Er liebt "Alien", ist fasziniert vom Ungeheuer Mensch und schafft Entsetzen durch subtile Veränderungen. Der Regisseur von "Splice" erklärt, was ein Monster eigentlich zum Monster macht.
Regisseur Vincenzo Natali: "Ich bin einfach fasziniert von diesem Monster, das in jedem von uns ruht" (Foto: Universum Film GmbH)
Was macht einen guten Monsterfilm aus?
Vincenzo Natali: Es gibt viele Arten von Monsterfilmen. Einer meiner Lieblingsfilme ist Ridley Scotts "Alien" der ist fast perfekt. Aber "Splice" ist eine andere Art Film. In "Alien" ist das Monster eine versteckte Gefahr. In meinem Film ist das Monster allgegenwärtig, es ist einfach ein weiterer Charakter. "Splice" ist ein Kammerspiel, es gibt nur fünf Sprechrollen. Letzten Endes geht es in "Splice" eher darum zu zeigen, wie jemand ein Monster erschafft, als ein herum wütendes Monster einfach nur darzustellen.
Wie kann man eine Kreatur erzeugen, die uns erst berührt und dann erschreckt?
Es ist ein schmaler Grat. Ich wollte keinen E.T., auch wenn ich zugeben muss, dass auch ein bisschen E.T. in Dren steckt. Ich wollte eine moralisch komplexe Kreatur. Sie kann sehr nett sein, aber auch gefährlich und rachsüchtig. Außerdem war mir wichtig, dass Clive und Elsa eine Kreatur erschaffen, die sich immer weiterentwickelt, sodass man niemals weiß, was am Ende aus ihr wird.
Das Geschöpf Dren ist putzig und harmlos - allerdings nur am Anfang (Foto: Universum Film GmbH)
Wie viele Special Effects wurden auf Dren verwendet?
Dren ist eine Mischung aus Mensch, digitalen Effekten und Prothetik. Wir mussten unheimlich viele Entscheidungen treffen. Zum Beispiel, wie soll sie laufen? Auf ihren Füßen oder auf Stelzen? Wie weit sollen wir gehen? Wir entschieden uns für eher subtile Eingriffe. In den meisten Filmen wird mit einem Menschen begonnen, der dann durch eine Vielzahl an Effekten stark verändert wird. Wir fanden es spannender, eher ein paar Aspekte verschwinden zu lassen oder umzuwandeln. Eine subtile Veränderung im menschlichen Gesicht, kann schockierender wirken als ein großartiger Wandel.
"Splice" war eigentlich bereits in den späten 1990er Jahren als Projekt angedacht…
Das stimmt. Ich habe diesen Film tatsächlich über 10 Jahre immer wieder vertagt. Im Jahr 2000 war es fast soweit, direkt nach "Cube". Ich habe wie verrückt ein ganzes Jahr daran gearbeitet, am Design, am Storyboard, aber in der letzten Minute war dem Produzenten das Projekt zu teuer. Keiner macht einen Film, nur weil das Drehbuch gut ist. "Splice" war irgendwie dazu bestimmt, in der heutigen Zeit gedreht zu werden. Wäre der Film vor zehn Jahren entstanden, wäre die Technik längst nicht so weit gewesen und ich noch nicht in der Lage, als Regisseur mit dem Thema adäquat umzugehen. Und, was am allerwichtigsten ist: Die Forschung wäre nicht so weit gewesen. Die Konzepte in unserem Drehbuch waren eher Science Fiction als Fakt. Aber die Genforschung hat sich immens weiterentwickelt und hat meine Geschichte inzwischen aufgeholt. Das Thema Genmanipulation ist aktueller als je zuvor.
Adrien Brody und Sarah Polley spielen als Wissenschaftler-Paar Gott (Foto: Universum Film GmbH)
Ihr Kurzfilm "Elevated", "Cube" und "Splice" haben alle ein Thema gemeinsam: Die Möglichkeit, dass ein Mensch zum Monster wird…
Ich bin einfach fasziniert von diesem Monster, das in jedem von uns ruht. In gewisser Weise ist dieses Monster viel angsteinflößender als alles, was man sich in einem Horrorfilm vorstellen kann. In "Splice" werden diejenigen, die diese Kreatur erschaffen haben, am Ende beängstigender als die Kreatur selbst. Das wird dadurch verstärkt, dass sie nette, anständige und bescheidene Leute zu sein scheinen. Deshalb habe ich Adrien Brody und Sarah Polley ausgewählt: Man mag sie irgendwie, egal was sie tun.
Im Gegensatz zu Ihrem ersten Film "Cube" hat sich Ihr Budget fast verhundertfacht
Dadurch hat sich gar nichts verändert, weil "Splice" 100mal so groß und so anstrengend war. Wir konnten nicht lügen. Ridley Scott, mit all seiner Genialität, zeigt das Alien immer nur für wenige Sekunden, ein bisschen wie es auch Steven Spielberg mit dem weißen Hai gemacht hat. Das ist eine klassische Technik. Aber Dren kann man nicht in einer dunklen Ecke verbergen. Sie ist von der 20. bis zur 110. Minute ein einziger Special Effect.