Im Kino ist er aktuell mit "Der Ghostwriter" und "Männer die auf Ziegen starren". Ewan McGregor über Bungee, Mafia-Drohungen und AIDS-Waisen.... http://images.kino.de/newspics/546/286546_1/b150x150.jpg "Wer wäre nicht gern der große Held?"

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McGregor: "Ghostwriter", "Ziegen starren"

"Wer wäre nicht gern der große Held?"

Ewan McGregor macht im Kino eine aufreibende Erfahrung nach der anderen - ob als vom CIA gejagter "Ghostwriter" oder als Journalist in "Männer, die auf Ziegen starren". Doch seine eigentlichen Abenteuer erlebt der 38-Jährige in der Realität, auch wenn ihm die gelegentlich an die Nieren gehen.

Großansicht In der Militärsatire "Männer die auf Ziegen starren" geht Ewan McGregor mit George Clooney auf einen irren Trip durch die Wüste (Foto: Kinowelt)

In der Militärsatire "Männer die auf Ziegen starren" geht Ewan McGregor mit George Clooney auf einen irren Trip durch die Wüste (Foto: Kinowelt)

In "Männer die auf Ziegen starren" sehen wir, wie US-Soldaten zu Jedi-Rittern werden wollen. Das Thema dürfte Ihnen als Ex-Obi-wan-Kenobi nicht ganz unvertraut sein.
EWAN MCGREGOR: Ja, offen gestanden war ich total verblüfft, als ich das Angebot für die Rolle bekam. Ich war gespannt, als ich Autor und Regisseur Grant Heslov traf. Denn ich wollte unbedingt wissen, warum er ausgerechnet mir das Drehbuch zu "Männer, die auf Ziegen starren" geschickt hatte. Aber das Lustige war: Er hatte komplett vergessen, dass ich in den "Star Wars"-Filmen mitgespielt hatte. Alles war Zufall.

In dem Film gehen Sie als Journalist auf einen großen Abenteuertrip. Dieses Gefühl dürfte Ihnen von Ihren Motorradtouren um die halbe Welt bekannt sein ...
Ja, aber ich bekam erst Lust dazu, als ich die 30 überschritten hatte. In meinen 20ern hatte ich noch nicht das Bedürfnis, über meinen eigenen Tellerrand zu schauen - ich wäre als Backpacker eine Fehlbesetzung gewesen.

Sind Sie jetzt jemand, der das Risiko liebt?
Ich bin kein Adrenalinjunkie. Den Zustand, wenn du mit deinem Motorrad in eine haarige Situation gerätst und plötzlich eine Welle von Adrenalin hochschießt, mag ich überhaupt nicht. Ich könnte nie Bungeejumping machen. Ich habe zwar familiär eine gewisse Veranlagung zum Fliegen - mein Bruder war bis vor kurzem Kampfpilot - deshalbhabe ich's mal mit Paragliden versucht. Aber nach einiger Zeit habe ich's aufgegeben. Lieber sehe ich vom Boden aus zu.

Was genießen Sie dann auf Ihren großen Touren?
Ich liebe das Gefühl des Motorradfahrens - das ist die größte Leidenschaft meines Lebens, von meiner Familie mal abgesehen. Wenn ich damit noch eine andere Welt kennenlernen kann, ist das phänomenal. Auch weil die Leute ganz anders auf dich reagieren. Sie sehen, dass du bei Regen nass wirst und dass du frierst, wenn es kalt ist. Ich habe auf diesen Reisen eine unglaubliche Freundlichkeit erfahren. Bis auf einmal in Kasachstan, wo jemand aus einem fahrenden Auto mit einem Gewehr auf uns zielte. Aber das war offenbar der spezielle Humor der Einheimischen. Denn die Typen haben gelacht und sind dann davon gefahren.

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Ihnen ist also noch nie etwas Gefährliches passiert?
Nicht wirklich. Nur einmal in der Ukraine wurden wir in ein Haus eingeladen, wo haufenweise Bewaffnete herumstanden. Ich weiß nicht genau, was das für Leute waren, vielleicht gehörten sie zur örtlichen Mafia. Aber ich darf mich nicht beschweren, denn sie waren extrem nett, auch wenn ich mich etwas mulmig fühlte. Später kam die Tochter unseres Gastgebers, die mich auch erkannte, und von da ab war sowieso alles sicher.

Sie sind ja auch als Unicef-Botschafter unterwegs. Hat sich Ihre Lebenseinstellung durch solche Erfahrungen geändert?
Vollkommen. Ich bin hier mit Problemen konfrontiert worden, die ich nur vom Hörensagen kannte. Wenn du beispielsweise in Malawi Menschen triffst, die ihre Kinder nicht ernähren können oder AIDS-Waisen, die noch jünger als meine eigenen drei sind, und sich alleine durchschlagen, dann ist das zutiefst bewegend und auch lehrreich.

Wurde Ihnen die Konfrontation mit so viel Elend manchmal zu viel?
Klar, wenn du in einem Krankenhaus stehst, wo überall die Leute liegen - auf den Betten, neben den Betten, unter den Betten - und reihenweise sterben, dann bist du geschockt. Aber du kannst ja nicht einfach einen Schritt zurück machen und sagen: "Mir reicht's." Ich versuche einfach mit meinem Engagement für Unicef diesen Problemen eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Und ich bin sehr dankbar für mein eigenes Leben. Ich muss keinen Job des Geldes wegen annehmen, für die Ausbildung meiner Kinder ist gesorgt.

Wären Sie gerne der große Held, der all diese Probleme der Welt löst?
Wer wäre das nicht gerne? Aber die großen Fragen der Welt sind viel kompliziert, als dass es dafür eine so einfache Lösung gibt. Wir Menschen sind zu so großer Freundlichkeit imstande, und gleichzeitig gibt es so viel Grausamkeit- wie das zusammengeht, kriege ich nicht auf die Reihe. Aber das Beste, was du im Leben tun kannst, ist es, dich auf deine Familie zu konzentrieren. Ein guter Vater sein, ist eine außerordentliche Heldentat.

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Rüdiger Sturm, 02.03.2010, 09:00

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