Faszination Horrorfilme
Abgetrennte Gliedmaßen, herumfliegende Gedärme und literweise Kunstblut - Horrorfilme sind definitiv kein schöner Anblick und nichts für schwache Nerven. Dennoch locken "Saw", "Hostel" und Co. Millionen Zuschauer in die Multiplexe. Warum?
Horrorkönig Stephen King nennt es das "Lasst uns den Unfall genauer ansehen"-Syndrom. Das gleiche Phänomen, das uns auf der Autobahn an der Unfallstelle im Schneckentempo vorbeischleichen lässt, um einen Blick auf das zerbeulte Auto oder gar die Verletzten erhaschen zu können, lockt uns ins Kinogruselkabinett: Es ist das beruhigende Gefühl, dass es einen nicht selbst erwischt hat. King spricht vom "Genuss der Ordnung in Anschauung der Möglichkeit des Chaos".
Doch nicht nur das Gefühl "Puh, noch mal davongekommen!" treibt uns in "Nightmare on Elm Street" oder "Wolf Creek". Horrorfilme geben dem Zuschauer die Möglichkeit, an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu gehen und seine Angst kennenzulernen. Wer sich schweißgebadet im Kinosessel oder auf der heimischen Couch windet, setzt sich mit seiner Angst auseinander.
Horrorfilme sind meistens in unserer persönlichen Alltagswelt angesiedelt. Für die Charaktere, ob Sidney in "Scream" oder Ana in "Dawn of the Dead", gelten daher die Gesetze der realen Welt. Das macht die Identifikation mit ihnen leicht. Über diese braven Bürger bricht dann im Horrorfilm das übernatürliche Chaos herein - in Form von Psychokillern, Zombies oder Mutanten. Hier wird dem Zuschauer klar: Es handelt sich um Fiktion, von dem auf der Leinwand gezeigten Gemetzel geht für mich keine Gefahr aus.
Und trotz Angst und Ekel - es macht ja auch irgendwie Spaß, Horrorfilme zu gucken. Sei es bei einem Videoabend mit Freunden, um eine Mutprobe zu bestehen, oder im dunklen Kinosaal, wo das Blutbad auf der großen Leinwand noch viel bedrohlicher wirkt. Psychologen sprechen hier von der "Angstlust", der Freude am gepflegten Grusel. Hier können wir unsere dunkle, im Alltag unerwünschte Seite ausleben.
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