Seine Filme zeichnen die Großstadt als Dantesches Inferno und heben sich durch ihre kompromisslose Darstellung von Gewalt und Leidenschaft von den... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max05/kuk05/kuk37/u0537024/b150x150.jpg Abel Ferrara

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Abel Ferrara


  • Geburtstag
    11.07.1952
  • Geburtsort
    New York City, New York

Seine Filme zeichnen die Großstadt als Dantesches Inferno und heben sich durch ihre kompromisslose Darstellung von Gewalt und Leidenschaft von den meisten Independent-Filmen der USA ab. Abel Ferrara, geboren 1952 in New York, nutzt die Muster von Gangsterfilm, Melodram und klassischem Thriller, um seine Geschichten über exzessive Akte sinnloser Gewalt zu zelebrieren. Er beruft sich auf Martin Scorsese, Jean-Luc Godard und Rainer Werner Fassbinder als Vorbilder. In seinem Regiedebüt "The Driller Killer" (1975) wird ein Maler an der Großstadt irre, in "Die Frau mit der 45er Magnum" wird eine zwei Mal Vergewaltigte zum Racheengel, in "Fear City" (1984) organisieren die Zuhälter um Tom Berenger für ihre Stripperinnen (darunter Melanie Griffith) eine Sicherheitsdienst und kommen einem Serienmörder auf die Spur. Da sich der finanzielle Erfolg nicht einstellte, übernahm Ferrara TV-Arbeiten ("Miami Vice"). Mit "Krieg in Chinatown" (1987) wieder im Kino, inszenierte Ferrara hier eine "Romeo-und-Julia-Geschichte zwischen Italoamerikanern und Chinesen. Wie mit "Fear City" war er seiner Zeit voraus, benutzte Disco-Pop als Handlungsträger und blieb der Härte seiner Erzählungen treu. In "King of New York" stellte er Christopher Walken als Drogendealer im Untergang ins Zentrum einer Gangsterballade, in "Das Begräbnis" zeigt er den Verfall einer Gangsterfamilie im New York der 40er-Jahre. Ferraras Hauptwerk dieser Zeit war der mit Harvey Keitel besetzte "Bad Lieutenant", in dem Keitel in einer an die Grenzen der Schauspielkunst führenden Selbstaufgabe die selbstzerstörerischen letzten Wochen im Leben eines zwischen Sexsucht, Drogen, Schulden, kaputter Ehe, Marienkult und Korruption delirierenden Cops vermittelt: eine der intensivsten Kinoerfahrungen der 90er Jahre. Mit Madonna und Keitel als Schauspielerin und Regisseur in "Snake Eyes" wird das Thema rauschhafter Suche in der Filmarbeit behandelt, mit Matthew Modine als Drogensüchtigem in "Black Out" (in dem das Supermodel Claudia Schiffer eine Nebenrolle spielte) das Thema vom permanenten Rauschzustand weiterverfolgt. Der schwarzweiße Vampirfilm "The Addiction" (mit Lili Taylor) kombiniert die Elemente des Blutdurstes mit der Aids-Angst der 90er Jahre.

1998 verfilmte Abel Ferrara mit "New Rose Hotel" William Gibsons gleichnamigen Roman. Zur Besetzung gehörten erneut Christopher Walken und Willem Dafoe. Mit "Abel Ferrara: Not Guilty" hat der Filmemacher Rafi Pitts ein faszinierendes Porträt über seinen Regiekollegen verfasst und Stimmungen erzeugt, die seine Filme nicht nur zitieren, sondern auch allgegenwärtig machen. 2005 holte Ferrara Juliette Binoche für die Hauptrolle der Maria Magdalena seiner italienisch-französischen Produktion "Mary" ans Set. Der Film im Film setzt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Glaubensthematik auseinander. Auf den Filmfestspielen von Venedig kam das Drama so gut an, dass Ferrara den Spezialpreis der Jury erhielt. Nach seinem Umzug nach Rom 2005 begann er mit Dreharbeiten zu einem Gaunerfilm, der auf den Roman "Pericle il Nero" von Guiseppe Ferrandino basiert.

Zwischen europäischem Autorenfilm und amerikanischen Genremustern seinen Weg gehend, ist Ferrara als Außenseiter ein verstörender und befruchtender Filmemacher, der von Teilen der Kritik wegen seiner eindeutigen Sinnsuchen als religiöser Autor bezeichnet wird. Ferrara arbeitete fast immer mit dem Drehbuchautor Nicholas St. John, der einen ketzerischen Katholizismus (am ausgeprägtesten in "Bad Lieutenant") pflegt.

  • Geburtstag
    11.07.1952
  • Geburtsort
    New York City, New York
  • Geburtsland
    USA

Mr. Fox und das fehlende Gebiss

Es kann kein Zufall sein: Die letzte Oktoberwoche, in der die Hofer Filmtage auch in diesem Jahr traditionell stattfanden, zeigt sich ähnlich abwechslungsreich wie die Filmauswahl. Strahlend blauer Himmel und frostige Minusgrade passen zum Kontrastprogramm, das es auch dieses Jahr auf den insgesamt acht Leinwänden zu bewundern gab.

Großansicht Wes Andersons kunstvolle Märchen-Animation "Der fantastische Mr. Fox" war ein Highlight auf den Hofer Filmtagen (Foto: Fox)

Wes Andersons kunstvolle Märchen-Animation "Der fantastische Mr. Fox" war ein Highlight auf den Hofer Filmtagen (Foto: Fox)

Nein, Druck verspüre er keinen, so Festivalleiter Heinz Badewitz auf die Frage, wie man sich jedes Jahr noch weiter steigern will. "Ich will das gar nicht toppen, schließlich drehe ich ja die Filme nicht selbst. Ich kann nur auswählen was wir letztendlich in Hof zu sehen bekommen", so Badewitz. Und dabei beweist er auch 2009 wieder ein ebenso erfahrenes wie glückliches Händchen.

Ungewöhnlich prominent waren dabei die großen Produktionen vertreten - Filme, die nach den Filmtagen nicht "nur" bei Arte oder den Öffentlich Rechtlichen zu sehen sind, sondern die auch den Weg auf die große Leinwand nehmen werden. Mit Stop-Motion-Technik hatte man in Hof gute Erfahrung gemacht - bereits 1994 durften Tim Burton mit "A Nightmare before Christmas" glänzen.

Die ebenfalls auf Stop-Motion-Technik basierende Verfilmung von Roald Dahls "Fantastic Mr. Fox" hat Wes Anderson übernommen - der zuletzt 2007 mit "The Darjeeling Limited" in Hof zu Gast war. Man sieht dem Film dabei zu jeder Sekunde an, wie viel Spaß das Team mit der an sich antiquitierten Technik hatte - liebenswerte Details und - zumindest im Original - grandiose Sprecher vom Schlage eines George Clooney, Bill Murray, Willem Dafoe und Owen Wilson machen die Abenteuer von Herrn Fuchs für jüngere und ältere Semester gleichermaßen attraktiv, was Verleiher Fox, zusätzlich zum passenden Filmtitel, doppelt freuen dürfte.

Großes Kino ...

Ebenfalls von Fox auf die Reise ins oberfränkische Hof abkommandiert: "13 Semester" und "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen". "13 Semester" reift mit jeder Minute mehr vom Klamauk hin zu einer klasse Komödie reift und dabei das studentische Leben (unterteilt in die 13 namensgebenden Semester) wunderbar und intelligent-witzig porträtiert.

"Bad Lieutnant" zeigt Nicolas Cage in einer seiner besten Rollen der letzten Jahre. Werner Herzogs Film, der sich nicht als Remake von Abel Ferraras "Bad Lieutenant" aus dem Jahre 1992 verstanden wissen will, zeigt einen Polizisten (Cage), dem in der kaputten Kulisse New Orleans sein ebenso kaputtes Leben vollends entgleitet - samt sämtlicher schmerzhaften Nebenwirkungen. Eva Mendes (die bereits in "Ghost Rider" mit Cage gemeinsame Sache macht) übernimmt dabei die Rolle einer Edelprostituierten, die mit dem kaputten und korrupten Cop gemeinsam und immer schneller auf das scheinbar unausweichlich tragische Ende zuschlittert.

Bilder zu "13 Semester"

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Kleines Kino ...

Mit knapp 40 Kurzfilmen gab's auch im 43. Jahr der Internationalen Hofer Filmtage reichlich filmische Kost für zwischendurch - und wie schon in den letzten Jahren, ist die Quote an gar zu experimentellen Beiträgen erfreulich gering. "Beinahe wären wir Römer geworden" mit Helge Schneider beschäftigt sich mit der Frage der Auswirkungen auf unser Leben, wenn wir alle Römer geworden wären. Volker Michalowski (zuletzt gesehen in "Inglourious Basterds") hat in "Juri" sichtlich Spaß und spielt einen Astronauten, der nach seiner Rückkehr auf die Erde nicht mehr so recht im Alltag Tritt fassen kann.

Eher lustig geht es auch in "Zwei Zimmer, Balkon" zu. Bei der Wohnungssuche in München kommen sich Tom, dem seine Freundin mit Trennung droht, und Nola, die derzeit auf einer Matratze im Lager ihres Arbeitgebers nächtig, unfreiwillig näher. Als "Paar" getarnt bekommen sie schließlich ihre Traumwohnung, müssen aber auch entscheiden, ob sie jetzt zur Wahrheit und damit zu ihren bisherigen Partnern zurückkehren.

"Flat Love" haben die Programmgestalter der Hofer Filmtage als Vorfilm für den eingangs erwähnten "Fantastic Mr. Fox" gewählt - und passend zum Hauptfilm spielt auch "Flat Love" mit der Technik. Bereits als Kind kommt der Hauptdarsteller zu dem Schluss, dass die Welt eigentlich zweidimensional ist. Da liegt es auf der Hand, sich erst in die Hauptfigur eines Kinderbuchs und dann in ein Gemälde im Museum of Modern Art zu verlieben.

In "WAGs" hingegen verkörpern Dina und Judith zwei Spielerfrauen die ihren Männern durch Europa folgen und sie bei der Karriere als Fußballstar begleiten - mit allen angenehmen und unangenehmen Nebenwirkungen.

Bilder zu "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen"

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Hof bleibt unerreicht

Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns jedes Jahr wiederholen: Auch diesmal hat sich das Team rund um Heinz Badewitz erneut gesteigert. Die 43. Internationalen Hofer Filmtage waren noch runder, noch ausgewogener als in den Jahren zuvor. Während es vor und hinter den Kulissen mit jedem Jahr noch familiärer und entspannter zugeht und einem die Stars wohl nirgends sonst in dermaßen gemütlicher Atmosphäre über den Weg laufen, steigert sich das Niveau der gezeigten Filme und die Themenmischung ebenfalls kontinuierlich.

Die Stadt Hof profitiert ohnehin seit jeher von der Veranstaltung - wer außerhalb der Filmtage in Hof verweilt, der weiß erst zu schätzen, wie viel Leben dieses Festival der kleinen Stadt einzuhauchen vermag. Und wo außer in Hof gibt's so herrliche offene Antworten auf direkte Fragen: "Warum er denn so leise redet" wurde Lou Castel, dem im Hof eine Werkschau gewidmet wurde, gefragt. "Da bitte ich um Nachsicht, ich habe mein Gebiss in Paris vergessen".


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