M. Forster im Gespräch
Mit "Wenn Träume fliegen lernen" wechselt Marc Forster das Genre - vom Drama " Monster's Ball" zu den Fantasiewelten des Peter-Pan-Schöpfers J. M. Barrie. Sein Film gehört zu den Kritikerlieblingen des Jahres 2004.
Ich habe das Skript schon vor "Monster's Ball" gelesen und sofort geliebt. Nach Ende der Dreharbeiten war das Projekt noch nicht vergeben. Glücklicherweise gab mir Miramax den Zuschlag.
In unserer Welt fehlt die Fantasie, es herrschen Weltschmerz und Konsum, das macht mich traurig. In all dem Leid und dem Hass ist Peter Pan ein Hoffnungsschimmer, und deshalb jeder von acht bis 80 der ideale Zuschauer.
Ich bin in der Schweiz mit Heidi aufgewachsen und habe ihn erst als Teenager entdeckt.
Ich wechsle gern das Genre. Aber es gibt eine Parallele zwischen "Monster's Ball" und "Wenn Träume fliegen lernen": Beide Filme handeln von Sterblichkeit und wie wir damit umgehen. Je älter wir werden, umso mehr Angst haben wir vor dem Tod.
Die Organisation hatte ihre Tücken, aber wir bekamen alles auf die Reihe. Die Kinder waren entspannt. Ich habe erst mit ihnen allein vor der Videokamera geübt, auch um zu sehen, wie sie reagieren und wie lange sie durchhalten.
Johnny und Dustin arbeiten nach völlig unterschiedlichen Ansätzen. Johnny braucht nur wenige Takes, während Dustin es ruhig angehen lässt und erst nach Take 15 zur Hochform aufläuft. Wir fanden einen Mittelweg.
Ich dachte sofort an ihn. Er verbindet Fragilität, Unschuld und Kindlichkeit und gehört nicht zu den Stars, die nur abkassieren, sondern entscheidet sich mit dem Herzen für ein Projekt. Dem Himmel sei Dank, dass "Fluch der Karibik" noch nicht abgedreht und er etwas billiger war als nach dem Hit.
"Monster's Ball" machte die nächsten Projekte leichter, aber mir das Leben auch schwerer. Die Erwartungen steigen, die Leute urteilen anders. Wenn man als Unbekannter einen schlechten Film abliefert, kann man unbehelligt weiterarbeiten. Ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad steht man in der Öffentlichkeit.
Wir sollten uns nicht überschätzen, ein zu großes Ego zerstört die Kreativität. Deshalb umgebe ich mich mit netten und bescheidenen Leuten - die beste Voraussetzung, etwas Gutes zu schaffen. Ich mag weder laute Zeitgenossen, noch halte ich es für effizient, am Set herumzubrüllen. Ein Kommandoton ist kein Zeichen von Kompetenz.
Ich wollte in Europa zur Filmhochschule, konnte mich aber nicht entscheiden. Dann hörte ich von der NYU Film School, die meine Eltern nicht zahlen konnten. Ich habe 30 Briefe an reiche Schweizer geschrieben und jemanden gefunden, der mir das erste und zweite Jahr finanzierte.
Bisher weiß ich nur, wie das Filmbusiness in den USA funktioniert, da geht es primär um Geld. Ich halte es für sinnvoll, das Studiosystem für die Distribution nutzen. Kreativ ist man ziemlich allein gelassen, auch wenn die Bosse einem im Nacken sitzen.
Ich sehe mich als kosmopolitischen Regisseur, der in Englisch dreht. Es ist zweckmäßig, in Los Angeles zu leben, aber das muss nicht ewig so sein. Bei einem tollen Drehbuch würde ich gern in Europa arbeiten. "Wenn Träume fliegen lernen" ist bis auf den Kameramann mit einer britischen Crew in England gedreht.
Wir mussten wegen "Peter Pan" unseren Filmstart verschieben. Nur Herumsitzen hätte mich verrückt gemacht, da kam "Stay", ein übersinnlicher Thriller mit Ewan McGregor und Naomi Watts, gerade recht. Und derzeit stecke ich in den Vorbereitungen für "Stranger Than Fiction", eine Komödie. Da musste ich ganz schön ackern, bis man mir das Projekt anvertraute. Niemand konnte sich vorstellen, dass ich auch etwas Lustiges inszenieren kann.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.