Britischer Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Seit er 1993 als am sozialen Abgrund hängender Anti-Held in Mike Leighs Drifter-Drama "Nackt" explodierte, hat der britische Charakterdarsteller David Thewlis meist exzentrische Figuren verkörpert. Die größte Bekanntheit erlangte er als Remus Lupin, Lehrer im Fach "Verteidigung gegen die dunklen Künste" in der "Harry Potter"-Reihe (seit "HP und der Gefangene von Askaban", Teil 3, in fünf der acht Filme). Thewlis ist der zynische irische Großgrundbesitzer und Verpächter Lyons in Steven Spielbergs Pferde- und Weltkrieg-Drama "Gefährten" (2011) und in Luc Bessons "The Lady" (2012), Biopic der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (Michel Yeoh), ihr britischer Ehemann Michael Auris, der 1999 an Krebs starb.
Thewlis liebt außergewöhnliche, sperrige und ruhelose Charaktere, die Widersprüche ausleben und sich gegen die Gesellschaft stellen. Als Lyriker Paul Verlaine ("Total Eclipse", 1995) in leidenschaftlicher Beziehung zu Kollege Arthur Rimbaud (Leonardo DiCaprio), als Künstlerfreund von Julianne Moore in "The Big Lebowski (1997), als in selbst gewählter Isolation lebender Pianist in Bernardo Bertoluccis Kammerspiel "Shandurai und der Klavierspieler" (1999) oder als SS-Offizier und Kommandant eines KZs in Mark Hermans Holocaust-Drama "Der Junge im gestreiften Pyjama" (2006): Immer stellt sich Thewlis gegen die Norm, heiratet in Jean-Jacques Annauds Bergsteiger-Drama "Sieben Jahre in Tibet" (1997) eine tibetanische Frau, streift als betrunkener Journalist durch Belfast ("Starkey", 1998) oder tobt sich als Gangster aus, so als "Schlächter von Mayfair" in Paul McGuigans "Gangster No. 1" (2000) und in "London Boulevard" (2010). 2011 glänzte er als wahnsinniger IRA-Mann und Waffenschmuggler in "Mr. Nice", Bernard Roses Biopic des Drogenschmugglers Howard Marks (Rhys Ifans).
Thewlis wurde als David Wheeler 1963 im Seebad Blackpool als Sohn eines Paares geboren, das einen Spielzeugladen betrieb. Als Teenager spielte er Leadgitarre in der Rockband Doors 66. Während des Studiums an der London Guildhall School of Music and Drama bekam er Geschmack an der Schauspielerei und schloss sich einer Theatergruppe an, wo er, weil es bereits einen David Wheeler gab, als Künstlernamen den Geburtsnamen seiner Mutter annahm. Seit 1985 war er in Nebenrollen in Fernsehserien, Fernseh- und Kinofilmen zu sehen, lernte Regisseur Mike Leigh kennen und spielte in dessen "Life is Sweet" (1991) den Lover von Jane Horrocks und 1993 die Hauptrolle in "Nackt". Als gestörter Killer fiel er im dritten Teil der Krimi-Reihe "Heißer Verdacht" (mit Helen Mirren) auf, spielte Ärzte ("Restoration", "Veronika beschließt zu sterben"), Archäologen ("Dinotopia"), den tyrannischen König in "Dragonheart", reiste mit Paul Walker in "Timeline" ins Mittelalter, war Hospitaliter, Ritter des Johanniterordens in Ridley Scotts "Königreich der Himmel", Pilgervater in Terrence Malicks "The New World" und 2011 als William Cecil Berater von Queen Elizabeth in Roland Emmerichs "Anonymus".
Thewlis schrieb und inszenierte 1995 den Kurzfilm "Hello, Hello, Hello" und 2003 die Dramödie "Creepy", wo er als Witwer durch eine Game Show auf einen neuen Lebensweg gelenkt wird.
Thewlis wurde für "Nackt" mit den Darstellerpreis von Cannes und fünf weiteren Filmpreisen ausgezeichnet, war mehrfach für Auszeichnungen nominiert und erhielt 2008 den Richard Harris Award for Outstanding Contribution to British Films.
Thewlis malt, schreibt Gedichte und veröffentlichte 2007 bei Simon & Schuster den Roman "The Late Hector Kipling", eine schwarzhumorige Reise durch die Londoner Kunstszene.
Thewlis war 1992/93 mit Kollegin Sara Sugarman verheiratet; er war mit Kollegin Kate Hardie liiert und lebte von 2001 bis 2010 mit Kollegin Anna Friel, mit der er eine Tochter (2005) hat.
Orlando Bloom unter Terror-Feuer
Erst einen Monat ist es her, da der marokkanische König ein Kontingent von Soldaten zum Schutz der Filmemacher abstellte. Der Grund damals: eine Morddrohung gegen den Regisseur.
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Eben "Troja" überstanden, nun der Schock von Marokko: Orlando Bloom (Foto: Warner)
Ridley Scott ließ sich allerdings von den Anfeindungen islamischer Extremisten nicht beirren und filmte weiter. Dass die Stimmung vor Ort derart aufgeheizt ist, liegt am Thema von Scotts "Kingdom of Heaven": die Kreuzzüge im 12. Jahrhundert.
Dabei ist das neue Sandalenepos des "Gladiator"-Machers nicht etwa eine Verherrlichung christlich-abendländischer Eroberungsuntaten. Denn im Mittelpunkt des Films steht in der Gestalt von Orlando Bloom ein junger Schmied, der die Bürger Jerusalems im Kampf gegen die europäischen Religionskrieger anführt.
Bombe oder Molotow-Cocktail?
Trotzdem gab es nun erneut Aufregung am Set in Ouarzazate, 100 km südöstlich von Marrakesch - und diesmal ließen es die Islamisten nicht bei leeren Worten bewenden. Nach einem infernalischen Knall brachten sich alle Mitarbeiter schnellstens in Sicherheit. Ein Crew-Mitglied berichtet:
"Wir dachten zuerst alle, es sei eine Bombe und waren völlig geschockt. Orlando, Ridley und die gesamte Crew wurden sofort evakuiert."
Wenig später entdeckte man brennendes Equipment. Als Ursache des Feuers waren schnell drei Flaschen mit einer bislang nicht identifizierten Flüssigkeit entdeckt. Die Untersuchung des Vorfalls dauert noch an.
Ob bei derartigen Schwierigkeiten das mit 100 Mio. Dollar nicht eben geringe Budget für "Kingdom of Heaven" überhaupt ausreichen wird, ist fraglich. Die Schauspieler denken allerdings nicht ans Aufgeben, allen voran die beiden Haudegen Liam Neeson, der Orlando Blooms Vater spielt, und Jeremy Irons, der einen von Blooms Gegenspielern mimt. Ebenfalls im gefährlichen Wüstensand: Venusfalle Eva Green aus "Die Träumer" und David Thewlis, der in "Sieben Jahre in Tibet" Brad Pitts Wegbegleiter war.