James Cameron zu "Avatar"
Gerade stellte James Cameron der deutschen Presse in Berlin erstmals seinen mit Spannung erwarteten "Avatar - Aufbruch nach Pandora" vor. Anschließend stand der Oscargewinner für Interviews zur Verfügung.
James Cameron am Set vor einer Apparatur für die titelgebenden Avatare, mit denen Menschen in die Körper Außerirdischer schlüpfen (Foto: Fox)
Warum soll man sich "Avatar - Aufbruch nach Pandora" ansehen?
"Avatar" nimmt das Publikum für den Preis eines normalen Kinotickets mit auf eine Reise, wie man sie seit einiger Zeit nicht mehr im Kino gesehen hat. Für mich gibt es Meilensteine in der Geschichte des Kinos: die Filme von Ray Harryhausen, "2001", "Der Planet der Affen", "Krieg der Sterne", "Unheimliche Begegnung der dritten Art". Sie markieren Momente großer Fantasie, großer Vorstellungskraft. Sie haben mich aus dem Alltag entführt und in Welten geführt, die ich noch nicht kannte. So etwas wollte ich mit "Avatar" erreichen. Deshalb haben wir alles in die Waagschale geworfen, was uns zur Verfügung stand. Wir haben im Computer Figuren entstehen lassen, eine ganze Welt entworfen, wir drehten in stereoskopischem 3D, um das Kinoerlebnis noch unmittelbarer werden zu lassen. All das, um besagte Reise anzutreten, auf einen Planeten, in eine Welt, die einen aus dem Sessel reißt. Und nicht zu vergessen: Unsere Geschichte ist sehr emotional - emotionaler als wir dachten. Wir haben das bei "Titanic" erwartet, hier nicht so sehr.
"Avatar" wird mit großer Spannung erwartet, weil man erleben will, wozu 3D wirklich fähig ist. Warum halten sie 3D für ein wichtiges Werkzeug für Filmemacher?
Ich höre immer, dass 3D das Kino revolutionieren soll. Das halte ich für den falschen Ansatz. 3D gibt uns Filmemachern die Gelegenheit, die Klaviatur des Kinos zu erweitern. Es ist keine Innovation, die sich mit der Einführung des Farbfilms vergleichen lässt, eher mit der Einführung des Breitwandbildes oder des digitalen Tons. Man ist unmittelbarer dran am Geschehen. Aber an der Kunst des Geschichtenerzählen oder dem Inszenieren oder der Arbeit der Schauspieler ändert sich nichts. Ich sehe 3D als besondere Zutat, die das Kinoerlebnis verbessert. Ich selbst habe "Avatar" überhaupt zum ersten Mal komplett in 3D am vergangenen Freitag gesehen. Ich habe mir das bis zuletzt aufgespart. Und ich war verblüfft, dass ich nach einer Weile völlig vergaß, dass ich den Film gerade dreidimensional sah.
Es ist vergleichbar mit Filmmusik: Gute Filmmusik nimmt man bewusst nicht wahr. Wenn man sie wirklich hört, hat man ein Problem.
Genau so ist es. Oder man kann Akzente setzen - wie die Geigen in der Mordszene von "Psycho". So ist es auch bei 3D: Es muss funktionieren, man darf es aber fast nicht wahrnehmen. Den Vergleich mit Filmmusik benutze ich gern: Ich kann mich selten an die Musik erinnern, weiß aber immer, dass sie da war und mein Filmerlebnis verstärkt hat. Wenn man nun den Blick auf "Avatar" richtet, dann vielleicht deshalb, weil man verstehen will, wie man 3D richtig einsetzt, wie man die Balance findet.
Mit Aktionen wie dem "Avatar"-Day riskierten Sie aber eine frühe Gegenreaktion auf Ihren Film. Das kann nicht an Ihnen vorübergegangen sein.
Hier ist meine Interpretation, die aber auch falsch sein kann: Die Nachricht, dass wir einen großen Science-Fiction-Film drehen, löste eine solche Aufregung aus, dass die Fans sich im Kopf ihren eigenen Film zusammenreimten, er aber nichts mit dem Film zu tun hatte, den wir tatsächlich gemacht haben. "Avatar"-Day war eine wichtige Maßnahme, um den Fans eine Vorstellung zu vermitteln, was "Avatar" sein würde. Sie sollten sich darauf einstellen können. Die Reaktionen waren sehr positiv. Allein die Tatsache, dass sich 100.000 Filmfans versammelten, um 15 Minuten aus einem Film zu sehen, der erst fünf Monate später ins Kino kommen würde, war ermutigend. Nicht so gut waren die Reaktionen auf den Teasertrailer, der offenbar nicht wirklich vermitteln konnte, was "Avatar" ist. Umso wichtiger, dass wir den "Avatar"-Day gemacht haben.
Und dann wäre noch das Gerücht von einem 500 Mio. Dollar hohen Budget.
Müssen wir ernsthaft darüber reden? Meines Wissens hat es das noch nie gegeben, dass man zu den eigentlichen Produktionskosten die Ausgaben für Vermarktung und Werbung hinzurechnet, dann noch die weiteren 100 Mio. Dollar der Promotionpartner addiert und das dann als Budget bezeichnet. Anders kann man unmöglich auf diese Zahl kommen. Das ist absurd. Das eigentliche Budget beträgt die Hälfte. Alles andere ist Lug und Trug.
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