

Alfonso Cuarón wurde mit "Große Erwartungen" bekannt (Foto: Günther Reisp)
» Chris Columbus warf nach den ersten beiden "Potter"-Filmen das Handtuch. Können Sie nach "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" besser nachvollziehen, warum er das getan hat?
ALFONSO CUARÓN: Und ob. Ich kann Chris nur bewundern, dass er es geschafft hat, zweimal dabei zu sein. Ich wäre nach "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" dazu nicht in der Lage gewesen. Deshalb habe ich es auch abgelehnt, den nächsten Teil zu inszenieren.
» Sie wurden also zuerst gefragt?
Ja. Und anfangs war ich von der Idee auch noch sehr begeistert. Aber ich bin von den Strapazen noch immer so geschafft, dass ich die Verantwortung nicht noch einmal übernehmen wollte. Jetzt brauche ich erst einmal eine Pause und überlasse Mike Newell das Feld. Vielleicht ergibt sich in einigen Jahren noch mal die Gelegenheit, einen "Potter"-Film zu machen. Das könnte ich mir gut vorstellen.


Harry und seine Freunde in Angst und Schrecken (Foto: Warner)
» Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen "Harry Potter 3" und den beiden vorherigen Filmen?
Der Unterschied ergibt sich bereits aus der Vorlage. In den ersten beiden Bänden sind Harry Potter und seine Freunde noch in einem sehr kindlichen Stadium.
In der neuen Geschichte lernt man sie als Teenager kennen, die einen ganz anderen Blick aufs Leben werfen. Mit 13 Jahren entwickeln Kinder eine gewisse Ernsthaftigkeit. Schon deshalb ist mein Film sehr viel düsterer als die ersten beiden Teile.


Daniel Radcliffe ist auch beim nächsten "Harry Potter" dabei (Foto: Warner)
» Wäre Ihr Film noch düsterer ausgefallen, wenn Sie alle Freiheiten gehabt hätten?
Sicherlich musste ich mich an bestimmte Vorgaben halten, um an die ersten beiden Filme anzuknüpfen und dem Zuschauer ein Seriengefühl zu geben, aber das entsprach auch meinem eigenen Wunsch. Ansonsten hatte ich alle Freiheiten, die ich mir nur wünschen konnte. "Harry Potter 3" ist genau der Film geworden, den ich machen wollte.
» Es ist das erste Mal, dass Sie einen Blockbuster inszeniert haben. Wie sind Sie mit dem Druck fertig geworden?
Wenn dir gesagt wird, du darfst 130 Mio. Dollar für einen Film ausgeben, musst du erst einmal schlucken. Ich würde mich allerdings als sehr verantwortungsvollen Menschen bezeichnen, der das richtige Gespür für den Stoff hat. Natürlich muss man sich wie ein Rädchen in einer Maschine bewegen, aber die "Harry Potter"-Maschinerie garantierte jedem viel Sicherheit und Bequemlichkeit. Jeder Wunsch wurde einem von den Lippen abgelesen, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Von daher war es ein sehr angenehmes Arbeiten.


Emma, Daniel und Rupert sind mit ihren Rollen gewachsen (Foto: Warner)
» Wie war das Arbeiten mit Ihren jugendlichen Hauptdarstellern Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint?
Ich spürte von Anfang an, dass sie durch die ersten beiden Teile bereits eine Beziehung zu ihren Charakteren aufgebaut haben. Daniel, Emma und Rupert nehmen sich als Schauspieler inzwischen ernst genug, um die Ecken und Kanten der Figuren herauszuarbeiten und sie mit Emotionen zu füllen.
» Stimmt es, dass es Ihre Idee war, Gary Oldman als den Gefangenen von Askaban und Emma Thompson als Prof. Trelawney zu verpflichten?
Ja, ich habe Gary Oldman und Emma Thompson ausgewählt. Das gehört zu den schönsten Aspekten bei einem "Harry Potter"-Film: Es gibt in England kaum einen renommierten Schauspieler, der nicht mitmachen würde.


Gary Oldman als "der Gefangene von Askaban" (Foto: Warner)
» War es für Sie als Mexikaner anfangs schwierig, diesem sehr britischen Stil gerecht zu werden?
Eigentlich nicht, denn das Britische wird in den "Harry Potter"-Büchern so offensichtlich beschrieben, dass auch ein Nicht-Engländer das erkennt. Außerdem hat Chris Columbus schon viel Vorarbeit geleistet. Wir haben schließlich in den gleichen Sets gearbeitet. Chris hatte die Küche sozusagen schon aufgebaut. Ich musste darin nur noch kochen.
» Wie schon beim letzten Teil entfacht sich auch diesmal wieder eine Diskussion, ob der Film für Kinder nicht zu gruselig sei.
Zugegeben, manche Szenen in "Harry Potter 3" sind schon ziemlich gespenstisch. Aber es ist ein Gruseln, das Kindern gefällt, ähnlich wie in einer Geisterbahn. Das hängt sicherlich auch vom Alter ab.
» Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Ich habe schon vor "Harry Potter 3" einen Stoff ausgearbeitet, der "The Children of Men" heißt und im Jahr 2030 in London spielt. Ich hoffe, dass daraus etwas wird. Ich könnte mir aber auch vorstellen, wieder nach Mexico zurückzugehen, um einen kleinen Film zu drehen. Worüber, kann ich noch nicht sagen.
| Das Gespräch führte Markus Tschiedert |
03.06.2004 |