64. Filmfestival Venedig
Die sieben Jury-Mitglieder hatten es in diesem Jahr nicht leicht. Ein guter und politisch orientierter, von herausragenden US-Produktionen dominierter Wettbewerb bot einen gelungenen Mix aus Arthaus und Crowdpleasern, dazu Stars für die Klatschpresse und renommierte Regisseure für Cineasten.
Eine der wenigen Festival-Kontroversen: Ang Lees Drama "Gefahr und Begierde" (Foto: Kurt Krieger/Tobis)
Der Irak-Krieg als großes Thema wurde unter verschiedenen Aspekten angegangen, wie auch die Suche nach der Wahrheit im privaten oder öffentlichen Raum. Basierend auf der Vergewaltigung einer Fünfzehnjährigen und ihrer Tötung durch US-Soldaten ergründet Brian de Palma in "Redacted" psychologisch die Motive, die ganz normale Männer zu Bestien werden lassen. Indem er hinter die Bilder schaut, machte er genau das, was den Fernsehberichten und -reportagen fehlt. Belohnt wurde das kommerzielle Wagnis mit dem "Silbernen Löwen" für die Beste Regie.
Da zwei amerikanische Filme zum Thema wohl nicht ausgezeichnet werden konnten, fiel Löwenfavorit Paul Haggis mit "In the Valley of Elah" durchs Raster. Dabei gehört die Abrechnung mit einem schmutzigen Krieg, der junge Soldaten entmenschlicht und sie ihrem Schicksal überlässt, zum Besten, was das Festival zu bieten hatte. Und auch Tommy Lee Jones, der sich vom aufrechten Patrioten zum Zweifler wandelt, hätte eine Auszeichnung verdient gehabt.
Politischer Zündstoff: "Redacted" und "In the Valley of Elah" (Foto: HDNet Films/Concorde)
Die Auszeichnung eines asiatischen Films unter Jury-Präsident Zhang Yimou galt als sicher. Zwar war das asiatische Kino mit fünf Beiträgen stark vertreten, aber ohne seine sonstige Stärke. Miike Takashis "Sukijaki Western Django", eine Parodie auf den Spaghetti-Western mit "Kill Bill" als Pate, Johnny Tos Überraschungsfilm "Shentan" oder Lee Kang-shengs "Help me Eros" in Neonfarben mit akrobatischen Sex-Positionen und einsamen Großstadtmenschen enttäuschten.
So fiel die Wahl auf Ang Lee, der nach seinem Erfolg mit "Brokeback Mountain" den Goldenen Löwen nun für "Gefahr und Begierde" zum zweiten Mal erhielt und ihn dem vor kurzem gestorbenen schwedischen Meisterregisseur Ingmar Bergman widmete. Der Spionagethriller aus dem Shanghai der 40er Jahre mit expliziten Sex-Szenen, die Ang Lee trotz N17-Rating in Amerika nicht herausschneiden will, polarisierte.
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