Skandalöse Geschichten
Femme fatale Sharon Stone konnte nur staunen - die Berlinale lag den kleinen Britinnen Judi Dench und Marianne Faithfull zu Füßen.
Da versucht die arme Sharon Stone in "When A Man Falls In The Forest" als verwahrloste Frau zu überzeugen, und doch dreht sich die erste Frage auf der Pressekonferenz nur um ihren Durchbruchsfilm "Basic Instinct". Stone, diesmal ganz seriös im Anzug, nahm's gelassen. Genauso wie die Zuschauer ihren Film. Er ist so langatmig, dass keiner darüber spricht.
Ganz anders ist das bei "Tagebuch eines Skandals", einem düsteren Drama allererster Güte: Judi Dench macht als krankhaft nach Zuneigung gierende Lehrerin einer Kollegin, die eine Affäre mit einem Schüler hat, das Leben zur Hölle.
"When A Man Falls In The Forest": Stone und Hutton als einfache Menschen im Mittleren Westen der USA (Foto: Insight Film)
Bei "Tagebuch eines Skandals" stimmt vom Spiel über die Besetzung bis hin zum Script einfach alles! Besonders Judi Dench erntete nach der Vorführung tosenden Applaus.
Dame Judy Dench hat Humor. Auf die Frage, ob man ihr wegen der anstehenden Oscar-Verleihung Hals und Beinbruch wünschen dürfe, konterte sie:" Hals und Beinbruch? Tatsächlich wird mein Bein bald gebrochen. Ich muss mich einer Knieoperation unterziehen! Danach bin ich viel größer!" Und was ist die Moral von diesem Film, Frau Dench? "Hüten Sie sich vor Mitmenschen, die extrem einsam sind. Laden Sie sie bloß nicht zum Tee ein!"
Einen Tag später schoss dann Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull mit "Irina Palm" den bisher größten Berlinale-Vogel ab. Stellen Sie sich vor, Ihre Mutter nimmt aus Geldnot einen Job in einem Sexetablissement an, und da sie ihre zarten Hände an den besten Stücken der Kunden wie keine Zweite einzusetzen weiß, rollt bald der Rubel.
"Irina Palm" ist laut Regisseur Sam Garbarski eine politisch inkorrekte Tragikomödie. Eine rundherum originelle, zu Herzen gehende dazu und damit der erste wirklich große Bärenanwärter dieser Berlinale! Natürlich fragte man Marianne Faithfull, mit welchen Objekten man denn die pikanten Szenen gedreht hat. "Wir haben eklige Plastikdildos benutzt! Es war ein harter Job, aber einer muss ihn ja machen", konterte die 60-Jährige lachend.
"The Walker"-Regisseur Paul Schrader zwischen Lauren Bacall und Moritz Bleibtreu (Foto: Kurt Krieger)
Und wann kommt der nächste Film? "Am 12. März gehe ich erst mal auf Konzerttournee. Danach mache ich ein Album. Bisher habe ich keine neuen Filmprojekte in Aussicht." Dabei hat man gerade nach "Irina Palm" das Gefühl, sich an der Faithfull nicht sattsehen zu können.
Tja, den großen kleinen Britinnen kann derzeit kein Mann das Wasser reichen. Paul Schraders "The Walker" entpuppte sich als langatmiges, spannungsloses Melodram. Und der angebliche Berlinale-Schocker "Das Haus der Lerchen" über den Völkermord der Türken an den Armeniern, um den im Vorfeld so ein Tanz aufgeführt wurde, ist nicht mehr als eine theatralisch-kitschige Seifenoper. Für Kontroversen wird dafür mit Sicherheit Zack Snyders Comic-Verfilmung "300" sorgen - einer der am meisten erwarteten Filme des Festivals!
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