Sam Raimi im Interview
Mit "Spider-Man" gelang dem eingefleischten Comic-Fan Sam Raimi in den USA das Kunststück, sowohl die Kritiker zum Schwärmen zu bringen als auch die Kinokassen kräftig klingeln zu lassen.
Hat gut grinsen: Sam Raimi schaffte endlich den Sprung in die Topriege der Hollywood-Regisseure
» Hollywood stürzt sich momentan auf Comic-Verfilmungen. Wie haben Sie sicher gestellt, dass sich "Spider-Man" deutlich von anderen Superheldenfilmen wie "Batman" oder "X-Men - Der Film" absetzt?
SAM RAIMI: Als ich "Spider-Man" gemacht habe, habe ich nicht über diese Filme nachgedacht. Wahrscheinlich unterscheidet sich 'Spider-Man' deshalb so klar. Ich wollte nur meine Version dieser Person, die ich als Kind so geliebt habe, auf die Leinwand bringen; ich wollte sie echt machen und den Zuschauer auf eine echte emotionale Reise mitnehmen. Gleichzeitig wollte ich Peter ein Abenteuer erleben lassen und zeigen wie er zu einem Menschen heran wächst. Deshalb ist er ein Held: weil Peter Parker zu einem jungen Mann heranwächst, der lernt Verantwortung zu tragen und nicht, weil er die bösen Kerle verprügelt.
» Also ist der Unterschied, dass Sie sich auf einen Teenager und seine Probleme konzentriert haben und nicht auf den Helden Spider-Man?
Genau so ist es. Ich wollte keinen Actionfilm machen, sondern eine Romanze und ich wollte, dass er auf dieselbe Art und Weise ein Held wird, wie auch jeder Einzelne im Publikum ein Held werden könnte - es sollte nichts mit seinen Kräften zu tun haben. Als ich mich mit den Bossen von Columbia traf, um mich als Regisseur zu bewerben, habe ich ihnen gesagt, dass ich den Film genauso machen möchte. Ich habe ihnen gesagt, dass ich "Spider-Man" nicht über Spider-Man machen möchte, sondern über Peter Parker.
» Wie haben Sie selbst Peter Parker gesehen?
Die Charakterisierung Peter Parkers, die die Autoren und Zeichner des Marvel-Verlages seit Sommer 1962 geschaffen haben, ist sehr reichhaltig. Und ich habe versucht alles in dem Film zu verwenden. Es ist seine Menschlichkeit, die Peter zu einem einmaligen Superhelden macht. Um genau zu sein, ist dies die große Stärke des von Stan Lee erschaffenen Geschöpfs.
»... ein Held wie Du und ich also...
Genau! Peter Parker ist in Wirklichkeit einer von uns, wir können uns mit ihm identifizieren und ihm auf seinem Weg folgen, in dessen Verlauf er ein Held wird. Ich versuchte alles aus den Comics zu übernehmen, das eine Aussage über den Menschen Peter Parker macht.
» Auf welche weitere Elemente aus dem Comic haben Sie sich für die Film-Adaption besonders konzentriert?
Natürlich die Geschichte des Grünen Kobolds, wie er 'ensteht' und wie er zu Tode kommt. Und selbstverständlich orientierten wir uns an anderen Elemente, die aus verschiedenen Comicerzählungen stammen, wie etwa die große Szene auf der Brücke.
» Wie funktionierte der Austausch, die Zusammenarbeit zwischen Ihnen, dem Autor David Koepp und Stan Lee?
Stan Lee ist zwar der Executive Producer und der Erfinder Spider-Mans doch in der Entwicklung des Films war er nicht besonders involviert. Wir hatten sein Vertrauen, dass wir eine gute Arbeit leisten würden, und seine Unterstützung bei der Umsetzung. Wir arbeiteten eng mit Avid Arad, dem Präsidenten von Marvel Studios, zusammen, dessen Aufgabe es ist, die korrekte Umsetzung von Marvel-Helden in Live-Action und Animationsfilme zu überwachen.
»... also "Spider-Man" ohne seinen eigentlichen Papa?
Nein, nein um Himmels Willen! Stan Lees Einfluss und Präsenz ist in jedem Bild des Films zu spüren, weil David Koepp, ein weiterer Autor und ich nichts anderes taten, als herauszufinden, was wir an den Spider-Man-Comics so lieben, um das dann auf die Leinwand zu bringen. Als Stan den fertige Film sah, umarmte er mich und meinte, dass "Spider-Man" genau so wurde, wie er es sich vorgestellt hatte. Das war vielleicht das größte Kompliment überhaupt.
» Haben Ihnen Ihre Erfahrungen im Horror- und Thriller-Genre geholfen, "Spider-Man" zu machen?
Filme mit übernatürlichen Themen, wie meine "Tanz der Teufel"-Trilogie, sind eine großartige Schule für Regisseure. Wenn man die Welt des Übernatürlichen kreiert, die eine eigene Welt außerhalb dieser ist, hat man ein großartiges Experimentierfeld dafür, das Licht zusetzen, für Kamerabewegungen, Filmbelichtung oder die Verwendung bestimmter Linsen und Filter. An den Filmen konnte ich sehen, wie Soundeffekte oder durch Schnitt entstandene Effekte auf das Publikum wirken und wie man Suspense aufbaut. Durch diese drei Filme und auch "Darkman" habe ich viel über Technik gelernt. In den neunziger Jahren lernte ich durch die begabten Schauspieler in "Ein einfacher Plan" und "The Gift - Die dunkle Gabe" viel über Schauspiel. Als ich 'Spider-Man' machte, spürte ich, dass ich all dies wirklich gebrauchen konnte und ich glaube nicht, dass ich 'Spider-Man' auch nur ein Jahr früher hätte machen können.
» Was hält "Spider-Man 2" für Peter Parker bereit?
Was möchten Sie sehen?
» Wie wäre es damit, Peter Parker in seiner weiter Entwicklung zu beobachten. Seine Probleme als Student, seine Auseinandersetzungen mit J. Jonah Jameson, den Chefredakteur des Daily Bugle...
Ich stimme zu, ich denke, dass ist absolut richtig. Wir müssen herausfinden in welche Richtung er sich entwickelt, was aus ihm geworden ist, nachdem dieser Film geendet hat und was seine neue Ausgangsposition ist. Was sind seine neuen Ziele als Mensch? Was ist der nächster Schritt in seiner Entwicklung? Verantwortung endet nicht irgendwo, sie zu leben, bedeutet einen ständigen Kampf.
Noch ist unklar, ob die Lovestory zwischen Peter und Mary Jane in "Spider-Man 2" fortgesetzt wird
»... was ist mit Frauen?
Das würde mich auch interessieren! Was wird aus Mary Jane und ihm? Werden sie jemals zusammen kommen? Oder wird es eine andere Frau in Peters Leben geben? Wird er gegen seinen Schwur, anderen zu helfen, verstoßen? "Spider-Man 2" wird sich also wieder auf den Menschen Peter Parker konzentrieren: was will er, welche Konflikte muss er austragen? - das sind die klassischen Quellen eines Dramas und die Frage ist: wird er diese Konflikte lösen oder an ihnen scheitern? - doch das Scheitern könnte auch nur das Ende des ersten Akts sein.
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