Niederländischer Regisseur und Drehbuchautor. Versiert in vielen Genres, ist Regisseur Ben Verbong in seiner Heimat mit historischen Stoffen ("Das... - Foto: http://images.kino.de/flbilder/max10/mbiz10/mbiz34/z1034505/b150x150.jpg Ben Verbong

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Ben Verbong


  • Geburtsort
    Tegelen

Niederländischer Regisseur und Drehbuchautor. Versiert in vielen Genres, ist Regisseur Ben Verbong in seiner Heimat mit historischen Stoffen ("Das Mädchen mit den roten Haaren", "Der Skorpion"), Thrillern (2Lily was here") und Erotikfilmen ("Die unanständige Frau") bekannt geworden, bevor er Mitte der 90er-Jahre gefragter Regisseur für das deutsche Fernsehen ("Tatort", "Lieber böser Weihnachtsmann") wurde. Mit der erfolgreichen Kinderbuchverfilmung "Das Sams" (2001; Bayerischer Filmpreis Bester Kinderfilm) wechselte er zum Jugendfilm und festigte mit der "Sams"-Fortsetzung, der Weihnachtskomödie "Es ist ein Elch entsprungen" und "Herr Bello" seinen Ruf in der Familienunterhaltung. Verbong, der fließend deutsch spricht, arbeitete mit den Schauspielerinnen Renée Soutendijk ("Das Mädchen mit den roten Haaren"), Monique van de Ven ("Der Skorpion") und Jennifer Nitsch ("Schock"). In allen Filmen Verbongs geht es um moralische Entscheidungen, Gewissensfragen und Selbstachtung.

Ben Verbong wurde 1949 in Tegelen geboren und wechselte nach Absolvierung des Pädagogikstudiums an die niederländische Filmakademie Amsterdam, wo er 1970 bis 74 Regie und Drehbuch studierte. Kurzfilmen folgte 1977 das Buch zur TV-Serie "Tierarzt Dr. Vlimmen" und ein Engagement am Königlichen Flämischen Theater in Brüssel, wo er 1979 Harold Pinters Stück "Betrogen" inszenierte.

Schon in seinem ersten Spielfilm, "Das Mädchen mit den roten Haaren" (1981), nahm sich Verbong in der Form des Thrillers eines historischen Stoffes an: der Geschichte der Widerstandskämpferin Hannie Schaft im Zweiten Weltkrieg, gespielt von Renée Soutendijk, die 1994 in seinem erotischen Thriller "In einer heißen Nacht" als Ärztin einen Liebhaber hat, der vielleicht ein Frauenmörder ist. Der Politthriller "Der Skorpion" (1984) verwickelt einen Lastwagenfahrer aus Liebe zu einer schönen Witwe (Monique van de Ven) in Waffenhandel, einen Komplott und in die Vergangenheit des indonesischen Unabhängigkeitskrieges. Der Thriller "Lily was here" (1990, Musik David Stewart von den Eurythmics), in dem eine Kassiererin zur Kriminellen wird, erregte Aufsehen in Holland, weil Marion van Thijn, Tochter des Bürgermeisters von Amsterdam, die Hauptrolle spielte. Der erotische Thriller "Die unanständige Frau" (1991), Hit in deutschen Programmkinos, kreist um Lust, Leidenschaft und sexuelle Abhängigkeit.

Nach der Literaturverfilmung "Charlotte Sophie Bentinck", die 1996 im Kino und in einer längeren TV-Fassung lief, nahm sich Verbong eine "Auszeit" und inszenierte für deutsche TV-Sender Thriller, unter anderm mit Jennifer Nitsch ("Schock - Eine Frau in Angst", "Lieber böser Weihnachtsmann") und den um Kinderbanden in Köln kreisenden "Tatort - Kinder der Gewalt" (1999). Nach sechs Jahren hielt er die Zeit für gekommen, Kino zu machen und bildete mit Produzent Ulrich Limmer und Autor Paul Maar das erfolgreiche Kreativteam um die Abenteuer des kleinen Kobolds "Sams" (Christine Urspruch), der im Leben des Tüftlers Herr Taschenbier (Ulrich Noethen) für Aufregung sorgt. Verbong holte Mario Adorf als Weihnachtsmann für die Familienkomödie "Es ist ein Elch entsprungen" (2005) ins Kino zurück und verwandelte die Promenadenmischung "Herr Bello" (2007) in den strubbeligen Schauspieler Armin Rohde.

2000 inszenierte Verbong in seiner Heimatstadt Tegelen die alle fünf Jahre stattfindenden Passionsspiele.

  • Geburtsort
    Tegelen
  • Geburtsland
    Niederlande

"Bei minus 30° den A... abgefroren!"

Er machte "Das Sams" und "Das Sams in Gefahr" zu Kino-Erfolgen. Nun sorgt Ben Verbong dafür, dass Mario Adorf glaubt, ihn knutscht ein Elch.

Großansicht Drama-Spezialist mit Faible für Family-Entertainment: Ben Verbong (Foto: Constantin)

Drama-Spezialist mit Faible für Family-Entertainment: Ben Verbong (Foto: Constantin)

» Herr Verbong, mit welchen Tricks haben Sie den Charakterdarsteller Mario Adorf überzeugt, im Kinderfilm "Es ist ein Elch entsprungen" den Weihnachtsmann zu spielen?

BEN VERBONG: Mario und ich haben in langen Gesprächen ausführlich über die Figur gesprochen, er mochte sie. Ich wollte für "Es ist ein Elch entsprungen" nicht diesen typischen Rauschebart-Weihnachtsmann in Rot-Weiß.

Als Privatperson auf Probefahrt konnte ich ihn ganz anders gestalten - mit einer mythischen und einer menschlichen Seite. Den Anzug haben wir mit Glitter beschichtet, damit er leuchtet. Mario Adorf beeindruckte durch seine Seriosität.

Großansicht Nichts mit "Ho ho ho!" Mario Adorf als Weihnachtsmann - der echte, versteht sich (Foto: Buena Vista)

Nichts mit "Ho ho ho!" Mario Adorf als Weihnachtsmann - der echte, versteht sich (Foto: Buena Vista)

» Also doch der ernsthafte Mime?

Er ist jede Sekunde konzentriert und mit einer bewundernswerten Ernsthaftigkeit und Offenheit bei der Sache. Ein absoluter Profi. Aber doch mit einer charmanten und attraktiven Mischung aus Kindlichkeit und Macho. Die ideale Besetzung. Ich kann nur sagen, "Chapeau", was er alles geleistet hat.

» Der Held des Filmes ist dennoch der Elch. Wie ist die Figur entstanden?

Er ist eine Fantasiegestalt mit dramaturgischer Funktion, soll witzig sein und dem kleinen Jungen als Freund Schutz geben. Diese Kombination musste man erst einmal hinkriegen. Einem echten Elch ohne große Mimik fehlt die Ausstrahlung. Sikander Goldau hat sich dann am Kopf von Walter Matthau orientiert. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man ein paar Ähnlichkeiten.

Großansicht Höchstschwierigkeit für die Technik: Ein Elch mit den Zügen von Walther Matthau (Foto: Buena Vista)

Höchstschwierigkeit für die Technik: Ein Elch mit den Zügen von Walther Matthau (Foto: Buena Vista)

» Das dürfte nicht ganz einfach gewesen sein. Schließlich kann man Walther Matthau nicht mehr zum Motion Capturing heranziehen.

Allerdings. Die Postproduktion zog sich fast bis zum Filmstart hin. Die aufwendige digitale Bearbeitung durch die Effektspezialisten nahm viel Zeit in Anspruch, und auch die Mischung von Animatronic und digitalem 3D war nicht gerade einfach.

Der Elch wiegt ohne alles Drum und Dran 400 Kilo, die in bestimmten Szenen 3D-animierte Figur musste an den Look des Animatronic-Modells angeglichen werden - und umgekehrt. Die Puppenspieler erwartete eine komplizierte Aufgabe.

Großansicht Wenigstens das Wetter passte zum winterlichen Thema (Foto: Buena Vista)

Wenigstens das Wetter passte zum winterlichen Thema (Foto: Buena Vista)

» Wenigstens mit dem Wetter hatten Sie Glück. Oder mussten Sie mit dem Schnee auch digital nachhelfen?

Nein, mussten wir nicht. Dennoch hat mir das den letzten Nerv geraubt. Bis zwei Tage vor Drehbeginn rieselte nämlich nicht das leiseste Flöckchen Schnee vom Himmel. Die Produktion verfügte über keinen Plan B. Also zündete ich eine Kerze an und betete. Über Nacht fing es an zu schneien und hat dann einen Monat nicht mehr aufgehört. Bei minus 30 Grad haben wir uns den A... abgefroren.

» "Das Sams" lockte 1,7 Mio. Besucher ins Kino, "Sams in Gefahr" brachte es auf 1,2 Mio. Zuschauer. Die Latte liegt hoch.

Ich weiß. Dennoch peile ich einen Hattrick an, das bedeutet beim Fußball drei Tore hintereinander, hier drei Erfolge hintereinander. Ich bin guten Mutes und glaube an den Film.

Großansicht "Das Sams": Familienspaß mit Ulrich Noethen und Christine Urpsruch (Foto: Constantin)

"Das Sams": Familienspaß mit Ulrich Noethen und Christine Urpsruch (Foto: Constantin)

» Dabei wollten Sie nach "Sams in Gefahr" doch eigentlich mit Family-Entertainment aufhören.

Mir gefiel die Ironie für die Erwachsenen und die Komödie für Kinder. Es reizt, einen Film zu drehen, der aussieht wie ein richtiger Amifilm, mit allem was dazu gehört, diesem Gefühl und der weihnachtlichen Stimmung, dass man rausgeht und die Welt als schön empfindet.

Ich mag Kitsch und ich mag Weihnachten und hoffe, den Amis Paroli bieten zu können mit großen Emotionen, aber mit europäischer Identität und Understatement. Die Konkurrenz von Übersee ist nur sentimental, das wollte ich nicht.

Großansicht Auch ein Riesen-Erfolg: "Das Sams in Gefahr" (Foto: Constantin)

Auch ein Riesen-Erfolg: "Das Sams in Gefahr" (Foto: Constantin)

» Sie kommen also nicht so leicht von Kinderfilmen los?

Man kriegt so viele aufregende Angebote. Aber jetzt ist wirklich Schluss. Von meinen neun Kinofilmen waren sechs dramatische Stoffe. Jetzt muss ich dahin zurück, wo ich herkomme.

» Was planen Sie als nächstes

Neben einem Drama namens "Laura" gibt es noch ein Projekt von mir, an dem ich schon seit mehreren Jahren arbeite. Es heißt "Das Leben ist kein Wunschkonzert" und Heike Makatsch spielt darin die Hauptrolle. Eine wunderbare Geschichte, aber auch ein schwerer Stoff. Daneben steht auch ein interessanter Fernseh-Zweiteiler mit Mario Adorf, angesiedelt im jüdischen Entertainment-Milieu der 20er-Jahre, auf dem Programm.

» Sie springen gerne zwischen Fernsehen und Kino. Was machen Sie lieber?

Kino steht natürlich ganz vorne. Aber ich habe lange gezögert und mich nur langsam getraut, in einem Land, dessen Kultur ich nicht so gut kenne, Kino zu machen.


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