Was genau braucht ein Film, um bei den Academy Awards gut abzuschneiden? Gibt es das Rezept für den "perfekten" Film?... http://images.kino.de/newspics/239/268239_1/b150x150.jpg Kochrezept für Oscar-Filme

Story

Eine Anleitung

Kochrezept für Oscar-Filme

Eines hat uns die Geschichte gelehrt, Komödien sind in Hollywood kein Hit. Jedenfalls nicht, wenn man die Oscar-Verleihungen als Maßstab nimmt. Hat man es auf einen Goldjungen abgesehen, sollte man besser auf epische Dramen und verfilmte Biografien setzen.

Großansicht Für "Titanic" und seine tragische Liebesgeschichte gab es 11 Oscars (Foto: Fox)

Für "Titanic" und seine tragische Liebesgeschichte gab es 11 Oscars (Foto: Fox)

Erstaunlicherweise sind lustige Filme in der Geschichte des begehrtesten Filmpreises der Welt selten auf dem Siegertreppchen vertreten gewesen - abgesehen von Ausnahmen wie der Liebeskomödie "Shakespeare in Love" (1996), Woody Allens "Der Stadtneurotiker" (1977) oder zuletzt "Juno" (bestes Drehbuch). Viel größere Chancen auf die begehrten Trophäen haben Filme anderer Genres.

Zum Beispiel episch erzählte Dramen mit opulenter Ausstattung. So unterschiedlich diese Filme auch sein mögen - sie funktionieren nach ähnlichem Rezept und räumen damit immer wieder Trophäen ab. Man nehme ein historisch verbürgtes Ereignis oder bette die Geschichte zumindest so in eine geschichtliche Epoche ein, dass sie realistisch erscheint. Dann erfinde man vor diesem Hintergrund entweder a) eine tragische Liebesgeschichte oder b) einen Kampf des Helden gegen Unterjochung oder widrige Umstände. Diese Mixtur führt natürlich nicht automatisch zum Oscargewinn. Die richtigen Schauspieler und genug Spannung gehören ebenso dazu.

Großansicht Für das Drama "Rain Man" mit einem autistischen Dustin Hoffman gab es vier Goldstatuen (Foto: UIP)

Für das Drama "Rain Man" mit einem autistischen Dustin Hoffman gab es vier Goldstatuen (Foto: UIP)

Eine Prise Patriotismus

Funktioniert hat es bei vielen Filmen, die zu gefeierten Oscar-Gewinnern wurden: von "Casablanca" (1943) über "Ben Hur" (1959) und "Jenseits von Afrika" (1985) bis hin zu "Titanic" (1997). Auch die 2010 in verschiedenen Kategorien ausgezeichneten Filme "Precious - Das Leben ist kostbar" und "Blind Side - Die große Chance" passen in dieses Schema. Weil die Oscars in den USA vergeben werden, ist es naturgemäß kein Nachteil, wenn der Plot in der amerikanischen Geschichte angesiedelt ist - egal ob es ein Western ist wie "Erbarmungslos" (1992) oder eine Gangsterstory à la "Der Pate" (1972) - oder wie der diesjährige Oscar-Abräumer, das Irakkriegs-Drama "Tödliches Kommando - The Hurt Locker".

Honoriert wird von den Juroren ebenso die Beschäftigung mit Kriegen, die eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Historie spielten - sei es der Zweite Weltkrieg ("Die Brücke am Kwai" 1957, und "Patton" 1970) oder der Vietnam-Krieg ("Die durch die Hölle gehen" 1978, und "Platoon" 1970).

Großansicht Das Kriegsdrama "Platoon" wurde mit vier Oscars ausgezeichnet (Foto: Fox)

Das Kriegsdrama "Platoon" wurde mit vier Oscars ausgezeichnet (Foto: Fox)

Ein kleines psychisches Problem

Aber es muss nicht immer kriegerisch zugehen. Gern gesehen werden von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, welche die Oscars verleiht, auch Dramen, die in der amerikanischen Gegenwart spielen. Die sind freilich nicht immer nach demselben Schema aufgebaut. Es gibt zum einen die Storys, bei denen ironisch gebrochen der "American Way Of Life" auf die Schippe genommen wird, wie in "American Beauty" (1999).

Heiße Anwärter auf den Oscar-Thron sind immer auch Filme gewesen, die sich mit genialen, aber psychisch problembehafteten Menschen beschäftigen - siehe "A Beautiful Mind" (2001) und "Rain Man" (1988).

Großansicht Der erste große Oscargewinner mit 11 Statuen: "Ben Hur" (Foto: Neue Visionen)

Der erste große Oscargewinner mit 11 Statuen: "Ben Hur" (Foto: Neue Visionen)

Große Persönlichkeiten schaden nicht

Zu guter Letzt lieben die Oscar-Juroren groß angelegte Biografien schillernder Persönlichkeiten. Zum Beispiel "Aviator" (2004) über den Flugpionier und Filmemacher Howard Hughes, auch wenn die Story nicht den Preis in der Königskategorie einheimsen konnte. Dazu gehören genauso "Million Dollar Baby" (ebenfalls 2004), "Amadeus" (1984), "Rocky" (1976) und "Schindlers Liste" (1993). Dieses Jahr machte sich Morgan Freeman als Nelson Mandela in "Invictus - Unbezwungen" berechtigte Hoffnungen - die sich wohl nur deshalb nicht erfüllten, weil Jeff Bridges nach seiner fünften Nominierung für "Crazy Heart" einfach "dran war".

Freilich wäre es langweilig, wenn sich die Oscar-Gewinner so einfach voraussagen ließen. Bei den 81 bisherigen Verleihungen sahnten immer mal wieder auch Spielfilme ab, die zu ganz anderen Genres gehören. Ob ein Film einer bestimmten Sparte Chancen auf die Trophäe hat oder nicht, ist wohl auch eine Frage des aktuellen Zeitgeists.

Großansicht Wurde als erstes Musical gleich mit 10 Goldjungen geehrt: "West Side Story" (Foto: Alamode)

Wurde als erstes Musical gleich mit 10 Goldjungen geehrt: "West Side Story" (Foto: Alamode)

Oscars mit Mut zur Musik

So wurden in den 60er Jahren innerhalb weniger Jahre mit "West Side Story" (1961) und "My Fair Lady" (1964) gleich zwei Musik-Filme ausgezeichnet. Danach dauerte es fast 40 Jahre, bis mit "Chicago" wieder ein Musical in der Königsklasse "Bester Film" prämiert wurde, wenn auch ein eher gefälliges und nicht unumstrittenes. Vielleicht hat "Chicago" ein Musical-Revival eingeläutet: Immerhin konnte der Musikfilm "Dreamgirls" zwei Oscars absahnen, "Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street" zumindest einen.

Fantasy-Spektakel hatten dagegen vor "Der Herr der Ringe" keine Chance auf das Siegertreppchen, abgesehen von den Kategorien Ausstattung und Spezialeffekte. Erst der dritte Teil der Trilogie, "Die Rückkehr des Königs", triumphierte und brachte elf Auszeichnungen ein. Mit "Das Schweigen der Lämmer" gewann erstmals ein Psychothriller Oscars - 2008 reihte sich hier "No Country for Old Men" mit ein.

Großansicht Nach fast 40 Jahren ist die Academy wieder bereit für Musicals und zeichnet "Chicago" aus (Foto: Buena Vista)

Nach fast 40 Jahren ist die Academy wieder bereit für Musicals und zeichnet "Chicago" aus (Foto: Buena Vista)

Kaum eine Chance für Publikumslieblinge

Andere Filmgenres hatten bisher noch nie Glück: Science-Fiction-Filme, Actionkracher oder Horrorschocker zum Beispiel. Dabei gehören diese oft zu den Blockbustern, die ein Millionenpublikum an die Kinokassen locken. Nur wenige Trophäen-Gewinner zählen gleichzeitig zu den größten Publikumsmagneten aller Zeiten, darunter "Titanic" oder "Der Herr der Ringe". Ein Musterbeispiel für diesen Trend war in diesem Jahr ganz klar auch James Camerons SciFi-Kracher "Avatar - Aufbruch nach Pandora": Der inzwischen erfolgreichste Film aller Zeiten war zwar neun Mal nominiert, wurde aber mit drei Awards in Nebenkategorien "abgespeist" - während der "Academy-Musterfilm" "Hurt Locker" die meisten und wichtigsten Goldjungs einheimste.

Manchmal wendet die Jury dem Mainstream-Geschmack sogar vollends den Rücken zu - und überrascht mit Nominierungen von Außenseiterfilmen. So war es 2006, als nur einer von fünf Filmen, die um den Oscar kämpften, von einem Starregisseur stammte. Die großen Gewinner waren mit jeweils drei Auszeichnungen zwei eher ungewöhnliche Werke: "L.A. Crash" von Paul Haggis ist ein Episodenfilm über Rassismus in den USA, "Brokeback Mountain" von Ang Lee erzählt die Liebesgeschichte zweier schwuler Cowboys. 2007 sorgte der Independent-Film "Little Miss Sunshine" mit zwei Oscars für eine Überraschung. Und auch den schrulligen Coen-Brüdern hätte man für "No Country for Old Men" wohl kaum vier Oscars inklusive "Bester Film" zugetraut.

Großansicht Für das Finale der Trilogie von "Der Herr der Ringe" nahm das Filmteam jeden Oscar für den es nominiert war, mit nach Hause: 11 Goldjungen (Foto: Warner)

Für das Finale der Trilogie von "Der Herr der Ringe" nahm das Filmteam jeden Oscar für den es nominiert war, mit nach Hause: 11 Goldjungen (Foto: Warner)

Es bleibt dennoch spannend

Welche Filme bei aller Spekulation das beste Blatt haben, zeigt sich dann immer erst in der Nacht der Verleihung. Jedes Jahr gibt es zwar schon im Vorfeld Gerüchte, Spekulationen und heiße Tipps, wer eine der 34,3 Zentimeter großen und 3,85 Kilo schweren goldenen Statuen mit nach Hause nehmen darf.

Ein Blick in die Geschichte des wichtigsten Filmpreises der Welt zeigt jedoch: Es hat immer Verlierer gegeben, die Jury ist mitunter erbarmungslos. So ging Orson Welles' "Citizen Kane" 1941 leer aus, obwohl das Werk als bester Film aller Zeiten gilt. Oder Starregisseur Alfred Hitchcock: Er wurde fünf Mal nominiert, erhielt aber "nur" einen Ehren-Oscar.

Großansicht Endlich darf sich Martin Scorsese mit "Departed - Unter Feinden" über den Regie-Oscar freuen (Foto: Warner)

Endlich darf sich Martin Scorsese mit "Departed - Unter Feinden" über den Regie-Oscar freuen (Foto: Warner)

Manchmal versteht niemand die Entscheidung

Das Gleiche passierte auch Meisterregisseur Robert Altman: Nach fünf Nominierungen gab es erst 2006 einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Auch bei Martin Scorsese klappte es erst beim siebten Anlauf mit einer Trophäe für "Departed - Unter Feinden". Und Ausnahmeschauspielerin Kate Winslet wurde fünf Mal trotz Nominierung ohne Oscar nach Hause geschickt, bis sie ihn vorletztes Jahr endlich für "Der Vorleser" gewann. Auch Jeff Bridges hatte erst vier Mal in die Röhre geguckt, bevor er 2010 den Darstellerpreis für "Crazy Heart" entgegennehmen durfte.

Auch 2011 wird es wieder Gewinner und Verlierer geben, wir werden das eine Mal überrascht sein und das andere Mal unsere Erwartungen erfüllt sehen. Wer letztlich das Rennen macht und eine der goldenen Statuen gewinnt, sehen wir schließlich immer erst, wenn es wieder heißt: "And the Oscar goes to...".

Bilder und Trailer der Oscar-Nominierten

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{news.285923.» Zum Special: Alles über die Oscars 2010|U|T#channel=kino}

Claudia Zwickel, Boris Sunjic, Los Angeles, 02.02.2010, 13:00

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Trailer: Für immer Liebe

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