"Herr der Ringe"-Macher Peter Jackson über seinen Mysterythriller "In meinem Himmel", die "Hobbit"-Filme, "Tim & Struppi" und den 3D-Hype.... http://images.kino.de/newspics/997/285997_1/b150x150.jpg "Vor den 'Hobbit'-Filmen hatte ich Angst"

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Peter Jackson im Gespräch

"Vor den 'Hobbit'-Filmen hatte ich Angst"

Mit der Verfilmung von Alice Sebolds Bestseller "In meinem Himmel" verlässt "Herr der Ringe"-Macher Peter Jackson nach vielen Jahren das Terrain der großen Fantasyepen. Der Star-Regisseur über die Motivation bei seiner Projektwahl, und warum er die aktuelle 3D-Hysterie nicht teilt.

Großansicht Peter Jackson vor gewohnt beeindruckender Naturkulisse am Set von "In meinem Himmel" (Foto: Paramount)

Peter Jackson vor gewohnt beeindruckender Naturkulisse am Set von "In meinem Himmel" (Foto: Paramount)

Suchten Sie nach der "Ringe"-Trilogie und "King Kong" gezielt ein kleineres Projekt?
PETER JACKSON: Der einzige Grund, warum ich ein Projekt wähle, lautet: Will ich diesen Film selbst im Kino sehen? Und dabei möchte ich etwas abliefern, was auch für den Rest des Publikums unterhaltsam ist. Sodass keiner es bereut, dafür sein Geld ausgegeben zu haben. Diese Verantwortung nehme ich sehr ernst. Auf "In meinem Himmel" war ich bereits gestoßen, als ich in der Postproduktion von "Die zwei Türme" steckte. Meine Koautorin Philippa Boyens hatte mich auf Alice Sebolds Roman aufmerksam gemacht, und ich war von der Geschichte so bewegt, dass ich weinen musste.

Ist es ein Zufall, dass dieser Film wieder eine Kombination aus Thriller und jugendlicher Initiationsgeschichte wie Ihr "Heavenly Creatures" bietet?
Ich kann verstehen, weshalb die Leute bestimmte Grundmuster in unseren Filmen zu erkennen versuchen. Aber "Heavenly Creatures" entstand vor rund 17 Jahren, und meine Partnerin Fran Walsh und ich machen nur Filme, die uns zum jeweiligen Zeitpunkt interessieren. "Heavenly Creatures" basierte auf einem wahren neuseeländischen Mordfall. "In meinem Himmel" geht auf einen Roman zurück, und was uns besonders interessierte, war das Thema des Lebens nach dem Tod - was mit dem früheren Film überhaupt nichts zu tun hat. Dass die Hauptfigur beide Male ein junges Mädchen war, war Zufall.

Die Gestaltung des Zwischenreichs, in das die Heldin nach ihrem Tod eintritt, stieß bei der Kritik nicht gerade auf einhellige Begeisterung.
Natürlich war das der schwierigste Teil des Films. Schließlich handelt es sich hier nicht um einen konkreten Schauplatz. Jeder hat dazu seine eigene Vorstellung, und wir versuchten hier, das Unterbewusstsein einer 14-Jährigen zu interpretieren - von den Einflüssen der Popkultur bis zu Symbolen wie dem Aussichtspavillon, der ihre Sicherheit verkörpert. Für jedes einzelne Bild gibt es einen Grund. Der ganze Film sollte aber auch nicht zu düster sein. Wir wollten ihn bewusst für ein jüngeres Publikum machen. Wir haben selbst eine 14-jährige Tochter, und wir möchten nicht, dass sie davon verstört wird.

Sie traten im letzten Jahr auch noch als Produzent in Erscheinung - mit Neill Blomkamps "District 9". Planen Sie weiterhin, junge Regisseure zu fördern?
Ich habe keine wirkliche Produktionsstrategie. Ursprünglich sollte Neill Blomkamp bei der Adaption des Videospiels "Halo" Regie führen. Die kam dann aber nicht zustande, und in der Branche spekulierte man, dass das an seiner Unerfahrenheit gelegen habe. Ich dachte mir: Meine Güte, ich wollte eigentlich seiner Karriere helfen, und jetzt habe ich ihm womöglich geschadet. So schlugen wir ihm vor, aus seinem Kurzfilm eine Langversion zu machen. Letztlich ist "District 9" viel interessanter geworden, als es "Halo" hätte sein können. Ich bin stolz darauf und würde so etwas gern wieder machen.

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Dafür produzieren Sie Guillermo Del Toros "Hobbit"-Verfilmung. Hätte es Sie nicht gereizt, hier selbst die Zügel zu übernehmen?
Absolut nicht. Ich hätte ständig versuchen müssen, mich selbst zu übertreffen. Es war viel sinnvoller, die "Hobbit"-Filme jemandem zu überlassen, der wie Guillermo Del Toro seine eigene einzigartige Vision mitbringt.

Stattdessen bringen Sie gemeinsam mit Steven Spielberg eine "Tim und Struppi"-Trilogie auf die Leinwand. Woher kommt bei Ihnen überhaupt das Faible für Genrestoffe?
Ich habe schon als kleiner Junge das eskapistische Kino geliebt und da gehört auch die Arbeit an "Tim und Struppi" mit Steven Spielberg. Ursprünglich wollte ich Techniker für Spezialeffekte werden. Aber dann begann ich mit der Super-8-Kamera meiner Eltern Modellflugzeuge zu filmen, und als ich ungefähr zwölf war, fing ich an, das Material auseinanderzuschnipseln und neu zusammenzukleben. So entdeckte ich die Bedeutung des Schnitts für mich. Langsam begriff ich, dass die wahre Macht beim Regisseur liegt. Und die ganze Zeit war ich von fantastischen Filmen beeinflusst. Mit 17 drehte ich einen Schocker im Hammer-Stil; er wurde allerdings nur zur Hälfte fertig. Momentan haben ein paar arme Kollegen bei meiner Firma Weta den Auftrag, diese Uraltfilme zu restaurieren; ich möchte, dass meine Kinder sie sehen.

Auf der anderen Seite des technologischen Spektrums steht das moderne 3D-Kino. Das müsste für Ihre Art von Filmen ideal geeignet sein.
Ich begeistere mich bis zu einem gewissen Grad für 3D, aber ich bin kein Prediger dieser Technologie. 3D verstärkt den eskapistischen Effekt, und das finde ich positiv. Auch weil mich die Brillen nicht weiter stören, sondern ich einfach nur die Geschichte wahrnehme. Aber letztlich ist es nur ein weiteres Instrument im Zauberkasten des Regisseurs. Du kannst dir aussuchen, ob du den Film in 3D machst, genauso wie du dich zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Film entscheidest. Und eine bestimmte Art von Filmen lässt sich dadurch verbessern. Aber ich beteilige mich nicht an diesen ganzen Spekulationen à la "Wird es Hollywood retten?". Dieser Hype wird sich wieder legen.

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Rüdiger Sturm, 17.02.2010, 09:00

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