Daniel Küblböck ist ein Paradebeispiel für Medienmacht und den Willen zum Konsum. An dem am 27. August 1985 in Hutthurm geborenen Bayern scheiden... - Foto: http://images.kino.de/flbilder/max03/mw03/mw33/m0333860/b150x150.jpg Daniel Küblböck

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Daniel Küblböck


  • Geburtstag
    27.08.1985
  • Geburtsort
    Hutthurm

Daniel Küblböck ist ein Paradebeispiel für Medienmacht und den Willen zum Konsum. An dem am 27. August 1985 in Hutthurm geborenen Bayern scheiden sich die Geister: Die einen finden ihn witzig, die anderen sehen in ihm einen Teil der Trash-Kultur, wieder andere verstehen den sinnlosen Hype um den kleinen Quälgeist überhaupt nicht. Kein Wunder, dass Küblböck, der sich mit bemerkenswertem Kalkül zur öffentlichen Person gemacht hat, von den Zuschauern des Privatkanals Pro Sieben 2004 zur nervigsten Person des Jahres gewählt wurde. Bei der ZDF-Abstimmung "Unsere Besten" hingegen belegte er den sechzehnten Platz noch vor Wolfgang Amadeus Mozart. Als Drittplatzierter der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" zum Medienstar erhoben, versuchte der damals 18-jährige Küblböck von Anfang an, mit auffälliger Kleidung, kindlichem Getue, offen nach außen getragenen homosexuellen Neigungen und einem aufdringlichen Akzent die Kameras so lange wie möglich auf sich zu ziehen. Nach dem Hauptschulabschluss arbeitet Küblböck zunächst in einem Kindergarten, bevor er sich 2003 für die Superstar-Show bewirbt und dabei das Interesse der Bild-Zeitung weckt, die ihn nur zu gern zum "schrägen Vogel" abstempelt. Ein verkaufsförderndes Image, das dem Aufsteiger trotz seines Ausscheidens in der vorletzten Runde einen Vertrag mit Dieter Bohlen einbringt. Die Single "You Drive Me Crazy" erobert in Deutschland und Thailand die Charts. Über ein Jahr lang bleibt Daniel in den Medien präsent. Er tritt in TV-Serien und Werbespots auf, veröffentlicht ein Album ("Positive Energie", 2003) und eine Autobiografie ("Ich lebe meine Töne", ebenfalls 2003), die zum Bestseller wird. 2004 ist er wieder in einer Fernsehshow zu sehen, diesmal mit dem Titel "Ich bin ein Star - holt mich hier raus". Gerade als sein Superstar-Stern zu sinken droht, macht Küblböck wieder (negative) Schlagzeilen, da er ohne Führerschein einen schweren Autounfall verursacht. Der Film "Daniel und der Zauberer", der wenig später in die Kinos kommt, findet dennoch kaum Beachtung und wird nach der ersten Woche wieder abgesetzt. Ein für Oktober desselben Jahres angekündigtes Album erscheint nicht, lediglich eine mit drei anderen ehemaligen "Superstars" aufgenommene Single, dann scheint die Karriere beendet. Nachdem ein Comic namens Super-Dan, der Küblböck als Superhelden darstellt, ebenfalls floppt, wird er 2005 schließlich von Schlagerveteran Jack White unter Vertrag genommen. Im September erscheint die Single "König von Deutschland". Neue Schlagzeilen gibt's aber schon vorher: Daniel streitet sich gerichtlich mit einem Ein Ex-Lover, der Telefonsex-Bänder zum Verkauf angeboten hat, und verbringt eine Woche lang im Big-Brother-Dorf, wo er den Superstar-Gewinner Alexander Klaws als bisexuell bezeichnet. Ebenso wie die eher enttäuschende Single "König von Deutschland", stößt auch das zweite Album, "Liebe Nation", (2005) auf sehr geringes Interesse und verschwindet bereits nach einer Woche wieder aus den Verkaufshitlisten.

  • Geburtstag
    27.08.1985
  • Geburtsort
    Hutthurm
  • Geburtsland
    BRD

"Vom ersten Augenblick an faszinierend"

In "Daniel, der Zauberer" spielt der schlagzeilenträchtige Casting-Star sich selbst, einen Profi-Entertainer, der "von Millionen geliebt und gehasst" wird (so der Untertitel). Ulli Lommel, der den Film inszenierte, spielt Daniels Schutzengel während Produzent Peter Schamoni als grantiger Opa Winter zu den Küblböck-Gegnern im Film gehört.

Großansicht Daniel: durch DSDS zum heiß diskutierten Star (Foto: Rekord-Film)

Daniel: durch DSDS zum heiß diskutierten Star (Foto: Rekord-Film)

» Was hat Sie motiviert, einen Film über Daniel Küblböck zu drehen?

ULLI LOMMEL:

Ich lernte Daniel letzten Oktober bei einem RTL-Event kennen. Da ich 30 Jahre lang nicht in Deutschland gewesen bin und die Casting-Shows auch nicht mitverfolgt habe, kannte ich ihn überhaupt nicht. Doch vom ersten Augenblick an faszinierte er mich. Mir war sofort klar, dass ich dieses Phänomen filmisch verarbeiten wollte.

» Was macht für Sie Küblböck zu einem Phänomen?

LOMMEL: Die Tatsache, dass er in Deutschland einerseits total angefeindet, andererseits total verehrt wird. Wie Daniel es schafft, die deutsche Gesellschaft zu polarisieren, das ist phänomenal.

PETER SCHAMONI:

Als mir Ulli von seinem Vorhaben erzählte, war meine erste Reaktion: "Bist du wahnsinnig? Über diesen durchgeknallten Frosch einen Film zu machen?" Dann habe ich mich überzeugen lassen und bin als Produzent und Schauspieler eingestiegen. Daniel ist ein unheimlich begabter Mensch, der Emotionen zeigen kann. Die Verbindung von ehemaligen Fassbinder-Stars und Küblböck - das ist der Witz an dem Film.

Großansicht Ulli Lommel: Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler (Foto: fictionFACTory/Crossed Arrows
)

Ulli Lommel: Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler (Foto: fictionFACTory/Crossed Arrows )

» Wie sind Sie vorgegangen?

LOMMEL: Ich habe erst einmal viel im Internet recherchiert. Da gibt es die irrsinnigsten Sachen: Morddrohungen, Hasstiraden wie "das Schlimmste seit Adolf Hitler ist Daniel Küblböck" etc. Wirklich unglaublich. Und andererseits existiert eine unsagbare Verehrung.

» Wie ist es Ihrer Meinung nach zu erklären, dass Daniel Küblböck "von Millionen geliebt, von vielen gehasst" wird?

LOMMEL: Meiner Empfindung nach hat der Großteil der Deutschen unheimliche Schwierigkeiten damit, Gefühle auszudrücken. Auf der anderen Seite, was das Rationale betrifft, können die Deutschen unheimlich schnell urteilen. Das intellektuelle Niedermachen funktioniert einmalig. Das trifft auch und gerade auf die Medien zu. Und nun kommt dieser Küblböck daher, der seine Gefühle einfach ausdrückt. Er hat überhaupt keine Hemmungen. Für die einen ist das eine Erlösung. Für die anderen das Allerletzte. Unsicherheit und Hass sind die Folgen. Und Daniel wird zur Zielscheibe. Das ist Thema meines Films.

Großansicht Daniel Küblböck überreicht Peter Schamoni seine Autobiografie (Foto: Peter Schamoni)

Daniel Küblböck überreicht Peter Schamoni seine Autobiografie (Foto: Peter Schamoni)

» Hat es lange gedauert, Daniel für Ihr Projekt zu gewinnen?

LOMMEL: Gleich nach einem Konzert in München habe ich mich mit Daniel und seinem Vater getroffen und von meiner Idee erzählt. Beide fanden sofort Gefallen daran.

» Wo und wie lange haben Sie gedreht?

LOMMEL: Wir haben im Januar 2004 begonnen und u.a. in Passau, München, Los Angeles, New York und Las Vegas gedreht. Ich hatte am Schluss über 30 Stunden Filmmaterial. Viel zu viel. Dann habe ich beschlossen, mich auf das deutsche Phänomen zu konzentrieren und den von zwei gefrusteten Teenagern geplanten Mordanschlag auf Daniel ins Zentrum zu stellen.

SCHAMONI: Für mich hat die Art und Weise, wie "Daniel, der Zauberer" entstanden ist, absolut hohe cineastische Qualitäten. Seine Machart erinnert mich an "Zur Sache, Schätzchen", den wir damals in 14 Tagen im Kasten hatten. Auch "Daniel" ist sehr schnell und witzig gemacht.

Großansicht Peter Schamoni will mit seinen Filmen die Welt verändern (Foto: Kurt Krieger)

Peter Schamoni will mit seinen Filmen die Welt verändern (Foto: Kurt Krieger)

» Welcher Gedanke stand hinter der Figur, die Sie verkörpern?

LOMMEL: Daniels Großmutter erzählte mir, dass Daniel das Talent von ihrem Mann hätte, der Musiker auf dem Oktoberfest und ein unheimlich guter Entertainer war. Und ich fand die Idee ganz schön, mit Johnny Merlin eine Rolle einzubauen, die eine Art Lehrmeister und Schutzengel darstellt.

» Laufen Sie nicht Gefahr, mit diesem Film ebenso zur Zielscheibe der Kritiker zu werden wie Daniel Küblböck?

SCHAMONI: Interessant ist doch, dass alle Argumente, die man gegen Küblböck anführen kann, in dem Film vorweggenommen werden. Die beiden Hasser, die ihn als Kulturschande darstellen. Oder meine Figur, der grantige Opa Winter, der die Musik als Müll abtut. Der Film enthält alles, was man gegen Daniel sagen kann, und alles, was man für Daniel sagen kann.

» Was hätte Fassinder zu dem Film gesagt?

SCHAMONI: Der wäre begeistert. Die Machart ist sehr in seinem Stil: diese Leichtigkeit, dieses Hingetupfte und Skizzenhafte, das der Fantasie viel freien Lauf lässt.


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