Alles nur geklaut
"Die besten Geschichten schreibt das Leben", heißt es. Die von "The Hurt Locker" will allerdings Drehbuchautor Mark Boal geschrieben haben. Doch ein Bombenspezialist sagt: "Nein. Unser Leben, unsere Geschichte".
Oberfeldwebel Jeffrey Sarver sieht in "The Hurt Locker" sein Leben verfilmt (Foto: Concorde)
Noch vor kurzem war "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" Top-Kandidat im Rennen um die Oscars - dank neun Nominierungen auf Augenhöhe mit James Camerons Alien-Spektakel "Avatar". Doch der Kriegsfilm um ein Bombenräumkommando im Irak muss zur Zeit einen herben Schlag nach dem anderen einstecken: Erst schreibt Produzent Nicolas Chartier seine verhängnisvolle Bettel-Mail an die Jurymitglieder, jetzt droht auch noch juristischer Ärger.
Oberfeldwebel Jeffrey Sarver hat die Macher des Films angeklagt, einfach seine Erlebnisse im Irak-Krieg verfilmt zu haben. Er und sein Bombenteam wären die Blaupause für die Hauptfiguren des - nichtsdestoweniger großartigen - Werkes von Regisseurin Kathryn Bigelow. Seinen Angaben zufolge habe Drehbuchautor Mark Boal das Räumkommando einen Monat lang begleitet, um eine Artikel für den Playboy darüber zu schreiben. Buchstäblich alle im Film gezeigten Situationen wären Schilderungen dieser Zeit.
"...ein mutiger Soldat und ein guter Mann"
Boal selbst bezeichnet die Vorwürfe als gegenstandslos: "Ich denke, Sarver ist ein mutiger Soldat und ein guter Mann. Wie viele Soldaten identifiziert er sich mit dem Film - aber die Figur, die ich erfunden habe ist rein fiktional. Der Film wurde von den Geschichten vieler Menschen inspiriert. Während meiner Recherchen habe ich mit über 100 Soldaten gesprochen."
Und warum geht's letzen Endes bei dem Streit? Um Geld, worum sonst? Oberfeldwebel Sarver verlangt eine Entschädigung. Für die Verfilmung seines gefährlichen Lebens, dafür dass er täglich den Hintern riskiert - und nicht zuletzt für den Ausdruck "The Hurt Locker". Denn sogar den hat angeblich er geprägt.
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