Sklaventreiber
Kaum einer ist härter und mächtiger als Harvey Weinstein. Der Bulle von Hollywood regiert erbarmungslos über sein Imperium Miramax, das wichtigste amerikanischen Independent-Studio. Seine Herrschermethoden sind berüchtigt.
Fast keinem anderen Produzenten von tyrannischem Charakter wird gleichzeitig ein derartiger Heldenstatus zugeschrieben. Denn Harvey Weinstein gilt als Retter und Neuerer des modernen Films, der Projekte wie "Pulp Fiction", "Der englische Patient", "Good Will Hunting" oder "Chicago" auf die Leinwand gebracht hat. Er schenkte dem amerikanischen Kino Hirn und verhalf noch unbekannten Regietalenten zu einer großartigen Karriere.
Nach fruchtbarer Zusammenarbeit mit Filmemachern wie Robert Rodriguez, Kevin Smith und Gus Van Sant überlegt das Fleischklößchen nun, den Produzententhron zumindest zeitweilig gegen den Regiestuhl einzutauschen. Auf der Berlinale ließ Weinstein verlauten, es stehe zwar noch nichts Konkretes fest, jedoch wünsche er sich dafür Anthony Minghella an seiner Seite.
Was allerdings die Umsetzung betrifft, so greift "Harvey Scissorhand" auf die altbewährte Dampfwalzen-Manier zurück: Er werde alle namenhaften Regisseure wie Quentin Tarantino, Martin Scorsese und Steven Soderbergh zu einer Schlemmerorgie ans Set einladen und diese unter Gefangennahme zu Arbeitssklaven degradieren, bis der Film fertig sei. Klingt zwar nach einem Scherz, doch wer Weinsteins Wutanfälle kennt, die in Schlägereien und Nervenzusammenbrüchen resultieren können, ist sich da nicht so sicher...
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