Deutscher Normalo heiratet heißblütige Halbitalienerin: In "Maria ihm schmeckts nicht" sind Kulturkonflikte vorprogrammiert - und sorgen für großen Kinospaß! Hauptdarsteller Christian Ulmen erlebte den Kampf zwischen Dolce Vita und deutscher Gründlichkeit auch am Set. Zum Interview erscheint er lässig in Jeans und aufgeknöpftem Hemd, raucht eine Zigarette und redet hoch inspiriert ohne Punkt und Komma.
Wer gegen Meeresfrüchte allergisch ist, dem schmeckt's bei Calamari tatsächlich nicht! (Foto: Constantin)
» Mussten Sie beim Dreh in Italien auch seltsame Spezialitäten essen so wie im Film den Tintenfisch?
CHRISTIAN ULMEN: Dieses Klischee aus "Maria, ihm schmeckt's nicht!" trifft auch in der Realität voll zu. Aber ich hab meistens geschwänzt. Lino Banfi hat uns jeden abend nach dem Dreh zum Essen eingeladen - auch wenn wir bis 22 Uhr gedreht hatten und es morgens um sieben weiterging - es MUSSTE einfach nochmal gegessen werden. Das hab ich die ersten zwei Mal gemacht. Und da ist es tatsächlich nicht mit einem Teller getan, da kommen dann noch acht weitere Gänge und auch Seeigel oder Hoden von Stieren und so Zeug. Absurde und kulinarisch hoch interessante Einblicke in die italienische Küche. Aber das jeden Abend, das war wirlich hart. Wir haben in Gravina gedreht, das ist ein winziges Dorf. Und trotzdem sehen die italienischen Restaurants dort total stylisch aus und sind exquisit ausgestattet, nicht wie typische Touri-Italiener, sondern wie die Nobel-Italiener in Berlin Mitte. Das heißt die lieben das Essen und zelebrieren es - mit allem, was dazugehört. Und wenn das beste Restaurant aufgemacht hat, ist das das Gesprächsthema Nummer eins in so einem Ort. Es geht nur ums Essen, permanent!
Schlemmen ist italienischer Lebensinhalt - das galt im Film wie am Set (Foto: Constantin)
» Haben sich denn noch andere Klischees aus dem Film auch in der Zusammenarbeit am Set mit den italienischen Schauspielern und dem Drehteam gezeigt?
Unser Ausstatter war ein Deutscher und er hat mal Grissini in Gläsern auf die Restauranttische gestellt. Doch da haben alle Italiener gesagt, dass es das so nirgendswo gibt, die würden anders serviert. Solche Sachen gab's öfter, wir kamen da mit einem deutschen Drehbuch an und dann hieß es "Hey, ganz so ist es hier aber nicht!" und darauf sind wir dann auch eingegangen. Aber im Prinzip fanden die Italiener viele Klischees schon bestätigt und konnten den Film nachvollziehen. Das liegt aber auch daran, dass die Italiener ihre Klischees mit Würde und Stolz vor sich hertragen. Sie finden das Bild ganz toll, das wir von ihnen haben, diese dolce vita und den ganzen Kram, das finden die ja super und sehen da keinen Grund, sich zu beschweren.
» Wurden Sie dann auch als typisch deutsch wahrgenommen?
Ja sicher, ich spreche ja auch kein Wort italienisch und hab auch gar nicht versucht es zu lernen, weil meine Figur ja auch kein italienisch spricht. Ich hab mir sogar immer die Ohren zugehalten, wenn ich in Gefahr geriet mir italienische Vokabeln zu merken, damit ich Method-Acting-artig meiner Figur treu blieb. Und ich hab abends dann diese Essen geschwänzt, weil ich für den Film abnehmen musste und nicht zunehmen durfte und dieses Pasta ist ja Wahnsinn. Ich bin dann abends ins Hotel und hab' gesagt "No, no, ich muss schlafen!". Na klar werden die gedacht haben "Eieiei, die sind ja wirklich so, die Deutschen!" Auch eine Dispo - das ist ein Ablaufplan von der Produktion, was wir am nächsten Tag drehen, um wieviel Uhr wir anfangen - sowas kannten die gar nicht. Die sagen "Treffen wir uns morgen um zehn und dann gucken wir mal und drehen halt das, was im Drehbuch steht."
Christian Ulmen kennt sich aus mit temperamentvollen Italienerinnen - er ist selbst mit einer verheiratet (Foto: Constantin)
» Haben Sie das Buch vorher gelesen?
Ich hab' das Hörbuch gehört.
» Und haben Sie sich gleich gedacht "Das bin ich!"?
Nein. Obwohl - irgendwie denkt das ja jeder. Das ist ja immer das Geheimnis eines guten Buches, dass sich jeder mit der Hauptfigur identifiziert. Insofern hab' ich das auch gedacht. Aber nicht in Hinblick auf "Den will ich mal spielen!".
» Sie sind selbst mit einer Halbitalienerin verheiratet. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Meine Frau ist in Deutschland groß geworden und man sieht ihr noch an, dass da italienische Gene unterwegs sind, aber sie ist jetzt in dem Sinn keine Italienerin. Daher war das bei uns alles relativ normal.
Wenn der argwöhnische Schwiegerpapa den Bewerber prüft, hilft auch kein noch so schöner Blumenstrauß (Foto: Constantin)
» War die erste Begegnung mit Ihrem Schwiegervater auch so katastrophal wie im Film?
Der Schwiegervater ist bei ihr nicht der italienische Part, der war Deutscher. Aber unabhängig davon, welche Nation der Vater der Freundin hat: Das ist immer schwierig! Das ist immer verbunden mit Schwitzen, Angst und Nervosität. Und diese Schwiegerväter wissen das auch, das kennen die ja aus ihrer eigenen Jugend und haben total Spaß daran, das auszunutzen und Sachen zu sagen wie "Hier, schneid' doch mal die Zigarre an!", obwohl man das noch nie gemacht hat und man dann vor geladenen Geburtstagsgästen 'ne Zigarre anschneidet, die dann total zerbröselt und man ist der Depp. Ich werd's später auch so machen, wenn ich mal 'ne Tochter habe und die'n Typen mitbringt. Dann werd ich da alles das zurückgeben, was ich erfahren habe, um das zu kompensieren.
» Im Film merkt man deutlich, dass es vor allem die Angst vor dem Fremden ist, die seltsames Verhalten produziert. Das ist doch in unserer Zeit auch ein ernster, fast politischer Hintergrund, wo viele Menschen Angst vor dem Unbekannten haben...
Ich glaube, es ist gar nicht die pure Angst vor dem Fremden, sondern die Angst sich dem Fremden gegenüber falsch zu verhalten. Denn man will ja eigentlich immer einen guten Eindruck machen. Es ist die Angst, vor dem Fremden dazustehen wie ein Idiot. Es ist die Angst, in ein falsches Licht gesetzt zu werden oder die Angst davor, nicht anzukommen, die Angst davor, schlicht und ergreifend nicht geliebt zu werden. Der Jan will ja eigentlich gemocht werden, er will ja alles richtig machen, er isst ja sogar, obwohl er gar nicht essen will oder nicht essen kann, wegen seiner Allergie. Aber man sieht ihm an, dass das Arbeit und Stress ist und darum denken die anderen, er will nichts mit ihnen zu tun haben.
Antonio kann es nicht fassen, dass sein geliebtes Töchterchen einen Deutschen heiraten will (Foto: Constantin)
» Die Buchfortsetzung "Antonio im Wunderland" spielt in New York. So ein Dreh in den USA wäre doch mal nett...
Absolut, aber ich weiß gar nicht, ob das ansteht. Sowas hängt ja auch immer davon ab, wie erfolgreich der erste Film ist.
» Könnte doch ein schönes Sprungbrett nach Hollywood werden...
Für Jan Weiler (Autor der Romanvorlage; Anm.d.Red.)? Oder für Lino Banfi? Nein, in den USA drehen ja so viele, ich glaube kaum, dass da einer sagt "Oh, da kommt ein Filmteam aus Deutschland, na da schaun wir aber mal genau, was da so geht!". Aber ich fände den Film eine gute Idee, mal gucken, was passiert.
Ulmen alias Jan, oder italienisch "Gianni", hat Probleme mit den weichen italienischen Matratzen (Foto: Constantin)
» Sie starten ohnehin gerade richtig durch mit "Männerherzen" neben Til Schweiger und dann "Jerry Cotton" - wenn da der Anruf aus Hollywood käme...
Weil Sie "Jerry Cotton" erwähnen: Meine Figur schlüpft in dem Film in verschiedene Rollen, unter anderem spielt er einen japanischen Alleinunterhalter und dafür musste ich Tanztraining nehmen, beim Tanztainer von Mónica Cruz, die auch mitspielt. Und der fragte auch "Na, Hollywood und so?". Und ich antwortete ihm: "Daran denke ich nicht, das ist Quatsch, ich mache jetzt hier mein Ding und freu mich, wenn das hier läuft." Dann hat er mich aber total dafür geohrfeigt und meinte "Das ist auch wieder so 'ne typisch deutsche Haltung: Nie nach den Sternen greifen, immer vernünftig das im Hier und Jetzt ok finden, damit abfinden, und sagen 'Ist doch schön, so wie's jetzt ist' und nie weiter nach oben. Das ist typisch Deutsch!" Aber ich sage, dann ist das eben typisch deutsch, das ist mir dann auch wurscht! Man ist ja hier sozialisiert. Und ich finde, dass ich in dem was ich mache, schon auch manchmal nach den Sternen greife. Ich habe vor Kurzem meinen Internet-Fernsehsender Ulmen.tv gegründet, das ist ja auch ein Experiment, das scheitern kann. Aber ich verschwende nicht einen einzigen Gedanken daran, in Hollywood zu arbeiten. Das ist wirklich absurd und in meiner Planung nicht vorgesehen.
Wenn's zu irrsinnig wird, hilft nur im stillen Örtchen einschließen und ganz laut schreien! (Foto: Constantin)
» Wenn Sie vielleicht nicht nach den Sternen greifen, sind Sie aber zumindest ein Glückskind - denn Sie waren ja oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Ja, klar hab' ich viel Glück gehabt. Auf der anderen Seite habe ich - um das mit Liebling Kreuzberg zu sagen - dem Glück auch 'ne Chance gegeben. Also wenn ich nicht mit zwölf aus Lust dauernd im offenen Kanal Fernseh- und Radiosendungen gemacht hätte, hätte mich auch nicht dann mit 18 ein Talentscout von MTV zufällig da gesehen. Aber ja, es ist eine Aneinanderreihung von sehr vielen glücklichen Umständen.
» Können Sie über sich selbst lachen?
Im Sinne von, wenn mir was passiert, ein Missgeschick? Klar, davon zehre ich, das inspiriert mich, die eigenen peinlichen Momente. Gerade die Sachen auf Ulmen.tv und bei "Mein neuer Freund" leben davon. Da ist es hilfreich, wenn man selber in peinliche Situationen gerät und sich dann nicht zu sehr schämt, sondern das hinterher aufschreibt.
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