Andreas Dresen

Andreas Dresen

Leben & Werk

Sein Interesse und seine Liebe gilt den kleinen Leuten, die Geschichte an der Peripherie erleben. Über sie, teils die Verlierer der Gesellschaft, erfindet er Geschichten, die in ihrem atemberaubenden Wahrheitswert packen und die das Spektakuläre im Alltag herauskitzeln. Andreas Dresen beobachtet sie mit Sinn für groteske Details in ihrem Überlebenskampf, in emotionalen Krisenstadien, in Trennungszeiten, auf Odysseen der Not, während kurzer glücklicher Momente und auch vor dem Abgrund. Dabei entstehen keine Psychostudien klassischer Prägung, sondern skizzenhafte Charakterisierungen, die den Menschen ihre Würde und vor allem einen großen Rest Geheimnis lassen.

Andreas Dresen wurde 1963 in Gera geboren und durch das Ende der DDR geprägt. Der Sohn des Theaterregisseurs Adolf Dresen und Absolvent der Regieklasse der Potsdamer Filmhochschule “Konrad Wolf” drehte mehrere mit Preisen ausgezeichnete Kurzfilme und debütierte 1992 mit dem Spielfilm “Stilles Land“: Am Beispiel einer Theatertruppe in der nordostdeutschen Provinz, die im Herbst 1989 während der Proben zu Becketts “Warten auf Godot” aus der Lethargie gerissen wird, erzählt er eine Parabel über den schwierigen deutschen Einigungsprozess. In den folgenden Jahren entstanden Fernsehfilme, von denen “Raus aus der Haut“, in dem zwei Schüler ihren parteihörigen Direktor entführen, Aufsehen erregte.

Seinen Durchbruch erlebte Dresen 1999 mit “Nachtgestalten”, der kunstvoll die Schicksale mehrerer ungewöhnlicher Paare während der Nacht, als der Papst Berlin besucht, verknüpft. Mit Handkamera und improvisierten Szenen entstand wie im Folgefilm “Die Polizistin”, der eine junge idealistisch geprägte Beamtin auf ihren Wegen durch Rostock verfolgt, ein hautnaher Zugriff auf Realitäten und die Schattenseiten der Gesellschaft. Mit “Halbe Treppe“, gedreht mit der digitalen Videokamera, gelang Dresen ein erstes Meisterwerk: Zwei Paare in Frankfurt an der Oder durchleben schmerzhafte Trennungs- und Bewusstseinsprozesse zwischen Hochhauswohnung, Fernsehturm, Imbissbude und Truckerhafen. “Willenbrock“, Dresens erste Literaturverfilmung (nach Christoph Hein), macht aus einem gewieften Gebrauchwagenhändler einen tragikomischen Helden, dem seine ganz persönliche “heile Welt” systematisch entgleitet.

2005 erhielt Andreas Dresen den Bayerischen Filmpreis und ein Jahr später den Ernst-Lubitsch-Preis für seinen bitter-komischen Film “Sommer vorm Balkon“. Im Gedächtnis bleiben den Zuschauern neben der bemerkenswert natürlichen Darstellung der beiden Hauptfiguren Nadja Uhl und Inka Friedrich auch der Soundtrack mit seinen Reminiszenzen an den deutschen Schlager. In “Auge in Auge” (2008), einer Dokumentation über die Liebe zum Kino, kommt Dresen neben Kollegen wie Dominik Graf und Wim Wenders zu Wort. “Wolke Neun” ist sein bisher letzter Film, der 2008 in Cannes seine Weltpremiere hatte und dort mit minutenlangen Standing Ovations gelobt und einem Sonderpreis geehrt wurde. Ursula Werner spielt die verheiratete 60-jährige Inge, die sich in den 76-jährigen Karl verliebt und ihren Mann verlässt, der daraufhin Selbstmord begeht. Der Regisseur setzte sich mit der Liebesfähigkeit im Alter auseinander und stellte klar, dass Liebe und Sex bei älteren genauso gelebt und thematisiert wird wie bei jüngeren Menschen.

Dresens Werke, mit Bundesfilmpreisen, Darstellerpreisen, Kritikerpreisen und Festivalpreisen ausgezeichnet, zählen zu den meistprämierten deutschen Filmen. Wegen ihrer ästhetischen Offenheit gehören sie zu den aufregendsten Seherlebnissen des deutschen Films, weil sie mit Freiräumen und Leerstellen arbeiten und absurde Momente in realistischen Settings einfangen. Dazu gehört der Mut, anzuecken, und die Freiheit, improvisierte, aus Arbeitssituationen heraus entstandene Szenen zu filmen. Dresen: “Kinobilder sind für mich Bilder, die mich ergreifen, die etwas über andere erzählen, die mir einen inneren Raum eröffnen.”

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