weiterer großer Gewinner: Er wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, zudem wurden die beiden Hauptdarsteller Muzaffer Ozdemir und Mehmet Emin Toprak mit dem Schauspielerpreis bedacht.
Durchsetzen konnte sich auch Denys Arcands Sterbehilfe-Drama "The Barbarian Invasion", das den Drehbuchpreis und den Darstellerinnenpreis für Marie-Josée Croze erhielt.
Die Camera d'Or für den besten Erstlingsfilm sicherte sich "Reconstruction", eine rauschhafte Parabel über die Folgen einer bedingungslosen Liebe.
Die von der Berlinale und den Oscars erfolgsverwöhnte Nicole Kidman musste diesmal dagegen völlig überraschend mit leeren Händen die Heimreise antreten: Der allgemein als Favorit gewertete "Dogville" von Lars von Trier konnte die Jury nicht überzeugen.
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