Alex Proyas im Gespräch
Mit "I, Robot" wagte sich der Australier Alex Proyas, der Spezialist für düstere Zukunftsvisionen, erstmals aufs Parkett der Big-Budget-Filme und landete prompt einen Blockbuster-Erfolg.
: Zu meiner eigenen Überraschung zu einem erstaunlich hohen Grad. Es ist wie mit einem Zug, bei dem ich im Führerhaus sitze. Je schneller ich fahre, desto schwieriger wird es für andere, mich zu stoppen oder die Richtung zu ändern. Und es ist nicht so, dass die es nicht versucht hätten.
Aber große Filme müssen immer der Vision einer einzelnen Person verpflichtet sein. Natürlich handelt es sich bei der Ausarbeitung und bei der Realisierung um ein Gemeinschaftsprojekt, doch letzten Endes sollte dies alles durch eine Person gefiltert werden. Das ist meine Einstellung, und damit habe ich einen großen Hollywood-Film überlebt. Einfach war es allerdings nicht.
Ich spreche vom Studio. Dort hat man bestimmte Vorstellungen von einem Film, und der Regisseur hat manchmal andere.
Doch bis zu einem bestimmten Punkt war es so, dass mich das Studio in Ruhe ließ, solange sie merkten: Er weiß genau, was er tut!
Es ist ein wenig wie bei den wilden Tieren im Dschungel: Zeigst du das erste Zeichen von Schwäche, fressen sie dich auf.
Eine Filmografie ist ein ungenauer Querschnitt einer Karriere. Es ist nicht so, dass wir von einem Projekt zum nächsten springen. Es ist meist ein sehr langwieriger Prozess. Besonders wenn man wie ich keine fremden Drehbücher annimmt, sondern nur mit eigenem Material arbeitet.
Ich habe schon seit 1996 an "I, Robot" gearbeitet, auch die ganze Zeit, während wir "Garage Days" gedreht haben. Aber es war damals nicht möglich, die Rechte zu bekommen.
Dr. Calvin und Polizist Spooner wissen nicht recht, was sie von Sonny halten sollen (Foto: Fox)
Fox hatte erfahren, dass ich einen Roboterfilm machen wollte. Sie schickten mir "Hardwired". Auf mich wirkte es, als ob es sehr stark von Asimov inspiriert wäre. Just zu dieser Zeit (2002) war es von einem Tag auf den anderen möglich, die Rechte an "I, Robot" zu erwerben.
Als ich darüber nachdachte, wie man die für uns relevanten neun Geschichten am besten kombinieren könnte, erschien die Story von "Hardwired" geradezu als perfektes Gerüst.
Dunkel, dunkler, "Dark City": Kiefer Sutherland präpariert Rufus Sewell (Foto: Kinowelt)
Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde ich heute noch versuchen, den Film zu machen, und nicht hier sitzen und darüber reden. So ist es nun mal in Hollywood. Wenn du einen Star hast, funktionieren Dinge, die sonst nie klappen würden.
Und für einen Film in der Größenordnung von "I, Robot" braucht man eben einen Star vom Kaliber eines Will Smith.
Doch, doch. Ich hatte ihn von Anfang im Hinterkopf. Dabei lehnte er zuerst sogar ab, ich musste ihn richtig bearbeiten. Es hat knapp ein Jahr gedauert, bis ich seine Zusage hatte.
Der humorvolle Musikfilm "Garage Days" zeigte jede Menge skurille Charaktere (Foto: Fox)
Ihn musste ich da gar nicht überzeugen. Will und ich waren uns einig, dass der Held eine gebrochene, traumatisierte Figur sein muss, die den Humor lediglich als Tarnung verwendet. Man unterschätzt Will Smith auch, wenn man ihm so etwas nicht zutraut.
Es ist ziemlich ungerecht, seine Karriere auf "Men in Black" und "Bad Boys" zu reduzieren, man sollte da auch "Six Degrees of Separation" und "Ali" nicht vergessen. Das Studio wollte Action, die Oneliner von Will. Aber manchmal passte das einfach nicht.
Als wir noch am Drehen waren, sahen wir den ersten Trailer - und wir beide, Will und ich, hassten ihn. Das sah aus wie "Men in Black" mit Robotern. Wahrscheinlich wollte Fox so etwas auch haben, aber mit Will auf meiner Seite war es schwierig, an meiner Ausrichtung des Films etwas zu ändern. Man hätte mich schon feuern müssen.
Es gab großen Ärger mit dem Trailer, und ich bin nicht glücklich, wie er den Film darstellt. Doch schauen sie, "I, Robot" war Nummer eins in den USA. Was immer ich nun sage, das Studio kann antworten: Hat doch geklappt!
Und ich kann das sogar verstehen. Ich hätte mir mehr Handlung und Gefühl vom Trailer erwartet, aber solange die Leute nicht aus dem Kino kommen und sich betrogen fühlen, soll es mir recht sein. Ich mache Filme, keine Trailer.
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