Tom McGrath, der Co-Regisseur von "Madagascar", über Freundschaft, Sprecher und Meinungsverschiedenheiten im neuen Film.... http://images.kino.de/newspics/134/183134_1/b150x150.jpg "Unsere Tiere benehmen sich wie Menschen"

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T. McGrath im Gespräch

"Unsere Tiere benehmen sich wie Menschen"

Tony McGrath war bisher für den Kultcartoon "Ren & Stimpy" tätig. Als Co-Regisseur von "Madagascar" hat er einiges vom bizarr-subversiven Humor dieser Serie in den Animationsfilm einfließen lassen - sicherlich einer der Gründe, weshalb "Madagascar" in den USA mehr als 150 Mio. Dollar einspielen und die Spitze der Kinocharts erklimmen konnte.

Großansicht Vier Freunde, verloren in der Wildnis von Madagaskar (Foto: UIP)

Vier Freunde, verloren in der Wildnis von Madagaskar (Foto: UIP)

» Was unterscheidet "Madagascar" von früheren Animationsfilmen wie "Shrek" oder "Große Haie - kleine Fische"?

TOM McGRATH: Wir waren eigentlich darauf bedacht, mit "Madagascar" etwas Neues auszuprobieren. Allein die technischen Möglichkeiten erlaubten es uns, die Grafiken so anzulegen, wie wir es uns vorstellten. Wir wollten keine fotorealistischen Figuren erstellen, sondern welche, die aussehen wie aus einer Fantasiewelt.

» Wie sah das genaue Konzept von Ihnen und Produzent Jeffrey Katzenberg zu dieser Idee aus?

Als wir vor vier Jahren mit der Produktion anfingen, waren Jeffrey und ich uns schnell darüber einig, wie das Design des Films aussehen sollte. Du kannst keinen realistisch aussehenden Löwen auf zwei Beinen laufen lassen. Das würde merkwürdig aussehen. Wir orientierten uns an Cartoons aus den Vierzigern und Fünfzigern, als die Figuren noch sehr einfach und grafisch gezeichnet wurden. Unsere Helden benehmen sich wie Menschen, auch wenn sie wie Tiere aussehen. Insofern erzählen wir eine Fabel.

Großansicht Auf der Flucht aus dem Zoo: die Helden aus "Madagascar" (Foto: UIP)

Auf der Flucht aus dem Zoo: die Helden aus "Madagascar" (Foto: UIP)

» Was ist die Moral?

Der Film handelt von Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird. Wenn die Welt in Ordnung ist, muss man Freundschaften nicht in Frage stellen. Erst durch widrige Umstände beweist sich, wer wirklich zu einem steht. Im sicheren Zoo können Löwe und Zebra Freunde sein, aber was passiert, wenn sie in die Wildnis entlassen werden? Da wird erwartet, dass der Löwe das Zebra frisst. Aber er hat die Wahl, ob ihm die Freundschaft wichtiger ist.

» Mit Ben Stiller, Chris Rock und Jada Pinkett Smith wurden ein weiteres Mal hochkarätige Stars für die Stimmen der Charaktere verpflichtet. Lohnt sich das, wenn man bedenkt, dass in vielen Ländern neue Sprachversionen mit anderen Sprechern entstehen?

Von "Madagascar" sind 26 verschiedene Sprachversionen entstanden. Wir arbeiten in den jeweiligen Ländern eng mit den Synchronstudios zusammen und entscheiden über jeden ausländischen Sprecher, ob er zu der Figur passt oder nicht. Natürlich entsteht dadurch wieder etwas Einmaliges. In der deutschen Version werden die vier Pinguine von den Fantastischen Vier gesprochen, die den Figuren dadurch ihren eigenen Stempel aufdrücken. Aber das ist okay und völlig gewollt.

Großansicht Die Zoo-Gang aus dem New Yorker Central Park erleidet Schiffbruch (Foto: UIP)

Die Zoo-Gang aus dem New Yorker Central Park erleidet Schiffbruch (Foto: UIP)

» Dennoch hat man den Eindruck, dass es immer wichtiger wird, Animationsfilme sowohl in den USA als auch im Ausland mit großen Sprechernamen zu promoten.

Ben Stiller und all die anderen wurden nicht verpflichtet, um "Madagascar" besser vermarkten zu können, sondern weil sie Talent haben. Spätestens mit der DVD, auf der mehrere Sprachversionen drauf sind, kommen alle in den Genuss der wunderbaren Performances. Außerdem glaube ich, dass man auch in einer anderssprachigen Version sehen kann, wie sehr die Figuren von ihren Sprechern beeinflusst wurden.

» "Madagascar" ist der erste animierte Kinofilm, bei dem Sie in der Position des Co-Regisseurs mitgewirkt haben.

Das stimmt. Zuvor erarbeitete ich für Filme wie "Der Grinch" oder "Cats & Dogs - Wie Hund und Katz" Storyboards und künstlerische Konzepte. Ich war vor allem damit beschäftigt, wie man Geschichten visualisiert, was für "Madagascar" natürlich sehr hilfreich war.

Großansicht Zebra Marty genießt die perfekte Welle (Foto: UIP)

Zebra Marty genießt die perfekte Welle (Foto: UIP)

» In Zusammenarbeit mit Mark Burton, Billy Frolick und Co-Regisseur Eric Darnell schrieben Sie das Drehbuch zu "Madagascar". Gab es Meinungsverschiedenheiten?

Wir haben über drei Jahre daran gearbeitet und Passagen immer wieder umgeschrieben. Natürlich passiert es, dass sich gute Ideen auf dem Papier nicht umsetzen lassen. Aber wir haben alle am gleichen Strang gezogen und waren uns darüber einig, dass es ein Prozess des Ausprobierens ist. Beim Realfilm ist das anders. Da dreht man die Szene mehrmals und pickt sich die besten Bilder heraus.

Doch beim Animationsfilm muss man sich vorher einig sein, wie man welche Szene realisiert. Das ist sehr zeitaufwendig, gleichzeitig besteht darin die Chance, eine bessere Geschichte zu erzählen - und das hat mir bei der Herstellung tatsächlich am meisten Spaß gemacht.

Alexander Kolbe, 13.07.2005, 09:58

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