"Hangover"-Regisseur Todd Phillips über kompromisslose Komödien, "sentimentales Getue", Mike Tyson und zu teure Schauspieler.... http://images.kino.de/newspics/868/276868_1/b150x150.jpg "Ich will mich für nichts entschuldigen"

Story

Todd Phillips über "Hangover"

"Ich will mich für nichts entschuldigen"

"Hangover" hat in den USA bereits 152,8 Mio. Dollar eingespielt. Regisseur Todd Phillipps ("Old School") wurde vom Filmriesen Warner bereits mit einer Fortsetzung betraut.

Großansicht Steht nicht auf übersentimentale Kitsch-Filme und präsentiert stattdessen Ironie: Regisseur Todd Phillips (Foto: UIP)

Steht nicht auf übersentimentale Kitsch-Filme und präsentiert stattdessen Ironie: Regisseur Todd Phillips (Foto: UIP)

» Haben Sie damit gerechnet, dass "Hangover" zum Überraschungshit der Sommersaison wird?

TODD PHILLIPS: Noch als wir drehten, munkelten die Darsteller, dass "Hangover" bestimmt ein Hit wird. Besonders Justin Bartha und Bradley Cooper fingen immer wieder davon an. Aber als Regisseur will man davon nichts hören, weil man weiß, dass sich ein Erfolg nicht herstellen lässt, man keine Kontrolle darüber hat.

» Ist Ihr Film die Antwort auf Hits wie "Verliebt in die Braut", "Lizenz zum Heiraten" oder "Selbst ist die Braut"?

Wir rechnen mit dem übersentimentalen Getue ab, das uns diese Romantikkomödien in den letzten Jahren beschert haben. Darin benehmen sich Braut oder Bräutigam schlecht, bis es in den letzten Minuten die große Versöhnung gibt und dann doch zum Traualtar geht. Wir wollten bis zum Ende komisch bleiben und uns für nichts entschuldigen. Wir haben unseren Film schließlich für Erwachsene gemacht. "Hangover" ist ironisch gemeint, und genauso verstehen ihn die Zuschauer.

Großansicht Drei Männer, ein Baby und ein riesengroßer Kater, der den schlimmsten Filmriss aller Zeiten bescherte (Foto: Warner)

Drei Männer, ein Baby und ein riesengroßer Kater, der den schlimmsten Filmriss aller Zeiten bescherte (Foto: Warner)

» Versuchen Sie, gezielt die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten?

Mir geht es nur darum, einen lustigen Film zu machen. Ich denke noch nicht einmal daran, ob ich mit einem Gag zu weit gehen könnte. Hauptsache ist, dass die Gags funktionieren und beim Publikum ankommen.

» Was man am besten mit Testvorführungen herausfindet.

Es gab einige, und die Reaktionen darauf waren immer gleich: kräftiger Applaus - sogar von den wichtigsten Journalisten in New York, die sonst eher verhalten reagieren. Ab diesem Zeitpunkt war uns klar, hier einen besonderen Film zu haben, worauf gleich über eine Fortsetzung diskutiert wurde. Wir müssen aber noch abwarten, wie "Hangover" im Ausland ankommt, um ernsthaft darüber reden zu können. Ich habe schon gute Ideen und weiß, dass Warner sehr daran gelegen ist, "Hangover 2" zu realisieren.

Großansicht Vor allem die Darsteller um Bradley Cooper und Justin Bartha glaubten zuerst an den Erfolg von "Hangover" (Foto: Warner)

Vor allem die Darsteller um Bradley Cooper und Justin Bartha glaubten zuerst an den Erfolg von "Hangover" (Foto: Warner)

» Wie weit ging Ihre Narrenfreiheit ?

Da keine großen Namen mitspielen und das Budget relativ gering war, sagten mir die Studiobosse nur: "Wir sehen uns bei den Testvorführungen wieder." Ich hatte also jede künstlerische Freiheit. Und alles lief reibungslos, was sicherlich anders gewesen wäre, wenn etwa Will Ferrell mitgespielt hätte. Der hätte allein schon 20 Mio. Dollar gekostet, was fast zwei Drittel unseres Budgets ausgemacht hätte. Das wäre ein ganz anderes Risiko gewesen.

» Ferrell wurde durch "Old School" zum Star.

Jetzt hoffe ich natürlich, dass "Hangover" den gleichen Effekt haben wird. Als Regisseur kann man sich nichts Besseres wünschen, als dass seine unbekannten Darsteller die Stars von morgen werden.

Großansicht Box-Legende Mike Tyson war von Beginn an Feuer und Flamme für seinen "Hangover"-Auftritt (Foto: Warner)

Box-Legende Mike Tyson war von Beginn an Feuer und Flamme für seinen "Hangover"-Auftritt (Foto: Warner)

» Wie ist es Ihnen gelungen, Mike Tyson für seinen bizarren Gastauftritt zu gewinnen?

Mike liebt "Old School", womit wir gute Karten hatten. Als wir ihn ins Skript schrieben und vorsichtig anfragten, ob er mitmachen möchte, sagte er gern zu. Er ist natürlich kein Schauspieler, war aber zu allem bereit.

» Wie stehen Sie heute zu Ihren Dokus, mit denen Sie Ihre Karriere begannen?

Meine erste Regiearbeit "Hated" handelte von einer realen Figur, dem Rock- und Punkmusiker GG Allin, der am Ende der Dreharbeiten starb. Das war eine verrückte Erfahrung. Doch weder "Hated" noch "Frat House" waren journalistische Arbeiten, sondern komödiantische Dokumentarfilme. Es erschien daher nur logisch, mich dem Genre Komödie zuzuwenden.

» Was kommt jetzt?

Da ist noch nichts spruchreif. Im Sommer werde ich mich ans Schreiben machen. Auf jeden Fall bleibe ich im Komödienfach. Ich liebe Filme, in denen ich zeigen kann, wie ausgeflippt unsere Welt ist. In einem Actionfilm kann man das nicht machen, ohne Gefahr zu laufen, dass sich die Stuntmen verletzen. Wenn man eine Komödie macht und dabei zugekifft ist, merkt es keiner.

Markus Tschiedert, 21.07.2009, 09:00

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