Zukunftsvisionen sind sein Spezialgebiet: Mit "I, Robot" setzte Alex Proyas Isaac Asimovs Kurzgeschichten gekonnt fürs Kino um.... http://images.kino.de/newspics/826/159826_1/b150x150.jpg "Wenn Du einen Star hast, klappt alles!"

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Alex Proyas im Gespräch

"Wenn Du einen Star hast, klappt alles!"

Mit "I, Robot" wagte sich der Australier Alex Proyas, der Spezialist für düstere Zukunftsvisionen, erstmals aufs Parkett der Big-Budget-Filme und landete prompt einen Blockbuster-Erfolg.

Großansicht Kühler Blick für visionäre Filme: Alex Proyas (Foto: Fox)

Kühler Blick für visionäre Filme: Alex Proyas (Foto: Fox)

» Hat man als Regisseur bei einem Großprojekt wie "I, Robot" die Entscheidungen selbst in der Hand?

ALEX PROYAS

: Zu meiner eigenen Überraschung zu einem erstaunlich hohen Grad. Es ist wie mit einem Zug, bei dem ich im Führerhaus sitze. Je schneller ich fahre, desto schwieriger wird es für andere, mich zu stoppen oder die Richtung zu ändern. Und es ist nicht so, dass die es nicht versucht hätten.

Aber große Filme müssen immer der Vision einer einzelnen Person verpflichtet sein. Natürlich handelt es sich bei der Ausarbeitung und bei der Realisierung um ein Gemeinschaftsprojekt, doch letzten Endes sollte dies alles durch eine Person gefiltert werden. Das ist meine Einstellung, und damit habe ich einen großen Hollywood-Film überlebt. Einfach war es allerdings nicht.

Großansicht Sind sich einig: Alex Proyas und Hauptdarsteller Will Smith (Foto: Fox)

Sind sich einig: Alex Proyas und Hauptdarsteller Will Smith (Foto: Fox)

» Wen genau meinen Sie mit "die"? Das Studio? Produzent und Hauptdarsteller Will Smith?

Ich spreche vom Studio. Dort hat man bestimmte Vorstellungen von einem Film, und der Regisseur hat manchmal andere.

Doch bis zu einem bestimmten Punkt war es so, dass mich das Studio in Ruhe ließ, solange sie merkten: Er weiß genau, was er tut!

Es ist ein wenig wie bei den wilden Tieren im Dschungel: Zeigst du das erste Zeichen von Schwäche, fressen sie dich auf.

Großansicht Alex Proyas mit Will Smith und Bridget Moynahan bei der Skipt-Besprechung (Foto: Fox)

Alex Proyas mit Will Smith und Bridget Moynahan bei der Skipt-Besprechung (Foto: Fox)

» Wie kam es überhaut zu dem Projekt? Ihr letzter Film, "Garage Days", ist nicht gerade eine Visitenkarte für einen Blockbuster-Regisseur.

Eine Filmografie ist ein ungenauer Querschnitt einer Karriere. Es ist nicht so, dass wir von einem Projekt zum nächsten springen. Es ist meist ein sehr langwieriger Prozess. Besonders wenn man wie ich keine fremden Drehbücher annimmt, sondern nur mit eigenem Material arbeitet.

Ich habe schon seit 1996 an "I, Robot" gearbeitet, auch die ganze Zeit, während wir "Garage Days" gedreht haben. Aber es war damals nicht möglich, die Rechte zu bekommen.

Großansicht Dr. Calvin und Polizist Spooner wissen nicht recht, was sie von Sonny halten sollen (Foto: Fox)

Dr. Calvin und Polizist Spooner wissen nicht recht, was sie von Sonny halten sollen (Foto: Fox)

» Ursprünglich wollten Sie aber doch Jeff Vintars Drehbuch "Hardwired" verfilmen. Daraus hat sich "I, Robot" entwickelt. Wie kam es dazu?

Fox hatte erfahren, dass ich einen Roboterfilm machen wollte. Sie schickten mir "Hardwired". Auf mich wirkte es, als ob es sehr stark von Asimov inspiriert wäre. Just zu dieser Zeit (2002) war es von einem Tag auf den anderen möglich, die Rechte an "I, Robot" zu erwerben.

Als ich darüber nachdachte, wie man die für uns relevanten neun Geschichten am besten kombinieren könnte, erschien die Story von "Hardwired" geradezu als perfektes Gerüst.

Großansicht Dunkel, dunkler, "Dark City": Kiefer Sutherland präpariert Rufus Sewell (Foto: Kinowelt)

Dunkel, dunkler, "Dark City": Kiefer Sutherland präpariert Rufus Sewell (Foto: Kinowelt)

» Wie lange hätte es ohne Will Smith gedauert?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde ich heute noch versuchen, den Film zu machen, und nicht hier sitzen und darüber reden. So ist es nun mal in Hollywood. Wenn du einen Star hast, funktionieren Dinge, die sonst nie klappen würden.

Und für einen Film in der Größenordnung von "I, Robot" braucht man eben einen Star vom Kaliber eines Will Smith.

» Klingt nicht so, als wäre er Ihr Wunschkandidat gewesen.

Doch, doch. Ich hatte ihn von Anfang im Hinterkopf. Dabei lehnte er zuerst sogar ab, ich musste ihn richtig bearbeiten. Es hat knapp ein Jahr gedauert, bis ich seine Zusage hatte.

Großansicht Der humorvolle Musikfilm "Garage Days" zeigte jede Menge skurille Charaktere (Foto: Fox)

Der humorvolle Musikfilm "Garage Days" zeigte jede Menge skurille Charaktere (Foto: Fox)

» Und wie konnten Sie ihn überzeugen, auf die üblichen Will-Smith-Klischees zu verzichten? Sein Spooner wirkt mehr wie Deckard aus "Blade Runner".

Ihn musste ich da gar nicht überzeugen. Will und ich waren uns einig, dass der Held eine gebrochene, traumatisierte Figur sein muss, die den Humor lediglich als Tarnung verwendet. Man unterschätzt Will Smith auch, wenn man ihm so etwas nicht zutraut.

Es ist ziemlich ungerecht, seine Karriere auf "Men in Black" und "Bad Boys" zu reduzieren, man sollte da auch "Six Degrees of Separation" und "Ali" nicht vergessen. Das Studio wollte Action, die Oneliner von Will. Aber manchmal passte das einfach nicht.

Großansicht Der Star und die Vision des Regisseurs (Foto: Fox)

Der Star und die Vision des Regisseurs (Foto: Fox)

» Wo genau gab es Differenzen?

Als wir noch am Drehen waren, sahen wir den ersten Trailer - und wir beide, Will und ich, hassten ihn. Das sah aus wie "Men in Black" mit Robotern. Wahrscheinlich wollte Fox so etwas auch haben, aber mit Will auf meiner Seite war es schwierig, an meiner Ausrichtung des Films etwas zu ändern. Man hätte mich schon feuern müssen.

» Sind Sie im Nachhinein glücklich, wie der Film promotet wird?

Es gab großen Ärger mit dem Trailer, und ich bin nicht glücklich, wie er den Film darstellt. Doch schauen sie, "I, Robot" war Nummer eins in den USA. Was immer ich nun sage, das Studio kann antworten: Hat doch geklappt!

Und ich kann das sogar verstehen. Ich hätte mir mehr Handlung und Gefühl vom Trailer erwartet, aber solange die Leute nicht aus dem Kino kommen und sich betrogen fühlen, soll es mir recht sein. Ich mache Filme, keine Trailer.

Tom Wimmer, München, 11.08.2004, 10:53

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