C. Smith im Gespräch
Mit "Creep" knüpft Nachwuchsregisseur Christopher Smith an klassische Horrorstücke wie Sam Raimis "Tanz der Teufel" an, die den Zuschauer mit geringen Mitteln gewaltig schrecken. Aus Deutschland bekam er Unterstützung von Franka Potente.
Nachdem ich einige Kurzfilme gedreht hatte, schrieb ich das Drehbuch zu einem schwarzhumorigen Thriller. Das war jedoch zu einer Zeit, als in England etliche Gangsterfilme entstanden, die ziemlich schlecht waren. Produzenten gaben mir den Rat, mir lieber etwas anderes auszudenken.
So dachte ich an einen Horrorfilm, und als dann mal wieder meine U-Bahn auf der Strecke stecken blieb, kam mir die Idee, mir eine Kreatur auszudenken, die in den U-Bahn-Schächten ihr Unwesen treibt.
Mein Film ist keine Achterbahnfahrt, nach der man als Zuschauer die Gewissheit hat, wieder gut anzukommen. Nein, ich mag die frühen Werke von Genrespezialisten wie Tobe Hooper, Sam Raimi und Wes Craven, die einem das unangenehme Gefühl geben, dem Regisseur nicht trauen zu können.
Filme wie "Blutgericht in Texas", "Tanz der Teufel" und "Nightmare On Elm Street" entstanden mit wenig Mitteln und wollten dabei nur eines: den Zuschauer schocken und ihn mit seiner Angst alleine lassen.
Die erste Hälfte von "Creep" wirkt so, als hätte man das schon einmal gesehen. Der Unterschied ist nur, dass es sich im Untergrund abspielt. In der zweiten Hälfte des Films erlebt man eine Welt, die immer düsterer und schwärzer wird. Eine Welt, wie man sie vorher noch nie gesehen hat. Ab diesem Moment traut man dem Regisseur nicht mehr, ob er uns Zuschauer hier je wieder rauslassen wird.
"The Grudge" ist sicherlich ein gut gemachter Film, trotzdem war ich gelangweilt. Der Zuschauer will nicht nur erschreckt, sondern auch überrascht werden. Der Horror kommt doch nicht daher, weil gleich jemand aus der dunklen Ecke springt, sondern durch die Vorstellung, in einer Kammer eingesperrt zu sein und nicht zu wissen, was dieses Monster treibt und woher die Schreie kommen.
Ich finde, dass die britischen Stars durch unsere Zeitungen ziemlich abgenutzt wirken. Man liest immer wieder von ihnen, sieht ihre Fotos überall. Vielleicht hätte eine englische Schauspielerin besser zu der Rolle gepasst, aber ich wollte einen europäischen Film mit einem europäischen Star machen.
Ich sah Franka Potente in dem Thriller "Die Bourne Identität", der fast ausschließlich in Europa spielt. Sie wirkte in ihrer Rolle absolut glaubwürdig. Sie ist eine beeindruckende Schauspielerin, die daran glaubt, was sie spielt, weshalb ich immer wieder zu ihr sagte, ihre Szenen so zu spielen, wie sie es gerade für richtig halten würde.
Ja, als ich das Drehbuch schrieb, dachte ich bereits an sie. Als ich ihr das fertige Skript schickte, nahm sie sofort an. Das hat uns auch bei der Finanzierung sehr geholfen, weil mit ihr auch aus Deutschland Geld floss. Etwa 40 Prozent unseres Etats konnte mit Frankas Einstieg gesichert werden.
Etwa 60 Prozent der Szenen entstanden da unten. Der Grund, weshalb sich die Londoner U-Bahn-Gesellschaft einverstanden erklärte, war die Tatsache, dass es eine Fantasiegeschichte ist. Das ist natürlich wahr, aber meine Aufgabe als Regisseur war es trotzdem, den Film so realistisch und glaubwürdig wie möglich zu gestalten.
In England wurde mit folgendem Spruch geworben: "Creep" wird die Angst vor dem U-Bahn-Fahren schüren wie einst "Psycho" die Angst vorm Duschen schürte.
Wenn der Film ein kommerzieller Erfolg wird, würde ich mir das sehr wünschen. Am Ende des Films spürt man doch regelrecht, dass es über diese Kreatur im Untergrund noch viel mehr zu erzählen gibt. James Whales Klassiker "Frankensteins Braut" ist einer meiner Lieblingsfilme, und ich würde der Kreatur in einem nächsten Film sehr gern seine Braut an die Seite stellen.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.