Der wuchtige Ire Brendan Gleeson war bereits 35 Jahre, als er sich 1989 entschloss, nach zehn Jahren Arbeit als Lehrer in Dublin die Schule aufzugeben und als Schauspieler vorzusprechen. Wie sein schottischer Generationskollege Brian Cox, der ähnlich große schauspielerische Präsenz besitzt, machte sich der bullige Gleeson mit Vaterfiguren einen Namen, als Mentor und als Kumpel, als kaltblütiger Gangster und charismatische Führerfigur ohne Moral. Seltener gibt er sich als komische Figur. Seine Charaktere sind Männer mit Realmacht, Intriganten, Prolls und Gangster. In den 1990er-Jahren spielte er häufig Personen mit irischem Hintergrund, seine fulminante Rolle als 1994 ermordeter psychopathischer irischer Dieb, Gauner, Bandenchef und Staatsfeind Nr. 1 Martin Cahill in John Boormans "The General" brachte ihm 1998 den internationalen Durchbruch. Wieder unter Boormans Regie war er im packenden Spionagethriller "Der Schneider von Panama" (2001, nach John Le Carrés Roman) dabei, wo er von Pierce Brosnan und Geoffrey Rush in einer cleveren Agentenrochade gelinkt wird.
Brendan Gleeson spielte den Menelaus in Wolfgang Petersens Epos "Troja" (2004) und den hinterhältigen Monk in Martin Scorseses "Gangs of New York" (2001). Er war Kreuzritter Reynald in Ridley Scotts Jerusalem-Epos "Königreich der Himmel" (2005) und als Hamish die rechte Hand von Mel Gibson in dessen Oscar-Sieger und Historienepos "Braveheart" (1995). In Danny Boyles "28 Days Later" (2003) kommt er auf der Flucht vor Londoner Zombies um, in Anthony Minghellas Bürgerkriegsepos "Cold Mountain" (2004) ist er der tückische Gauner Stobrod. Seit 2000 war Gleeson allein in fünf Blockbustern dabei, die über 100 Mio. Dollar einspielten, darunter John Woos Action-Ballett "M:2".
Gleeson ist seit 2005 in "Harry Potter und der Feuerkelch" eine enorme Bereicherung für das Potter-Universum, weil sein Alastair "MadEye" Moody mit dem rollenden Auge nicht nur komisch, sondern enorm trügerisch ist. Gleeson ist außerdem der erste und einzige Schauspieler der Potter-Reihe, der einen Lehrer in Hogwarts spielt, der selber Lehrer war.
Brendan Gleeson wurde 1955 in Dublin geboren, wuchs in einer katholischen Schule auf und studierte in Rekordzeit an der Londoner Royal Academy of Dramatic Arts. Er wurde ein begnadeter Theaterschauspieler mit Shakespeare-Rollen und arbeitete für seinen Lebensunterhalt zehn Jahre lang als Lehrer für Englisch und Drama in Dublin. 1989 sprach er für Jim Sheridans Bauerndrama "Das Feld" vor und war ein Jahrzehnt lang in Filmen mit irischem Hintergrund zu sehen, so als Inspector Bolger in "Into the West", in Neil Jordans IRA-Historie "Michael Collins" und in Jordans "The Butcher Boy" und in Stephen Frears' Malocher-Drama "The Snapper".
Im Independentfilm um den Transvestiten Patrick "Breakfast on Pluto" holte ihn Neil Jordan erneut ans Set. Als aufbrausender John-Joe verkleidet er sich als "Womble" und versucht so sein Geld zu verdienen. Dabei lernt er Patrick kennen und überredet ihn, selbiges zu tun. 2007 verliert er als Wiglaf in "Die Legende von Beowulf" auf grausame Art und Weise seinen besten Freund und Protagonisten Beowulf. Im gleichen Jahr durfte man Gleeson erneut als Alastair Moody in "Harry Potter und der Orden des Phönix" bewundern. Eine Idealbesetzung ist Gleeson auch in Martin McDonaghs Action-Komödie "Brügge sehen ... und sterben?" (2008), in der er als Auftragsmörder den Auftrag erhält, seinen Kollegen Ray (Colin Farrell) zu töten.
Gleeson erhielt 1998 für "The General" den Boston Society of Film Critics Award und den London Film Critics Award als Schauspieler des Jahres. Gleeson ist seit 1982 mit Mary Gleeson verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.
Jolie als dunkle Königin
Vergesst "Herr der Ringe": "Beowulf" ist Fantasy, 1300 Jahre, bevor der Begriff überhaupt existierte!
Großansicht
Standhaft: Bei Beowulf versagen sogar Angies Reize (Foto: Kurt Krieger)
Wo immer sich Hexen, Drachen, Dämonen, edle Ritter und liebreizende Burgfräuleins tummeln, war "Beowulf" die Vorlage. Irgendwann zwischen 700 und 1000 nach Christus ersann in England ein unbekannter Autor das in Versen geschriebene Heldengedicht - von den Gebrüdern Grimm über die Schöpfer der Nibelungensage bis hin zu J.R.R. Tolkien haben sich seitdem Autoren ungeniert bei den Motiven bedient.
Nun will Robert Zemeckis den Meilenstein der Zeitgeschichte auf Zelluloid bannen. Weil die Version mit Christopher Lambert von 1999 aber desaströs floppte, ist diesmal keine Realverfilmung geplant, sondern ein Trickfilm im Stil von "Der Polarexpress": Die Schauspieler werden per Spezialkamera aufgenommen, dann erzeugt ein Computer aus den elektronisch aufgezeichneten Bewegungsdaten Trickfiguren für die Leinwand. Diese werden den Originalschauspielern ähnlich sehen, so wie beispielsweise der Schaffner des Polarexpress die Gesichtszüge von Tom Hanks trug.
Zoff im hohen Norden
Angelina Jolie soll dabei eine mysteriöse dunkle Königin spielen, die den Titelhelden in Versuchung führt, bevor er König der südschwedischen Insel Gotland wird. Die Hauptrolle als schwertschwingender Dämonentöter übernimmt Ray Winstone ("Sexy Beast"), weitere Parts sollen an Größen wie Anthony Hopkins, Brendan Gleeson und John Malkovich vergeben werden.
Die Handlung des über 3.000 Verse umfassenden Epos bietet jedenfalls viel Inspiration für berauschende Kinobilder. Beowulf ist der Neffe des Königs von Gotland und hört von den Nöten des dänischen Königs Hrothgar (vermutlich Hopkins), dessen Hofstaat vom mörderischen Dämon Grendel aus dem Sumpfland dezimiert wird. Der Held eilt per Schiff zu Hilfe und tötet erst das als unbesiegbar geltende Monster und später auch noch dessen darob recht erzürnte Mutter.
Nachdem Beowulf als großer Held nach Gotland zurückkehrte, belohnt ihn sein königlicher Onkel, der wenig später in einer Schlacht fällt. Beowulf folgt ihm nach einem Verführungsversuch der bösen Königin Modthryth (Jolie) auf den Thron. Nach 50 Jahren weiser Regentschaft wird Beowulf im Kampf mit einem Drachen schwer verwundet und stirbt.
Eine Fortsetzung ist also ausgeschlossen, aber vielleicht entschließen sich die Macher ja, die üppige Story auf mehrere Filme aufzuteilen...