Er machte "Das Sams" und "Das Sams in Gefahr" zu Kino-Erfolgen. Nun sorgt Ben Verbong dafür, dass Mario Adorf glaubt, ihn knutscht ein Elch.
» Herr Verbong, mit welchen Tricks haben Sie den Charakterdarsteller Mario Adorf überzeugt, im Kinderfilm "Es ist ein Elch entsprungen" den Weihnachtsmann zu spielen?
BEN VERBONG: Mario und ich haben in langen Gesprächen ausführlich über die Figur gesprochen, er mochte sie. Ich wollte für "Es ist ein Elch entsprungen" nicht diesen typischen Rauschebart-Weihnachtsmann in Rot-Weiß.
Als Privatperson auf Probefahrt konnte ich ihn ganz anders gestalten - mit einer mythischen und einer menschlichen Seite. Den Anzug haben wir mit Glitter beschichtet, damit er leuchtet. Mario Adorf beeindruckte durch seine Seriosität.
Nichts mit "Ho ho ho!" Mario Adorf als Weihnachtsmann - der echte, versteht sich (Foto: Buena Vista)
» Also doch der ernsthafte Mime?
Er ist jede Sekunde konzentriert und mit einer bewundernswerten Ernsthaftigkeit und Offenheit bei der Sache. Ein absoluter Profi. Aber doch mit einer charmanten und attraktiven Mischung aus Kindlichkeit und Macho. Die ideale Besetzung. Ich kann nur sagen, "Chapeau", was er alles geleistet hat.
» Der Held des Filmes ist dennoch der Elch. Wie ist die Figur entstanden?
Er ist eine Fantasiegestalt mit dramaturgischer Funktion, soll witzig sein und dem kleinen Jungen als Freund Schutz geben. Diese Kombination musste man erst einmal hinkriegen. Einem echten Elch ohne große Mimik fehlt die Ausstrahlung. Sikander Goldau hat sich dann am Kopf von Walter Matthau orientiert. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man ein paar Ähnlichkeiten.
Höchstschwierigkeit für die Technik: Ein Elch mit den Zügen von Walther Matthau (Foto: Buena Vista)
» Das dürfte nicht ganz einfach gewesen sein. Schließlich kann man Walther Matthau nicht mehr zum Motion Capturing heranziehen.
Allerdings. Die Postproduktion zog sich fast bis zum Filmstart hin. Die aufwendige digitale Bearbeitung durch die Effektspezialisten nahm viel Zeit in Anspruch, und auch die Mischung von Animatronic und digitalem 3D war nicht gerade einfach.
Der Elch wiegt ohne alles Drum und Dran 400 Kilo, die in bestimmten Szenen 3D-animierte Figur musste an den Look des Animatronic-Modells angeglichen werden - und umgekehrt. Die Puppenspieler erwartete eine komplizierte Aufgabe.
» Wenigstens mit dem Wetter hatten Sie Glück. Oder mussten Sie mit dem Schnee auch digital nachhelfen?
Nein, mussten wir nicht. Dennoch hat mir das den letzten Nerv geraubt. Bis zwei Tage vor Drehbeginn rieselte nämlich nicht das leiseste Flöckchen Schnee vom Himmel. Die Produktion verfügte über keinen Plan B. Also zündete ich eine Kerze an und betete. Über Nacht fing es an zu schneien und hat dann einen Monat nicht mehr aufgehört. Bei minus 30 Grad haben wir uns den A... abgefroren.
» "Das Sams" lockte 1,7 Mio. Besucher ins Kino, "Sams in Gefahr" brachte es auf 1,2 Mio. Zuschauer. Die Latte liegt hoch.
Ich weiß. Dennoch peile ich einen Hattrick an, das bedeutet beim Fußball drei Tore hintereinander, hier drei Erfolge hintereinander. Ich bin guten Mutes und glaube an den Film.
» Dabei wollten Sie nach "Sams in Gefahr" doch eigentlich mit Family-Entertainment aufhören.
Mir gefiel die Ironie für die Erwachsenen und die Komödie für Kinder. Es reizt, einen Film zu drehen, der aussieht wie ein richtiger Amifilm, mit allem was dazu gehört, diesem Gefühl und der weihnachtlichen Stimmung, dass man rausgeht und die Welt als schön empfindet.
Ich mag Kitsch und ich mag Weihnachten und hoffe, den Amis Paroli bieten zu können mit großen Emotionen, aber mit europäischer Identität und Understatement. Die Konkurrenz von Übersee ist nur sentimental, das wollte ich nicht.
» Sie kommen also nicht so leicht von Kinderfilmen los?
Man kriegt so viele aufregende Angebote. Aber jetzt ist wirklich Schluss. Von meinen neun Kinofilmen waren sechs dramatische Stoffe. Jetzt muss ich dahin zurück, wo ich herkomme.
» Was planen Sie als nächstes
Neben einem Drama namens "Laura" gibt es noch ein Projekt von mir, an dem ich schon seit mehreren Jahren arbeite. Es heißt "Das Leben ist kein Wunschkonzert" und Heike Makatsch spielt darin die Hauptrolle. Eine wunderbare Geschichte, aber auch ein schwerer Stoff. Daneben steht auch ein interessanter Fernseh-Zweiteiler mit Mario Adorf, angesiedelt im jüdischen Entertainment-Milieu der 20er-Jahre, auf dem Programm.
» Sie springen gerne zwischen Fernsehen und Kino. Was machen Sie lieber?
Kino steht natürlich ganz vorne. Aber ich habe lange gezögert und mich nur langsam getraut, in einem Land, dessen Kultur ich nicht so gut kenne, Kino zu machen.