Vergänglich
"Warren Beatty sollte man öffentlich den Hintern versohlen!" Rund 25 Jahre ist es her, dass sich Produzent David Puttnam ("Die Stunde des Siegers") über den Star echauffierte. Hintergrund waren dessen Budgetexzesse bei "Reds" - laut Puttnam "ein zerstörerischer Akt voller Selbstgefälligkeit". Statt der Züchtigung gab's indes einen Preisregen - Beatty holte sich unter anderem einen Oscar für die beste Regie.
Doch brancheninterne Angriffe auf Stars sind noch immer gang und gäbe. Wer im letzten Sommer die Medienberichte verfolgte, konnte glauben, in Hollywood habe eine Götterdämmerung eingesetzt. Da geißelte Konzernboss Sumner Redstone Tom Cruise für die Eskapaden bei seinen TV-Auftritten, Produzent James G. Robinson ("Der gute Hirte") stauchte Starlet Lindsay Lohan öffentlich zusammen, und Mel Gibson lädierte sein ohnehin angeschlagenes Image durch antisemitische Tiraden.
Der verbale Feldzug fand auch seine finanzielle Entsprechung. Cruise büßte seinen lukrativen Produktionsdeal bei Paramount ein, und Gibson verlor den Auftrag für eine Holocaust-Miniserie bei ABC. Und selbst wenn sich Stars nichts zuschulden kommen ließen, stießen sie auf das Störfeuer der Studios. Wegen der hohen Gagenforderungen von Jim Carrey und Ben Stiller stellte Fox die Komödie "Used Guys" zurück, Sony schoss das Western-Remake "3:10 to Yuma" ab, als die Beteiligung von Russell Crowe das Budget anschwellen ließ.
Zu kostspielig waren dem Studio auch Sean Penn und Vince Vaughn für den Politthriller "Against All Enemies". Es scheint, als würde das Hollywood der Konzerne, in dem pures ökonomisches Kalkül regiert, die Glamourindustrie alten Schlages verdrängen.
Aber das alles waren nur Momentaufnahmen. Längst greifen in der Traumfabrik wieder die bekannten Mechanismen. Das lässt sich nicht zuletzt an den Kinokassen beobachten. Ohne einen Will Smith wäre "Das Streben nach Glück" nur ein kleines Sozialdrama. Mit dem Superstar in der Hauptrolle wurde daraus ein Blockbuster. Ob "Nachts im Museum" ohne einen Ben Stiller zum größten Hit des Winters geworden wäre, darf bezweifelt werden. Die Fantasy-Mär "Eragon" dagegen, die lediglich ein paar Charaktermimen in Nebenrollen steckte, blieb weit hinter diesen Resultaten zurück.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.