Der ewige Meisterdetektiv
Er gehört zu den meistverfilmten Charakteren der Literaturgeschichte: Sherlock Holmes. Ein Wegweiser durch das Dickicht der denkwürdigsten Detektivdarsteller.
Robert Downey Jr. mag in Guy Ritchies rasanter Adaption der Holme'schen Abenteuer eine bemerkenswerte Leistung abliefern - doch bis er den Status eines Basil Rathbone erreicht, wird noch einige Zeit vergehen müssen. Der 1892 in Johannesburg geborene Brite ist und bleibt für viele Fans die Idealbesetzung des Meisterdetektivs. Da spielt es nicht mal eine Rolle, dass lediglich die ersten beiden seiner insgesamt 14 detektivischen Leinwandabenteuer im viktorianischen Zeitalter spielen. Die nachfolgenden Verfilmungen, entstanden zwischen 1942 und 1946, wurden in die Gegenwart verlegt - und stellten Sherlock und seinen treuen Gefährten Dr. Watson in den Dienst der Anti-Nazi-Propaganda.
Ist Rathbone bislang der unerreichte Held der großen Leinwand, so gebührt Jeremy Brett die Ehre, der beste TV-Holmes aller Zeiten zu sein. Zwischen 1984 und 1994 wurden unzählige Abenteuer, fünf davon in Spielfilmlänge, mit Brett in der Hauptrolle verfilmt. Wäre der Brite 1995 nicht unerwartet einer Herzattacke erlegen, hätte er den von Doyle verfassten Literaturkanon wahrscheinlich vollendet - lediglich 19 Abenteuer haben ihm noch gefehlt.
Wieso eigentlich immer so ernst?
Holmes ein trinkender Tunichtgut und Watson sein Hirn und Lenker? In "Genie und Schnauze" ist genau das der Fall
Normalerweise ist es ja Holmes, der seinem Freund und Kollegen Dr. Watson in Sachen Witz und Intellekt den Rang abläuft. In der feinsinnigen Komödie "Genie & Schnauze" sind die Rollen genau umgekehrt. Ben Kingsley ist Dr. Watson, ein passionierter Verbrechensbekämpfer und erfolgreicher Kriminalautor. Der Held seiner Geschichten heißt Sherlock Holmes - und ist ein frei erfundener Charakter. Als seine Fans den Meisterdetektiv endlich zu Gesicht bekommen wollen, entscheidet sich Watson notgedrungen, einen Schauspieler zu engagieren. Und gerät ausgerechnet an einen dem Alkohol äußerst zugetanen Womanizer (Michael Caine).
Mit ähnlicher, aber weniger liebevoller Respektlosigkeit ist Gene Wilder in seinem Regiedebüt ans Werk gegangen. "Sherlock Holmes cleverer Bruder" ist eine Persiflage im Stile einer leicht verunglückten Mel Brooks-Komödie. Basierend auf dem literarisch nachweisbaren Umstand, dass Sherlock einen kaum bekannten älteren Bruder namens Mycroft hat, strickte Wilder die Geschichte um Sigerson Holmes, den jüngeren, vorgeblich klügeren und unheimlich eifersüchtigen Bruder von Sherlock. Ihm zur Seite gestellt wurden ein Angestellter von Scotland Yard und eine Möchtegern-Opernsängerin. Kombiniere: Ein Chaosteam von legendärer Tollpatschigkeit.
Sherlock für Junggebliebene
Sherlocks Bruder Mycroft findet auch in "Young Sherlock Holmes - Das Geheimnis des verborgenen Tempels" eine kurze Erwähnung. In dem Abenteuerspaß von Barry Levinson erzählt Sherlock seinem Internatsfreund Watson, dass er für ein paar Tage bei seinem Bruder wohnen werde. Geht es nach Sir Arthur Conan Doyle, haben sich Holmes und Watson zwar erst als erwachsene Männer kennengelernt - doch dieses frühe und vergnügliche Abenteuer aus der Feder von "Harry Potter"-Regisseur Chris Columbus sollte man unbedingt gesehen haben.
Gleiches gilt natürlich auch für "Basil, der große Mäusedetektiv", den Zeichentrickklassiker aus dem Hause Disney. Die Verfilmung der Kinderbuchserie "Basil of Baker Street" dreht sich um eine heldenhafte Maus, die im Keller von Baker Street 221B, dem Haus von Sherlock persönlich, wohnt. Protagonist und Macher zollen dem Meisterdetektiv und seinem bekanntesten Darsteller, Basil Rathbone, den größten Respekt: Nicht nur trägt der geniale und leicht neurotisch veranlagte Mäuserich den Namen des Schauspielers, seine gesampelte Stimme ist in dem Zeichentrickfilm auch als Stimme des echten Sherlock Holmes zu vernehmen - 19 Jahre nach Rathbones Tod. Tiefer kann man sich kaum verbeugen.
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