Er ist eine Comedy-Legende, egal ob Standup, romantisch in "Harry und Sally", derb in "City Slickers" oder total schräg in "Reine Nervensache". Nun kehrt Billy Crystal nach zehn Jahren Pause in "Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern" als gestresster Opa ins Kino zurück. Der Hollywood-Superstar über Generationenkonflikte außerhalb und innerhalb des Filmgeschäfts…
Stimmt es, dass Sie selbst die Idee zu Ihrem neuen Film hatten?
BILLY CRYSTAL: Ja, denn ich habe drei Enkelkinder und ein viertes kommt im März. Als ich mal auf alle aufpassen musste, war das echt schwierig. Das ist eine große Verantwortung. Sechs Tage waren sie bei mir, das war sehr, sehr anstrengend. Ich glaube als Eltern waren meine Frau und ich sehr gut. Das kann ich heute sagen, weil meine zwei Töchter so großartig geworden sind.
Was ist das Geheimnis, wie zieht man zwei großartige Töchter auf?
Wir haben einfach immer ein normales Leben geführt. Meine Frau Janice hat mal zu mir gesagt 'Du willst Doch ein Vater sein, nicht nur wie ein Onkel!' Da hat's bei mir Klick gemacht. Ich hörte auf, so viel zu reisen. Ich habe keinen Geburtstag mehr verpasst und keine Theateraufführung meiner Kinder. Ich hab beim Fahrdienst für ihre Freundinnen mitgemacht, ich war für meine Kinder da. Ich glaube, das war das Wichtigste. Wir waren einfach ganz normale Eltern, wir haben die beiden mit den besten Idealen großgezogen. Wir haben ihnen zugehört und sie auch ganz normal sein lassen.
Was ist denn konkret aus den beiden geworden?
Meine Tochter Jenny spielt jetzt auch in "Die Bestimmer" mit, davor war sie oft in "Dr. House" dabei. Und meine jüngere Tochter Lindsay ist eine verdammt gute Regisseurin. Ich will aber betonen, dass sie mich nicht um Erlaubnis gefragt haben, mir ins Entertainment-Geschäft zu folgen. Schließlich ist es schwer für sie, weil sie meinen Namen tragen. Sie haben das nicht für mich getan, sie haben es getan, weil es ihnen Spaß macht.
Wie ist ein guter Großvater?
Liebevoll. Er trägt Weisheit in sich, zwingt sie aber anderen nicht auf. Lustig sollte es mit ihm sein und man sollte sich bei ihm wohl fühlen können. Und die Kinder sollten sich auf die Zeit mit ihm freuen.
Sind Sie so ein Opa?
Ich glaube schon. Ich verwöhne meine Enkel gern. Ich habe vor, mit Ihnen auf Reisen zu gehen, weil ich gelesen habe, dass dies das Beste aller Geschenke ist. Daran werden Sie sich für immer erinnern. Nur die Großeltern und Enkel, Eltern verboten!
Sie sind also ein richtiger Verwöhn-Opa?
Ja, ich bin ein Verwöhner! Ich kaufe meinen Enkeln gerne Klamotten, das habe ich schon bei meinen Töchtern immer gemacht. Ich habe ihre Kleidergrößen in meinem Handy gespeichert, damit ich sie immer dabei habe. Und ich habe Geschmack!
Heutzutage geht es immer ums Gewinnen, um Geschenke und Trophäen. Übertreiben wir es da nicht mit unseren Kindern?
Ja, das tun wir. Klar, das Leben ist ein Wettkampf, wer mehr hat, hat es scheinbar besser. Aber mal zu verlieren, hat dabei einen ganz großen Wert! Man sollte keine Angst davor haben, richtig Mist zu bauen. Das fühlt sich erstmal furchtbar an. Aber man lernt daraus.
Im Film kommen Sie in ein intelligentes Haus. Was haben Sie selbst für ein Verhältnis zu Technik?
Manchmal überfordert sie mich. Ich bin zwar inzwischen ganz gut am Computer, aber ich sollte wahrscheinlich mal in einen Apple-Store gehen, um in so einem Genie-Laden was dazuzulernen. Was ich nicht mag, ist rund um die Uhr erreichbar zu sein. Das hasse ich!
Werden Sie nochmal die Oscars moderieren?
Ich weiß nicht, mir hat's immer Spaß gemacht. Ich hab das letztlich nicht zu entscheiden. Die Welt hat sich verändert. Ich komme mir heute manchmal vor wie ein verfolgtes Tier. Jeder hat ein Handy mit Kamera, ich habe keinen einzigen unschuldigen Moment mehr. Da muss man es sich verdienen, dass man dazugehört…
Wie war die Arbeit mit ihrer Filmehefrau Bette Midler?
Ich bewundere Bette seit Jahren und wollte schon immer mit ihr arbeiten. Sie hat eine dermaßen starke Ausstrahlung und ist so eine intelligente Darstellerin, so eine wache Person. Sie ist extrem engagiert und mit voller Hingabe dabei. Sie hat einfach von meinem Teller gegessen und meine Sätze beendet, das war sofort so, als ob wir wirklich verheiratet sind.
Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?
Finde den richtigen Menschen. Ich war 18. Jetzt sind wir 43 Jahre verheiratet. Janice ist ein wunderbarer Freund, sie ist die großartigste Mutter und Großmutter, die man sich vorstellen kann. Und ihre Freundlichkeit ist größer als ich es je bei einem anderen Menschen erlebt habe. Und sie bringt mich zum Lachen, ihr Humor ist fantastisch. Und sie lässt mir nichts durchgehen…
Stehen Sie beide Ihren Kindern nah?
Extrem. Wir haben ihnen immer zugehört und wir haben uns um sie gekümmert und ihnen geholfen. Wir haben sie nie in irgendeine Richtung geschubst. Wir haben ihnen einfach gesagt, sie sollen ihrem Herzen folgen.
Sie hatten schon länger keinen Film mehr gedreht.
Ich kann kaum glauben, dass es zehn Jahre her ist, dass ich in einem Film mitgespielt habe. Ich habe die Bühnenarbeit am Broadway sehr genossen. Mir war's egal, ob ich nochmal einen Film mache. Ich bin in einem Alter, in dem die Rollenangebote weniger werden. Und für Leute in meiner Altersgruppe wollen sie keine Filme machen.
Was seltsam ist, schließlich sind ältere Menschen auch Filmfans…
Ganz genau. Es gibt heute 77 Millionen Amerikaner über 60. Und alle zehn Minuten werden 10.000 Menschen 65 Jahre alt. Also gibt es da draußen ein Publikum. Aber ich bekomme jetzt nur noch Rollen als seltsamer Sport-Trainer oder Schuldirektor. Das sind eigentlich nur noch Gastauftritte. Um's Geld geht's mir dabei nicht, das war für mich ohnehin nie der Punkt. Ich habe, auch als ich noch auf dem Höhepunkt meiner Karriere war, immer nur mein eigenes Ding gemacht.