Kampfansage
Eine derartige Kontroverse hätte sich so mancher Wettbewerbsfilm gewünscht.
Zack Snyders Actionepos "300", basierend auf dem Comic von Frank Miller, - im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt - erzürnte iranische Pressevertreter. So könne man mit der Geschichte nicht umgehen!
In "300" tritt Spartas König Leonidas (Gerard Butler) mit 300 getreuen Elitesoldaten dem übermächtigen Heer des Perserkönigs Xerxes entgegen, der Kampf ist ein letztes Aufbäumen der Demokratie gegen Unterdrückung und Versklavung. Zack Snyder hat das Comic in ein blutiges, fulminantes Spektakel gegossen und damit cineastische Pionierarbeit geleistet.
Egal wie trivial die Handlung, wie simpel schwarz-weiß die Zeichnung von Gut und Böse - hier geht es nicht um historische Genauigkeit! Die Ebenen von Comiczeichnungen und bewegtem Bild verschmelzen zu einer Einheit. So etwas wie den bewusst artifiziellen Look von "300" hat man noch nicht gesehen.
Ein visuell überwältigendes Filmerlebnis. Bei der Pressevorführung erntete der Film einen lauten Buhruf zum Schluss. Sichtlich angestrengt waren dann auch der Regisseur und sein Team in der Pressekonferenz als die iranische und türkische Presse sie der Geschichtsfälschung und Hetze scholten.
Umso enthusiastischer war Snyder dann, als ein Journalist zugab, "300" absolut zu lieben! Dafür gab es Applaus vom Großteil der Presse im Saal. Und der 40-Jährige legte los: "Wenn ein Film nicht sexy, verdammt brutal und cool ist, warum sich ihn dann ansehen? Ein Film muss Dir ins Gesicht springen! Und so einen Film wollte ich machen!"
Einen Tag später präsentierte Jennifer Lopez ihren neuesten Film "Bordertown" - er kam bei der Presse eher schlecht an. Ein leider völlig unglaubwürdig gespielter Thriller über ein sehr ernstes Thema: Eine reale Serie von Morden an jungen mexikanischen Arbeiterinnen, welche die örtlichen und sogar die US-Behörden vertuschen wollen. Lopez ist als ehrgeizige Journalistin den Bösewichten auf der Spur. Regisseur und Drehbuchautor Gregory Nava gab die kämpferischste Rede des Festivals und bat um mehr Aufmerksamkeit für sein Thema. "Wir müssen ein Bewusstsein schaffen!"
Banderas ist zwei Mal vertreten: als Darsteller in "Bordertown" und Regisseur von "El Camino de los Ingleses" (Foto: Kurt Krieger)
Absolut wortkarg präsentierte sich dagegen seine Hauptdarstellerin. Lopez kam im schwarzen Kleid mit auftoupiertem Haar und einem Brillanthalsband, das wahrscheinlich mehr als der Film gekostet hat. "Bordertown ist für mich eine hochemotionale Angelegenheit. Ich habe sofort eine große Leidenschaft für das Projekt entwickelt!"
Seit 1997 arbeitete J.Lo an der Realisierung von "Bordertown". Seit zwei Jahren sorgt sie zusammen mit Amnesty International für Spendensammlungen für die Mütter der Mordopfer. Hochachtung! Aber kaum ein Lächeln des Popstars, kein Wort zu ihrer Musikkarriere - die Diva kam im Dienst der guten Sache. So wahrscheinlich auch ihr Co-Star Antonio Banderas. Warum er allerdings auf der Pressekonferenz gar nichts sagte, bleibt ein Rätsel.
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