Mit "Antikörper" legt Filmemacher Christian Alvart seinen ersten, größeren Film vor. Produzent Boris Schönfelder und Alvart wagten sich an ein im deutschen Kino kaum vertretenes Genre: den Thriller.
BORIS SCHÖNFELDER: Es ist sogar ein wesentlich besserer Film herausgekommen, als ich mir vorgestellt habe. Bei einem Debütfilm nimmt man sich immer viel vor - häufig klappt einiges davon nicht. Dank der exzellenten Vorbereitung aller und insbesondere des Regisseurs mussten wir so gut wie keine Abstriche machen.
Wir mussten zwar nachdrehen, aber nur weil ein Schauspieler krank wurde. Wir haben den Film bereits nach Großbritannien, Thailand, Indonesien, Malaysia, Russland und Mexiko verkauft und verhandeln um die US-Rechte. So viel können wir also nicht falsch gemacht haben.
Die Darsteller Wotan Wilke-Möhring und André Hennicke werden ins rechte Licht gesetzt (Foto: Kinowelt)
CHRISTIAN ALVART: Mit mehr Geld umzugehen, ist nicht schwierig. Denn es ist immer zu wenig. Und auch das Filmemachen ist dasselbe. Für mich war es schwierig, mich vor einem Produzenten zu rechtfertigen. Bei meinen früheren Filmen war ich immer der Einzige, der etwas zu sagen hatte.
Nicht, dass es eine Horrorerfahrung war, wir haben uns sehr gut verstanden. Aber der Kampf, der schon in unseren beiden Berufen verankert ist, geht von der Entwicklung über den Dreh und den Schnitt bis zu den Testvorführungen. Der Film ist für mich keinesfalls ein Kompromiss mit dem Produzenten, sondern etwas, das daraus entstanden ist, dass man sich einig wurde.
SCHÖNFELDER: Christian Alvart kam mit diversen Stoffangeboten auf mich zu, und ich habe große Qualität darin gesehen und mich für diesen 30 Seiten langen Entwurf entschieden. Wir haben zusammen sehr lange und intensiv am Drehbuch gearbeitet.
Auch in der Besetzung ergänzten wir uns. Als André Hennicke beispielsweise mit "Der alte Affe Angst" auf der Berlinale war, suchten wir noch nach einem Schauspieler für den Killer. Ich arrangierte ein Treffen mit ihm und Christian Alvart. Hennicke kam und knallte uns Profiler-Bücher auf den Tisch, und uns beiden war klar: Das ist der Killer.
Erinnert an "Schweigen der Lämmer": Dorfpolizist Martens befragt den Killer Gabriel Engel (Foto: Kinowelt)
ALVART: Ich setze mich nicht hin und sage: "Das Schweigen der Lämmer" ist so ein toller Film, das will ich jetzt auch machen - gerade bei "Antikörper", der sehr persönlich ist. Er ist nicht einfach nur ein Genrefilm, sondern da ist sehr viel selbst Erlebtes und selbst Gedachtes drin. Als ich die Story aufbaute, war irgendwann klar, dass es eine Situation geben wird, in der der Polizist dem Killer im Gefängnis gegenübersitzt.
Jeder würde an "Schweigen der Lämmer" denken, der stark in der Popkultur verankert ist. Ab da versuchten wir, uns abzuheben. Die Dramaturgie und die Geschichte von "Schweigen" und "Antikörper" sind so unterschiedlich gebaut, nur die Situation in der Zelle ist ähnlich, aber ganz anders gefilmt. Das Design des Gefängnisses ist anders, die Figur des Serienmörders ist anders, er ist kein perverser Ratgeber. Weil man die Assoziation trotzdem nie ganz wegkriegt, habe ich einen Gag eingebaut.
SCHÖNFELDER: Das Budget von 2,5 Mio. Euro war nur durch Rückstellungen möglich. Produzent und Regisseur verdienen erst mal gar nichts, und auch die Hauptdarsteller waren so begeistert, dass sie Teile ihrer Gage zurückgestellt haben.
SCHÖNFELDER: Wir haben versucht, mehr aus dem Film zu machen, was den Look betrifft, als man vielleicht landläufig glaubt, machen zu können. Es war möglich, weil wir so viele hochmotivierte Mitarbeiter hatten, die sich alle beweisen wollten, dass es geht. Dass wir den Film überhaupt machen konnten, ist schon ein Erfolg - in einem Land, in dem der Thriller eher dem Fernsehen zugeschrieben wird.
Wotan Wilke-Möhring ist bereit für seine nächste Szene als Polizist Michael Martens (Foto: Kinowelt)
SCHÖNFELDER: Man muss auf dem Teppich bleiben und die Erwartungen an den Film nicht zu hochschrauben. Wir haben früher mal gesagt: Wenn "Antikörper" 100.000 Zuschauer macht, ist das gut. Jetzt mit der Kampagne - die Plakate kommen sehr gut an - schaffen wir vielleicht ein bisschen mehr. Alles, was jenseits der 150.000-Zuschauer-Marke ist, macht mich happy.
ALVART: Realismus in Bezug auf deutsches Kino und Thriller bedeutet Pessimismus. Bei vielen deutschen Filmen kriegen die Leute ja nicht mal mit, dass sie laufen. Aber die Sneaks laufen sehr gut. Ich wünsche mir den Erfolg auch für jeden anderen jungen Regisseur, der einen Stoff gegen die Regeln macht - wie etwa in Deutschland,keine Thriller' oder,keine Religion'. Ich hoffe, der Film beweist, dass man sich was trauen kann.