Greengrass im Gespräch
Regisseur Paul Greengrass gelang es, mit "Die Bourne Verschwörung " den Erfolg des ersten Teils noch zu übertreffen. Für typische Actionfilme hat er allerdings nichts übrig - nicht einmal für James Bond.
Wenn Sie Filme machen, dann wollen Sie jede Art von Film drehen, also auch eine Hollywood-Produktion wie "Die Bourne Verschwörung". In England ist die Situation für Regisseure in den letzten zehn Jahren immer bedrückender geworden. Ihre kreative Leistung erfährt einfach keine Wertschätzung mehr.
In Hollywood dagegen schlägt einem immense Begeisterung entgegen: "Lass uns einen Film machen, das schaffen wir!" Das ist richtig ansteckend. Und dort versteht man, dass ein Regisseur den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Film erkennt.
Ich fand "Die Bourne Identität" für eine Hollywood-Produktion sehr ungewöhnlich, sie wirkte eher wie ein Independent-Film. Sie war anders gemacht, sah anders aus, hatte keinen Superhelden.
Letztlich waren es drei Dinge, die für mich den Ausschlag gaben: Der Grundtenor der Geschichte zielte gegen das Establishment, genau wie bei Klassikern wie "Die drei Tage des Condor". Die Hauptfigur hat einen höchst interessanten Charakter. Und ich mag Matt Damon.
Überhaupt nicht schwer. Auf mich hatte sie eher eine belebende Wirkung. Ein kleiner Film ist wie ein Leichtflugzeug. Er ist einfach in die Luft zu bringen und zu steuern. Dafür bringt die kleinste Störung deinen Kurs durcheinander.
Ein Hollywood-Film fühlt sich wie eine Boeing 747 an. Es gibt viele Kontrollhebel, die du gar nicht allein bedienen kannst. Aber gleichzeitig hast du eine große Crew von Fachleuten um dich. Das Studio und meine Produzenten Frank Marshall und Patrick Crowley boten mir jede erdenkliche Unterstützung. Es war fast zu schön, um wahr zu sein.
Natürlich erwartet der Zuschauer eine Achterbahnfahrt. Aber er hat auch unbewusste Erwartungen. Er will nicht unbedingt den pompösen Hollywood-Stil oder fantastische Comic-Universen. Außerdem mag er Helden, die gegen das Establishment kämpfen. Auch das war ein Grund für den Erfolg des ersten Teils.
Mein Film ist vielleicht etwas härter als der erste; und es steckt mehr Verzweiflung darin. Ich musste schließlich die Entwicklung des Bourne-Charakters noch weiter vorantreiben. Das Publikum brachte bestimmte Vorstellungen von der Figur mit. Dazu haben Autor Tony Gilroy und ich uns noch schwierigere emotionale Herausforderungen einfallen lassen.
Er gibt dem Film eine andere Atmosphäre als bei den üblichen Actionfilmen. Deshalb haben wir auch die Interieurs vor Ort gedreht. Und wir zeigen nicht die üblichen Postkartenansichten. Weil wir mit den ansässigen Location-Scouts zusammenarbeiteten, fanden wir Motive, wie sie zumindest das US-Publikum noch nie zuvor gesehen hat.
James Bond wäre nicht mein Fall. Er ist ein imperialistischer, grausamer und frauenfeindlicher Abenteurer. Um Probleme zu lösen, braucht er Hightech. Bourne ist sein Gegenteil: Er ist ein Mensch, der Böses getan hat, aber es nicht mehr tun will. Er interessiert sich nicht für Technologie, sondern setzt seine Intelligenz und Sinn für Timing ein. Das ist mein Mann.
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