Denkanstöße
Nicht jede Provokation ist fruchtbar.
"Warum ich den deutschen Film hasse!" Unter diesem schnieken Motto lud die Deutsche Filmakademie zu einer Veranstaltung, anzusiedeln irgendwo zwischen Podiumsdiskussion und Gedichtaufsagen an Omas Geburtstag. Die Oma ist der Deutsche Film und wenn man der allgemeinen Einschätzung trauen darf, dann macht sie es nicht mehr allzu lange.
Interessant, was die geladenen Vortragsredner nun mit der ihnen gegebenen Zeit anstellte, in der sie ihren Hass, ihre Hassliebe oder was auch immer zum Deutschen Film ausdrücken sollten. Tom Tykwer bemühte sich wie immer. Und wie immer bei Tykwer war es eine Freude im zuzuhören/sehen, wenngleich der Nutzwert seines kleinen Traktates aus dem Regisseursleben á la "Denk' ich an meinen Film in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" für die Veranstaltung ein eher geringer war.
Es folgten die Herren Gallenberger und Graf mit Auszügen aus dem Standardwerk "Der ewige Patient deutscher Film" - alles nicht verkehrt, nichts wirklich Neues. Ebenfalls nicht neu, dass Rosa von Praunheim ein wenig aus der Rolle fällt, so auch hier. Sein Vorschlag zur Güte: die besten Filmemacher umbringen, zerstückeln und an den Nachwuchs verfüttern - die Aufteilung der benötigten Körperteile und ihrer dann ehemaligen Besitzer übernahm von Praunheim gleich selbst. Prost Mahlzeit.
Die Herren Vogel und Eichinger waren lange nicht so scharf, die Damen Link und Harfouch lange nicht so unterhaltsam. Höhepunkt der Veranstaltung war jedoch Oskar Roehler: Man hätte ihn jetzt kalt erwischt, er sei einfach nicht vorbereitet, palaverte er erst einmal dahin. Um dann zum dramatischen Crescendo anzusetzen: Eigentlich sehe er einen Grund der Krise des deutschen Filmes auch in der Größe des Landes. In sechs Stunden sei man mit dem Auto von München in Berlin (und der Paukenschlag), was soll da schon passieren, deshalb gebe es auch nichts zu erzählen!
Da lacht der Däne, und der Isländer kringelt sich! Die Größe des Landes als Voraussetzung für eine funktionierende Kino- und Filmlandschaft zu benennen, ist in der Tat noch niemandem eingefallen.
Möge Herr Roehler - der letztes Jahr noch tönte, Berlin-Mitte nicht mehr zu verlassen, weil dort ja alles sei - bitte den von ihm vorgeschlagenen Roadtrip durch Deutschland machen, er wird Geschichten finden. Am besten mache er das ganze zu Fuß, allein das wäre schon ein eigener Filmstoff.
Und damit sind wir beim eigentlichen Problem: Wenn unsere Besten, die Protagonisten dieser Veranstaltung allein beim Benennen der Probleme des deutschen Filmes eine solche Wurstigkeit an den Tag legen, braucht man auf eine Besserung erst gar nicht zu hoffen.
Aber Moment: Eine wirklich neue Idee brachte doch noch jemand ein: Michael Verhoeven erkannte, dass durch die Synchro von US-Filmen aus amerikanischen Werken heimische Filme werden. Durch das Überangebot an deutschsprachigen Filmen aus Hollywood ersticke das Interesse an hiesigen Filmen. Ein interessanter Punkt, über den man nachdenken sollte. Ebenso über die Einführung der nach oben offenen Roehler-Skala...
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