Sie gelten als der letzte deutliche Fingerzeig vor der Oscar-Verleihung: die British Academy Film Awards, kurz: die BAFTAS.
Am Sonntag erging im altehrwürdigen London ein wahrhaft salomonisches Urteil. Jeweils vier Preise vergab die Jury der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) für die Verfilmung eines der beliebtesten englischen Bücher und gleichermaßen vier für die Geschichte eines Nationalhelden aus der großen Zeit des United Kingdom: "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" wurde als bester Film geehrt, der begehrte Preis für die beste Regie ging an Peter Weir für sein Segelepos "Master and Commander - Bis ans Ende der Welt".
Peter Jackson zeigte sich in seiner Dankesrede begeistert: "Wow, das ist absolut fantastisch! Ein Haufen Kiwis und Aussies haben mit amerikanischem Geld diesen Film gemacht - aber uns war immer bewusst, dass es um ein Lieblingsbuch der Engländer geht."
Nach Mittelerde c/o Neuseeland gingen außerdem die Preise für die beste Kamera, die beste Drehbuchadaption und die besten Spezialeffekte. "Master and Commander" wurde für den besten Ton, die besten Kostüme und die beste Ausstattung gewürdigt.
Die begehrten Darstellerpreise gingen beide an das Sehnsuchtsmelodram "Lost in Translation". Die zarte Romanze zwischen der 19-jährigen Scarlett Johansson und Hollywood-Haudegen Bill Murray rührte das Kinopublikum weltweit zu Tränen - denen war auch die Jungschauspielerin bei ihrer Dankesrede nah:
"Oh mein Gott, das kommt völlig unerwartet!" Mit brüchiger Stimme fuhr sie fort: "Ich danke Sofia Coppola, dass sie diesen unglaublichen Film geschrieben und inszeniert hat. Ich bin so stolz, ein Teil davon zu sein! Danke an meine Mutter für die Unterstützung und dafür, dass sie mich zu all diesen Vorsprechen begleitet und mir danach Hot Dogs gekauft hat."
Johansson hat bereits im Alter von 8 Jahren mit der Schauspielerei begonnen, als 13-Jährige hatte sie in Robert Redfords "Der Pferdeflüsterer" auf sich aufmerksam gemacht. Der Jungstar war gleich zweimal nominiert, neben "Lost in Translation" auch für das Künstlerdrama "Girl with a Pearl Earring".
Bill Murray war zwar nicht persönlich in London, hatte aber ein Fax geschickt, das für den größten Lacher des Abends sorgte. Es enthielt eine unkommentierte Liste von Namen: Benicio, Johnny, Jude und Sean. Wenn ihr sie seht, sagt ihnen, dass ich sie erwähnt habe." Del Toro, Depp, Law und Penn waren Murrays Konkurrenten in der Kategorie bester Hauptdarsteller.
Die größte Enttäuschung hatte das Team von "Unterwegs nach Cold Mountain" zu verdauen. Mit 13 Nominierungen als klarer Favorit ins Rennen gegangen, musste sich Anthony Minghellas Bürgerkriegsepos mit zwei Auszeichnungen begnügen: Neben dem Preis für die beste Musik durfte sich nur noch Renée Zellweger über den Brit-Oscar als beste Nebendarstellerin freuen:
"Ich bin total überrascht, ich war in Gedanken völlig bei 'Bridget Jones 2'. Als ich morgens aufwachte, dachte ich mir 'Oh, heute ist ja DER Tag!' Das ist eine Riesenehre und ich möchte der ganzen Crew danken, besonders Jude und Nicole: Es war ein Privileg, mit Euch zu arbeiten."
Als bester männlicher Nebendarsteller wurde Bill Nighy für sein Porträt des Sangesveteranen Billy Mack in "Tatsächlich... Liebe" geehrt. Er scherzte: "Danke, ihr habt einen alten Rocker sehr glücklich gemacht. Das muss ich meiner Band erzählen!"
Die BAFTAS gelten als wegweisend für die Oscar-Verleihung am 29. Februar. Letztes Jahr war die US-Jury den britischen Kollegen unter anderem in den Kategorien bester Film ("Der Pianist"), beste Hauptdarstellerin (Nicole Kidman für "The Hours") und beste Nebendarstellerin (Catherine Zeta-Jones für "Chicago") gefolgt. Doppelter Grund zur Freude also für die Truppe um Peter Jackson und Renée Zellweger: Sie sind auch bei den Oscars nominiert.