Nach "Kevin - Allein zu Haus" - eine der erfolgreichsten Komödien der Filmgeschichte, für die Chris Columbus als Regisseur und Produzent mit seiner Firma "1492 Productions" veranwortlich zeichnete - setzte Chris Columbis zuletzt als Regisseur der Verfilmungen der ersten beiden Bände der weltweit erfolgreichen Kinderbuchreihe "Harry Potter" weitere Meilensteine in seiner Karriere. Auf den 2001 bereits über 12 Millionen Kinobesucher in Deutschland begeisternden ersten Teil "Harry Potter und Der Stein der Weisen" folgt 2002 "Harry Potter und Die Kammer des Schreckens", mit dem sich Columbus einmal mehr als Spezialist für grenzenlose Familienunterhaltung beweist.
Chris Columbus wurde 1958 in Pennsylvania geboren, wuchs in Ohio auf und experimentierte als Schüler mit einer 8-mm-Kamera, bevor er in New York Film studierte. Noch als Student schrieb er Drehbücher, von denen sich "Jocks" (über einen katholischen Schüler, der in einem Footballteam für Anerkennung kämpft) verkaufte. Drehbücher entstanden für die Liebesgeschichte zwischen Aidan Quinn und Darryl Hannah in "Rücksichtslos", für Joe Dantes Horrorkomödie "Gremlins", den Abenteuerfilm "Die Goonies" und Barry Levinsons "Das Geheimnis des verborgenen Tempels" (um den jungen Sherlock Holmes). 1987 debütierte Columbus als Regisseur mit "Die Nacht der Abenteuer", in dem Elisabeth Shue als Babysitterin eine aufregende Nacht mit den ihr anvertrauten Kids und Gaunern erlebt, die sie bis auf einen Wolkenkratzer jagen.
Columbus' Erfolgsserie begann, als er den Produzenten und Regisseur John Hughes kennenlernte, der ihm die Regie von "Kevin - Allein zu Haus" anvertraute, in dem ein Zehnjähriger das Haus seiner Familie im Stil der Live Action Cartoonery erfolgreich gegen zwei debile Einbrecher verteidigt. Columbus inszenierte auch die Fortsetzung, in der es Kevin nach New York verschlägt, wo er die Gauner wiedertrifft. 1991 begann die mehrere Filme umfassende Zusammenarbeit mit Robin Williams, der als "Mrs. Doubtfire" in Frauenkleidern als Hausmädchen auftritt, um seinem Sohn nahe zu sein. Auch dieser Film zählt zu den umsatzstärksten Filmen der Geschichte. Williams hatte einen Gastauftritt in "Neun Monate" und war wieder Hauptdarsteller in "Der 200 Jahre Mann", in dem ein Haushaltsroboter menschliche Gefühle entwickelt und seinen Metallkörper dem der Menschen anpassen will. Nach eigenem Drehbuch entstand die Komödie "Mama, ich und wir zwei", in der Maureen O'Hara ihren letzten Filmauftritt hatte und John Candy als Polizist und Muttersöhnchen ihr Filius ist, der eine zarte Romanze erlebt, während Mama von Anthony Quinn umworben wird. Mit "Neun Monate"(1995, mit Hugh Grant und Julianne Moore) inszenierte Columbus das Remake einer französischen Komödie. Columbus' ambitioniertester Film wurde das feinfühlige und psychologisch stimmige Melodram "Seite an Seite" (1998), in dem Julia Roberts die Geliebte eines geschiedenen Anwalts (Ed Harris) spielte, die sich erst vergeblich um seine Kinder bemüht und zur Freundin ihrer Rivalin wird, als die einstige Ehefrau (Susan Sarandon) unheilbar an Krebs erkrankt.
"Ich hatte alle Freiheiten"
Bei "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" hat erstmals Alfonso Cuarón Regie geführt - und die Latte liegt hoch: Die beiden vorangegangenen "Harry Potter"-Verfilmungen von Chris Columbus waren Welterfolge. Der mexikanische Regie-Jungstar über eine große Aufgabe.
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Alfonso Cuarón wurde mit "Große Erwartungen" bekannt (Foto: Günther Reisp)
» Chris Columbus warf nach den ersten beiden "Potter"-Filmen das Handtuch. Können Sie nach "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" besser nachvollziehen, warum er das getan hat?
Und ob. Ich kann Chris nur bewundern, dass er es geschafft hat, zweimal dabei zu sein. Ich wäre nach "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" dazu nicht in der Lage gewesen. Deshalb habe ich es auch abgelehnt, den nächsten Teil zu inszenieren.
» Sie wurden also zuerst gefragt?
Ja. Und anfangs war ich von der Idee auch noch sehr begeistert. Aber ich bin von den Strapazen noch immer so geschafft, dass ich die Verantwortung nicht noch einmal übernehmen wollte. Jetzt brauche ich erst einmal eine Pause und überlasse Mike Newell das Feld. Vielleicht ergibt sich in einigen Jahren noch mal die Gelegenheit, einen "Potter"-Film zu machen. Das könnte ich mir gut vorstellen.
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Harry und seine Freunde in Angst und Schrecken (Foto: Warner)
» Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen "Harry Potter 3" und den beiden vorherigen Filmen?
Der Unterschied ergibt sich bereits aus der Vorlage. In den ersten beiden Bänden sind Harry Potter und seine Freunde noch in einem sehr kindlichen Stadium.
In der neuen Geschichte lernt man sie als Teenager kennen, die einen ganz anderen Blick aufs Leben werfen. Mit 13 Jahren entwickeln Kinder eine gewisse Ernsthaftigkeit. Schon deshalb ist mein Film sehr viel düsterer als die ersten beiden Teile.
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Daniel Radcliffe ist auch beim nächsten "Harry Potter" dabei (Foto: Warner)
» Wäre Ihr Film noch düsterer ausgefallen, wenn Sie alle Freiheiten gehabt hätten?
Sicherlich musste ich mich an bestimmte Vorgaben halten, um an die ersten beiden Filme anzuknüpfen und dem Zuschauer ein Seriengefühl zu geben, aber das entsprach auch meinem eigenen Wunsch. Ansonsten hatte ich alle Freiheiten, die ich mir nur wünschen konnte. "Harry Potter 3" ist genau der Film geworden, den ich machen wollte.
» Es ist das erste Mal, dass Sie einen Blockbuster inszeniert haben. Wie sind Sie mit dem Druck fertig geworden?
Wenn dir gesagt wird, du darfst 130 Mio. Dollar für einen Film ausgeben, musst du erst einmal schlucken. Ich würde mich allerdings als sehr verantwortungsvollen Menschen bezeichnen, der das richtige Gespür für den Stoff hat. Natürlich muss man sich wie ein Rädchen in einer Maschine bewegen, aber die "Harry Potter"-Maschinerie garantierte jedem viel Sicherheit und Bequemlichkeit. Jeder Wunsch wurde einem von den Lippen abgelesen, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Von daher war es ein sehr angenehmes Arbeiten.
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Emma, Daniel und Rupert sind mit ihren Rollen gewachsen (Foto: Warner)
» Wie war das Arbeiten mit Ihren jugendlichen Hauptdarstellern Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint?
Ich spürte von Anfang an, dass sie durch die ersten beiden Teile bereits eine Beziehung zu ihren Charakteren aufgebaut haben. Daniel, Emma und Rupert nehmen sich als Schauspieler inzwischen ernst genug, um die Ecken und Kanten der Figuren herauszuarbeiten und sie mit Emotionen zu füllen.
» Stimmt es, dass es Ihre Idee war, Gary Oldman als den Gefangenen von Askaban und Emma Thompson als Prof. Trelawney zu verpflichten?
Ja, ich habe Gary Oldman und Emma Thompson ausgewählt. Das gehört zu den schönsten Aspekten bei einem "Harry Potter"-Film: Es gibt in England kaum einen renommierten Schauspieler, der nicht mitmachen würde.
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Gary Oldman als "der Gefangene von Askaban" (Foto: Warner)
» War es für Sie als Mexikaner anfangs schwierig, diesem sehr britischen Stil gerecht zu werden?
Eigentlich nicht, denn das Britische wird in den "Harry Potter"-Büchern so offensichtlich beschrieben, dass auch ein Nicht-Engländer das erkennt. Außerdem hat Chris Columbus schon viel Vorarbeit geleistet. Wir haben schließlich in den gleichen Sets gearbeitet. Chris hatte die Küche sozusagen schon aufgebaut. Ich musste darin nur noch kochen.
» Wie schon beim letzten Teil entfacht sich auch diesmal wieder eine Diskussion, ob der Film für Kinder nicht zu gruselig sei.
Zugegeben, manche Szenen in "Harry Potter 3" sind schon ziemlich gespenstisch. Aber es ist ein Gruseln, das Kindern gefällt, ähnlich wie in einer Geisterbahn. Das hängt sicherlich auch vom Alter ab.
» Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Ich habe schon vor "Harry Potter 3" einen Stoff ausgearbeitet, der "The Children of Men" heißt und im Jahr 2030 in London spielt. Ich hoffe, dass daraus etwas wird. Ich könnte mir aber auch vorstellen, wieder nach Mexico zurückzugehen, um einen kleinen Film zu drehen. Worüber, kann ich noch nicht sagen.