Der heute in Frankreich lebende Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur war 1984 aus China nach Paris emigriert. Seine Erfahrungen in einem... http://www.kino.de/_assets/pics/kinode-logo-150x50.png Dai Sijie

Steckbrief

Dai Sijie


Der heute in Frankreich lebende Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur war 1984 aus China nach Paris emigriert. Seine Erfahrungen in einem chinesischen Umerziehungscamp dienten ihm später als Inspiration für seinen ersten Roman "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin", der ein großer internationaler Erfolg und 2002 auch verfilmt wurde. Zu diesem Film schrieb Dai das Drehbuch und führte Regie.

  • Geburtsland
    China

"Lesbische Liebe ist immer noch tabu"

Noch in den 80er-Jahren galt Homosexualität in China als Geisteskrankheit und auf entsprechende "Vergehen" stand die Todesstrafe. Vor diesem Hintergrund erzählt Dai Sijie nach dem Welterfolg "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" nun in "Die Töchter des chinesischen Gärtners" (Kinostart 28.6.) die Geschichte einer Liebe, die trotzdem keine Grenzen kennt.

Großansicht Wo die Liebe hinfällt, ist selbst die drohende Todesstrafe kein Hindernis (Foto: Universum (24 Bilder))

Wo die Liebe hinfällt, ist selbst die drohende Todesstrafe kein Hindernis (Foto: Universum (24 Bilder))

» Ihr Film zeigt viel nackte Haut. Das bedeutet für Filmemacher und Darstellerinnen aus China ein großes Risiko...

DAI SIJIE: Es sind ja eigentlich nur zwei oder drei Nacktszenen. Natürlich ist auch das für chinesische Verhältnisse sehr riskant. Die zwei jungen Frauen sind sich ihrer Homosexualität gar nicht bewusst, als sie sich treffen - sie sehnen sich einfach nach Liebe. Daher geht es in den Nacktszenen auch nicht so sehr um Erotik als um die Ästhetik einer starken Liebessehnsucht.

» Es gab jedenfalls in China seitens der Obrigkeit einigen Aufruhr um Ihren Film, was genau ist da vorgefallen?

Ich hatte mit Zhou Xun "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" gedreht. Ihr wurde nahegelegt, besser nicht in meinem neuen Film "Die Töchter des chinesischen Gärtners" mitzuwirken. Es ist nämlich so, dass das Thema Homosexualität in China schlicht verboten ist. Deswegen haben mir die chinesischen Behörden auch nicht erlaubt, dort zu drehen, es wäre ein Tabubruch gewesen. Also musste ich nach Vietnam ausweichen, um die passende Umgebung für die Szenen in der Natur und in den Gärten zu finden.

Großansicht Vollständig mit der Figur identifizieren: Dai Sijie mit Li Xiaoran am Set (Foto: Universum (24 Bilder))

Vollständig mit der Figur identifizieren: Dai Sijie mit Li Xiaoran am Set (Foto: Universum (24 Bilder))

» Ihre Hauptdarstellerinnen sprechen nicht dieselbe Sprache, da Mylène Jampanoi in Frankreich aufgewachsen ist. Wie hat sich das auf den Film ausgewirkt?

Der Film basiert auf einer Begebenheit, die sich tatsächlich in China zugetragen hat. Wir fanden in einer Tageszeitung eine Notiz unter der Rubrik "Vermischtes". Allerdings war dies die Geschichte zweier echter Chinesinnen.

Ich habe mich aber entschieden, das zweite Mädchen keine echte Chinesin sein zu lassen, sondern stattdessen eine Frau mit russischer Mutter und chinesischem Vater. Da ich seit über zwanzig Jahren in Frankreich lebe, kann ich mich leichter mit einer Person identifizieren, die einen solchen kulturellen Hintergrund hat. Und eine glaubhafte Figur entsteht nur in Einklang zwischen Regisseur und Schauspieler und zwischen den Darstellern selbst. Und das wiederum ist keine Frage der Sprache.


Filmografie

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