Anica Dobra

Leben & Werk

Serbische Schauspielerin. Eine der vielseitigsten europäischen Schauspielerinnen, in deutschen und serbischen Filmen gleichermaßen gern und oft gesehen, sprüht die blonde Belgraderin Anica Dobra vor Lebenslust und verkörpert spontane, impulsive und rockende Frauentypen mit Freiheitsdrang und Emanzipationswillen ebenso überzeugend, wie schüchterne oder vom Leben gezeichnete Personen. Mit ihrer wilden “Wald-und-Wiesen-Frisur” (Dobra), selten hochgesteckt oder als Pferdeschwanz, ist sie ein Energiebündel in Person. Mit großem Talent bringt Dobra eine Komödie auf Trab und verleiht einem Drama emotionale Tiefe. In ihrer ersten deutschen Rolle (“Rosamunde”) hatte sie einen Einstand nach Maß. Seit Mitte der 90er-Jahre ist sie in Komödien (“Bin ich schön?“) TV-Komödien (“Nackt im Cabrio”) und TV-Serien (“Die Alpenklinik”) präsent, in ihrer serbischen Heimat dreht die populäre Theaterschauspielerin, festes Mitglied im Belgrader “Atelier 21″, mit Regisseuren wie Goran Markovic (“Tito und ich”), Srdan Golubovic (“Klopka – Die Falle“, 2007, als Gangsterbraut), Goran Rebic (“Francuski”, 2011) und Stefan Arsenijevic, in dessen “Liebe und andere Verbrechen” (2008) sie eine Frau spielt, die der kleinkriminellen Clique in Neu-Belgrad entfliehen und den Geliebten verlassen will. In der TV-Komödie “Ein Sommer in Paris” (2011) verdreht sie als Aschenputtel einem Pariser Millionär den Kopf.

Anica (gespr. A(h)nizza) Dobra wurde 1963 in Belgrad geboren und lebte als Teenager von 1977-81 in Frankfurt am Main, wo sie zur Schule ging und die deutsche Sprache fließend sprechen lernte. In Belgrad absolvierte sie ihre Theaterausbildung an der Akademie für Theater und Film, studierte Gesang, Folklore und klassisches Ballett. Theater ist ihr so wichtig wie die Arbeit vor Kameras im europäischen Film, es gilt: “Man sollte natürlich authentisch bleiben und die Verschiedenheit in der Mentalität gewähren lassen.” 1998/99, während des Balkan-Kriegs, erhielt sie in Deutschland keine Rollen, weil sie als Sicherheitsrisiko galt. Sie erlebte in Belgrad die Bombenangriffe der NATO: “Nach diesen drei Monaten war ich ein anderer Mensch, habe viel erlebt, überlebt und gemerkt, dass ich sehr anpassungsfähig bin, als wir ohne Strom und Wasser auskommen mussten.”

Anica Dobra debütierte 1985 in einem Kurzfilm, 1987 hatte sie ihre erste bedeutende Rolle in Markovic’ sozialkritischem Drama “Reflections/Déjà Vu”. In Egon Günthers “Rosamunde” (1988) ist sie inzestuöses Gaunerliebchen in Berlin, im Heimatdrama “Wildfeuer” (1990) die Bauerntochter und bayerische Volksdichterin Emerenz Meier, im Drama “Wachtmeister Zumbühl” (1994) wird sie von Jürgen Vogel vergewaltigt, in “Roula” (1995) leidet sie unter dem Missbrauch in ihrer Jugend. Mit “Honigmond” (1995) und “Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit” (1997) begann die Serie der Beziehungskomödien, in denen Dobra hinreißend vitale Business- und Powerfrauen (“Frau zu sein bedarf es wenig”, “Frauen sind was Wunderbares“), Lehrerinnen (“Schöne Aussicht“) und scheinbar zahme Mütter (“Mutter wider Willen”, “Ein Ferienhaus in Marrakesch”, “Mein Schüler, seine Mutter und ich”) verkörperte. In “Universalove” (2009) überlebt sie in Belgrad mit ihrem Partner nur durch die Kraft der Liebe.

Neben Jürgen Vogel (“Der Freund meiner Mutter“), war in mehreren Produktionen (“Fünf Zimmer, Küche, Bad”, “Das merkwürdige…”, “Dienstreise – Was für eine Nacht“) Oscar-Preisträger Christoph Waltz, von dem sie im Abenteuer-Survival-Thriller “Falling Rocks” (2000) erschossen wird, ihr Partner. In Vivian Naefes Komödie “Der Herr der Wüste” (2003) verliebt sie sich in einen Tuareg, in “Spezialauftrag: Kindermädchen” (2005) ist sie Gouvernante und Ex-Prostituierte, in “Noch ein Wort und ich heirate dich!” (2007) allein erziehende Mutter, die den biologischen Vater ihrer Zwillinge sucht, in der in Abu Dhabi gedrehten Romanze “Weihnachten im Morgenland” (2010) ist Walter Sittler ihr Partner. Seit 2006 gehört sie als allein erziehende Mutter und Chefin einer geerbten, verschuldeten Klinik, die sich in einen Herzchirurgen (Erol Sander) verliebt, zum Ensemble der im Saalachtal gedrehten Drama-Reihe “Die Alpenklink” (bisher vier Episoden).

Anica Dobra wurde für “Rosamunde” 1989 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Für “Reflections” erhielt sie 1988 den Darstellerpreis in Madrid, für “The Black Bomber” 1993 den Jugoslawischen Nationalpreis als Beste Darstellerin, für “Liebe und andere Verbrechen” wurde sie 2007/08 auf den Filmfestivals von Nis und Sopot ausgezeichnet.

Anica Dobra ist verheiratet, hat seit 1995 eine Tochter und lebt in Belgrad. Sie spielt Ziehharmonika und hält sich mit Fechten, Schwimmen, Skilauf und Akrobatik fit.

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