Robin Williams im Interview
Mork vom Ork ist lange her. Flubber auch. Robin Williams hat sich den Clown abgeschminkt und ist ins Charakterfach gereift. Der Superstar über dunkle Rollen, schräge Fans und große Pläne.
» Mit "One Hour Photo" zeigen Sie eine neue, dunkle Seite von sich...
ROBIN WILLIAMS: Dieser Part hat mich sehr interessiert. Ich dachte: "So einen Menschen in so einem bizarren Film habe ich noch nie gespielt - warum soll ich das nicht einfach mal ausprobieren!?"
» War mit diesem Spurwechsel nicht auch ein Risiko verbunden?
Nein, nicht wirklich. Das Budget von "One Hour Photo" war relativ bescheiden, und daher war auch das finanzielle Risiko für die Produzenten nicht sonderlich groß.
Für mich persönlich habe ich auch kein Risiko gesehen, denn was hatte ich schon zu verlieren? Es ging mir darum, das Image, das die Öffentlichkeit von mir hat, zu verändern. Ich konnte nur gewinnen, denn wenn der Film erfolgreich werden würde - und das ist er ja mittlerweile-, könnte ich meine Bandbreite als Schauspieler erheblich erweitern.
» Was genau hat Sie an der Figur von Sy interessiert?
Seine Einsamkeit verbunden mit seiner Besessenheit von Fotos. Mir wurde durch diese Rolle erst bewusst, dass Fotos und insbesondere Familienfotos eine aneinandergekettete Reihe von intimen Momenten sind.
Ich finde den Gedanken sehr interessant, dass sich ein Mensch an Stelle eines eigenen Privatlebens über die Fotos einer anderen Familie ein Familienleben schafft. Das ist oft bei Prominenten so: Die Leute sehen einen in Zeitschriften oder im Kino und haben das Gefühl, einen persönlich zu kennen.
» Macht Ihnen das nicht manchmal Angst? Kommt es vor, dass Fans oder gar Menschen wie Sy in Ihr Privatleben eindringen?
Manchmal kommen Leute zu meinem Haus in San Francisco und fragen mich, ob ich mich mit ihnen fotografieren lasse. Denen muss ich dann leider eine Absage erteilen. Wenn es an einem öffentlichen Ort oder auf der Straße ist, habe ich nichts dagegen. Aber nicht vor meiner eigenen Haustür. Diese Grenze bewahre ich mir, denn mein Haus hat nichts mit meiner öffentlichen Person zu tun.
» Sie spielen Sy so überzeugend, man vergisst beinahe, dass man hier Robin Williams vor sich hat...
Genau das war meine Absicht. Durch die Frisur und seine Kleidung wollte ich eine Person schaffen, die überhaupt nichts mit mir gemeinsam hat. Solche Rollen will ich in Zukunft vermehrt spielen: Figuren, bei denen mein Star-Image in den Hintergrund tritt, und in denen man sich ganz verlieren kann.
Bei Sy handelt es sich beispielsweise um einen Typen ohne jegliches Charisma, jemanden, der einfach nur funktioniert und nie auffällt. Mit der Ausnahme seiner Bildersammlung. Und genau das macht den Menschen Angst: dass jemand sie überwacht, ohne dass sie davon etwas mitbekommen.
» Und wer zusieht, hat auch die Macht zur Kontrolle.
Absolut. Im heutigen Amerika wird man ständig von Kameras überwacht, ohne dass man es merkt. Im Grunde genommen ist der Film "Truman Show" schon jetzt bittere Realität geworden.
» An welchem Punkt Ihrer Karriere befinden Sie sich derzeit?
Ungefähr in der Mitte. Ich habe noch sehr viel vor mir. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklären: Ein Freund von mir ist Maler. Jahrelang hat er verkrampft versucht, Kunst zu produzieren und damit Anerkennung zu finden. Irgendwann hat er das aufgegeben und hat einfach nur gemalt. Interessanterweise war das Resultat besser als alles, was er in den Jahren davor gemalt hat. Plötzlich kam dabei echte Kunst heraus, denn seine Bilder waren viel persönlicher, und der eigentliche Prozess des Malens trat in den Vordergrund.
Ich befinde mich an einem ähnlichen Punkt - mir geht es nicht mehr darum, "Kunst" zu schaffen, sondern einfach nur zu schauspielern, mich in Figuren einzuarbeiten und in Filmen mitzuspielen, die faszinieren können. Filme, bei denen es um die Geschichte und die Figuren geht, und bei denen ich als Person oder Filmstar vollkommen verschwinde.
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