Christopher Doyle

Christopher Doyle

Leben & Werk

Mit spektakulären innovativen Aufnahmen seiner lyrisch tanzenden Kamera, frenetischen Straßenszenen, Paaren in delirierenden Umarmungen und großen historischen Panoramen ist Christopher Doyle der einflussreichste Kameramann der Moderne, der fast im Alleingang die Neue Welle des asiatischen Films in Hongkong, Taiwan, China und Thailand begründete, die in Europa (Dogma) und Amerika kopiert wurde. Doyles Kameraarbeit kennt keine Vorbilder, ein Filmstudium in Frankreich brach er ab, weil er es nutzlos fand: “Die Autorentheorie ist tot. Man kann nur beim Dreh lernen. Das Auge trainieren, darauf kommt es an, das dauert ein Leben lang.” Doyle stellt die Dominanz des Bildes über die Logik der Erzählung und die Systeme der Sprache und erfand eine so regellose wie elegant faszinierende neue Filmsprache.

“Ich bin ein Chinese mit einer Hautkrankheit!” beschreibt sich der Mann, der fließend Mandarin und Kantonesisch spricht. Für Doyle, dessen chinesischer Name poetisch Du Ke Fung (“wie der Wind”) lautet, ist Ostasien, wo die Hälfte der Menschheit lebt, das Zentrum der Filmwelt. Dabei behält er seine Unabhängigkeit als umherwandernder Geist: “In der Kunst des Kinos wird jeder alles glauben, solange die Atmosphäre stimmt. Der Regisseur muss dem Kameramann nur den richtigen Freiraum verschaffen.” Seine Arbeit bezeichnet er als “Prostitution”, aber er gibt ostasiatischen Kunden den Vorzug vor Gwailos (Weißen).

Doyle, der in über 40 Filmen die Kamera führte, wurde durch die Zusammenarbeit mit “King Wong” Wong Kar-Wai bekannt, für den er seit 1991 (“Days of Being Wild“) alle Filme (“Chungking Express“, “Fallen Angels”, “2046″) aufnahm, mit Weitwinkeln (wegen der Enge in Hongkong) und auf mehreren Bildebenen abgestuften Kompositionen hinreißende Szenen schuf, die zu Ikonen des modernen Films wurden (Ein Motiv aus “In the Mood for Love” wurde Poster der Filmfestspiele Cannes 2006). Zhang Yimous historisches Epos “Hero” (mit der einmaligen Starbesetzung Jet Li, Maggie Cheung, Zhang Zyji, Tony Leung, Donnie Yen) wurde durch Doyle das Meisterwerk der Meisterwerke, er hat Martial-Arts in Träume verwandelt (Yimous “House of Flying Daggers“, mit Zhang Ziyi), die Liebesszene zwischen Tony Leung und Gong Li in Chen KaigesVerführerischer Mond” ist getanzte Rhapsodie in Blau. Doyle hat für Stanley Kwan, Edward Yang, Sylvia Chang, Peter Chan, Park-Ki Yong und den Thailänder Pen-Ek Ratanarunang (“Last Life in the Universe”, “Invisible Waves“) gearbeitet.

Doyles Ausflüge in westliche Kinematografie umfassen Gus Van Sants “Psycho”, den er aufnahm, ohne Hitchcocks Original zu kennen, Barry Levinsons Baltimore-Nostalgie “Liberty Heights“, M.Night Shyamalans Pool-Mystik “Das Mädchen aus dem Wasser“, die Ismael Merchant/James Ivory-Produktion “The White Countess” (2005), die in Shanghai entstand, die Aborigines-Odyssee “Long Walk Home” von Philip Noyce und den Politthriller “Der stille Amerikaner” (gedreht in Vietnam).

Doyle hat 1999 “Away With Worlds” inszeniert, eine Hongkong-Japan-Co-Produktion, die in einer Bar spielt. Für den Episodenfilm “Paris, je t’aime” (2006) steuerte er die Episode “Porte de Choisy” bei. Die aufregenden Fotos, die er während Dreharbeiten schoss, waren weltweit in Ausstellungen zu sehen.

Christopher Doyle wurde in einem Vorort von Sydney geboren, gab nach einem Jahr das Studium der Literatur auf und führte ein abenteuerliches Leben. Er wurde Matrose bei der norwegischen Handelsmarine, Kuhhirte in Israel, Ölsucher in Thailand und Theaterbesitzer in Taiwan, wo die ersten Kontakte zur Kulturszene entstanden. Nach sieben Jahren entführt ihn eine Freundin nach Paris, das er wegen Heimweh nach Taiwan wieder verließ. Heimisch wurde er in Hongkong, wo er u.a. visueller Berater der “Infernal Affairs”-Triaden-Cop-Trilogie von Andy Lau und Andrew Mak wurde.

Doyle gilt als Heiliger Trinker, ist bekannt für trockenen Humor, die Anekdoten über seine wahnsinnige, unberechenbare Arbeitsweise könnten ganze Bücher füllen.

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