Einer der Philosophen des Kinos. Mit sieben Spielfilmen hinterließ der russische Regisseur Andrej Tarkowskij (1932-1986) ein schmales aber... http://www.kino.de/_assets/pics/kinode-logo-150x50.png Andrej Tarkowski
Steckbrief
Andrej Tarkowski

  • Geburtstag
    04.04.1932
  • Geburtsort
    Zavrazhe
  • gestorben
    29.12.1986
ohne Abbildung

Einer der Philosophen des Kinos. Mit sieben Spielfilmen hinterließ der russische Regisseur Andrej Tarkowskij (1932-1986) ein schmales aber wichtiges Werk, das teils von der sowjetischen Zensur behindert, teils wegen seines Perfektionismus und seiner ästhetischen Prinzipien fern vom geforderten sozialistischen Pomp-Kino im Ausland gefeiert wurde. Wegen seiner Exil-Situation in den letzten Jahren wurde es für Tarkowskij immer schwieriger, seine Filme zu vollenden.

Der Sohn des Dichters Arseni Tarkowskij, dessen Gedichte vereinzelt in den Filmen des Sohnes auftauchen, wurde in der russischen Provinz geboren und studierte an der Moskauer Filmhochschule in der Klasse von Michail Romm ("Der gewöhnliche Faschismus"), lernte dort die Werke des internationalen Autorenfilms kennen und schätzte Bergman, Bresson und Kurosawa. Sein 45-minütiger Diplomfilm "Die Straßenwalze und die Geige" (1961) erzählt die einfache Geschichte eines sensiblen siebenjährigen Jungen. Mit "Iwans Kindheit" wurde Tarkowskij 1962 auf einen Schlag weltberühmt. Die tragische Geschichte des zwölfjährigen Iwan, der im Zweiten Weltkrieg als Kundschafter für die Rote Armee zwischen den Fronten agiert, brachte ihm den Goldenen Löwen von Venedig ein und zeigte in der poetischen Natur- und Wassersymbolik bereits Tarkowskijs eigenwillige Bilderwelt, die mit Metaphern von Pferden, Birken, Äpfeln und Laub immer wieder die Erzählung unterbricht.

Die während des Mittelalters zur Tatarenzeit spielende Lebens- und Leidensgeschichte des russischen Ikonenmalers, Glockengießers und Wandermönchs "Andrej Rubljow", deren Dreharbeiten sich über drei Jahre hinzogen, wurde von der Zensur wegen einer Nacktszene und der gezeigten Grausamkeiten kritisiert und erst 1973 für den Export freigegeben. Das Leben und seine Vergänglichkeit spielt in allen Filmen Tarkowskijs eine wesentliche Rolle, so in der Verfilmung des Romans "Solaris" (Vorlage: Stanislaw Lem), die ihm zu einer Meditation über die Kultur- und Evolutionsgeschichte und den stets präsenten Vater-Sohn-Konflikt geriet. Der aufwendig produzierte Science-Fiction-Film wurde lange Jahre als sowjetischer Gegenentwurf zu Stanley Kubricks "2001" gehandelt und 2002 mit anderen thematischen Schwerpunkten von Steven Soderbergh mit George Clooney neu verfilmt. Tarkowskijs weitere Filme sind mehr und mehr von seinem persönlichen Kosmos dominiert. Als innovativ gelten der autobiografische "Der Spiegel" (1975) mit seinen vielen Zeitebenen und Politbezügen und vor allem "Stalker" (1979), in dem drei Männer in einer rätselhaften "Zone" den Sinn des Daseins suchen.

Die Komplexität seiner Filme machte Tarkowskij zum Kultfilmer zivilisationskritischer Intellektueller. Schwierigkeiten mit den staatlichen Stellen trieben Tarkowskij 1983 ins Exil. Er thematisierte die Situation in "Nostalghia" am Beispiel eines exilierten Schriftstellers in Italien. In Schweden konnte er mit "Opfer" 1986 seinen letzten Film vollenden: Auf einer Schären-Insel macht ein zurückgezogen lebender Schauspieler den Atomkrieg durch ein mystisch-sakrales Selbstopfer rückgängig. Tarkowskijs Filme sind von einem dichten Netz von Bezügen auf die europäische Kulturgeschichte durchzogen, die er in seinem philosophischen Buch "Die versiegelte Zeit" (1984) erläutert. Tarkowskij starb 1986 in Paris an Krebs. Sein Stil hatte großen Einfluss auf die europäische Avantgarde (Lars von Trier, Alexander Sokurow, Konstantin Lopuschanski).

  • Geburtstag
    04.04.1932
  • Geburtsort
    Zavrazhe
  • Geburtsland
    UdSSR
Die USA sind überreizt

Es war ein höchst undankbares Unterfangen: Einen Stoff des Sci-Fi-Philosophen Stanislaw Lem zu verfilmen, der brilliant, aber sperrig ist, und von Filmgröße Andrej Tarkowskij bereits meisterhaft umgesetzt wurde. Doch Steven Soderbergh fand einen neuen Zugang und inszenierte ein intensives Zukunftsdrama, das den Vergleich mit Stanley Kubricks "2001" nicht zu scheuen braucht.

Großansicht Soderbergh am Set

Soderbergh am Set

» Sie reisen erstmals filmisch ins All. Welche Vorstellung hatten Sie davon?

STEVEN SODERBERGH: Mir war von Anfang an klar, dass ich das Weltall in meinem Film als ein Umfeld darstellen würde, in dem es keine Schallwellen gibt, in dem Bewegungen so langsam sind, wie es tatsächlich der Fall ist. Sicher, das ist einerseits eine Referenz an "2001", aber es soll das Publikum auch daran erinnern, dass es rasche Manöver oder schnelle Bewegungen im All nicht gibt. Die Andock-Sequenz machte mir deshalb viel Spaß. Tatsächlich war sie zunächst fast doppelt so lang wie in der fertigen Fassung des Films.

» Sie sehen "Solaris" also nicht als Science-Fiction-Film über das Reisen im Weltall?

Das habe ich nie so betrachtet. Als wir abgedreht hatten, wurde ich gefragt, wie viele Effekte wir für "Solaris" brauchen würden. Ich antwortete, dass es etwa zwölf sein müssten. Dann erst warf ich einen Blick auf die Auflistung der Effektefirma: Es waren tatsächlich mehr als 100 Aufnahmen, die wir nachträglich manipulieren mussten. Lustig, aber von dieser Warte habe ich mich dem Stoff nie genähert.

Die Raumstation über dem rätselhaften Planeten "Solaris"

Die Raumstation über dem rätselhaften Planeten "Solaris"

» Warum war die Science-Fiction-Situation denn nötig?

Ich glaube, das macht es dem Publikum leichter, den Aufhänger des Films zu schlucken. In einem anderen Genre würde man es einem Filmemacher nicht so leicht abnehmen, dass er von der körperlichen Manifestation des Unterbewussten eines Menschen erzählt.

Für mich war das hochinteressant, denn mit Ausnahme einzelner Szenen von "Kafka" habe ich mich nie mit dem Fantasy-Genre befasst. Als Zuschauer habe ich selbst immer ein Problem damit, wenn Newtons physikalische Gesetze mit Füßen getreten werden. Deshalb waren meine Filme bisher immer weitgehend realistisch.

"Solaris" markiert daher einen großen Schritt für mich. So wie Kelvin am Schluss des Films musste auch ich einen regelrechten Glaubenssprung wagen und mich der Idee ergeben, dass Logik nicht immer die Trumpfkarte ist, die alles andere sticht.

George Clooney trifft auf seine verstorbene Frau (Natasha McElhone)

George Clooney trifft auf seine verstorbene Frau (Natasha McElhone)

» Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, ein Remake von "Solaris" zu drehen?

Das war gar nicht meine Idee. Ein Freund brachte mich auf den Stoff, und der Gedanke gefiel mir. Das Timing war verblüffend gut, denn zwei, drei Monate später wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass James Cameron die Rechte an "Solaris" besaß, es sich aber vorstellen konnte, sich auf die Aufgabe des Produzierens zu beschränken.

» Was genau war es, das Sie an dem Stoff interessierte?

Projektion ist ein interessantes Thema. Ich bin fasziniert, wie oft wir Dinge auf andere Menschen projezieren, um mit der Tatsache umzugehen, dass man einen anderen Menschen niemals so gut kennen wird wie man sich selbst kennt. Man muss Lücken ausfüllen, unglaublich große Datenmengen komprimieren. Das reizt alle Filmemacher, denn in Filmen geht es immer um Projektion. Stanislaw Lems Roman setzt sich damit auf besonders spannende Weise auseinander.

Das persönliche Erleben steht bei Soderbergh im Vordergrund

Das persönliche Erleben steht bei Soderbergh im Vordergrund

Und dann wollte ich mich mit dem Tod auseinandersetzen. Mein Vater war ein paar Jahre zuvor sehr plötzlich gestorben, ohne dass ich Zeit gehabt hätte, ein letztes Mal mit ihm zu sprechen. Unterbewusst suchte ich nach einem Weg, mit dieser Tragödie umzugehen. Ich wurde einfach davon überrollt, ohne mich damit auseinandersetzen zu können.

Nun wollte ich keinen Film über mich oder meinen Vater machen. Aber ich wollte mit einen Reim auf den Tod meines Vaters machen. Als ich den Titel "Solaris" hörte, wusste ich, dass mir dieses Projekt die gewünschte Gelegenheit geben würde.

Vorlagentreu: Andrej Tarkowskijs "Solaris" von 1972

Vorlagentreu: Andrej Tarkowskijs "Solaris" von 1972

» Sie haben aus Ihrem "Solaris" auch eine Art Protest gegen all die High-Tech-Filme des Genres gemacht.

Das ergab sich einfach aus der Handlung. Und natürlich widerstrebt das allem, was gegenwärtig in den USA in diesem Genre gemacht wird. Vielleicht wird das Publikum, das jetzt so irritiert ist, den Film in zehn Jahren entdecken. Der Metabolismus für Bilder und Reize ist gegenwärtig einfach höher als der Metabolismus für Ideen.

» Wie stehen Sie zu Tarkowskijs "Solaris"-Variante?

Toller Film. Überhaupt habe ich viel Tarkowskij angesehen, als ich mich auf "Solaris" vorbereitet habe. An einen Originalstoff von Tarkoswkij hätte ich mich niemals herangewagt. In diesem Fall dachte ich mir aber, dass ja auch Theaterstücke im Laufe der Zeit immer wieder aufs Neue mit anderen Schwerpunkten neu inszeniert werden.

Soderbergh gehört zu den eher leisen Filmemachern

Soderbergh gehört zu den eher leisen Filmemachern

» Hatten Sie ein spezielles Publikum für den Film im Kopf?

Ich denke über meine Filme wie über meine Tochter: Ich will, dass man sich um sie sorgt und ich respektiere sie, aber ich gebe ihr nicht alles, was sie gerne hätte. Ich bin nicht bereit, alles zu tun, nur um aus dem Publikum eine Reaktion herauszukitzeln.


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