Der Regisseur von "My Blueberry Nights" über Kussszenen, seinem ersten US-Dreh und das Experimentieren am Set.... http://images.kino.de/newspics/749/247749_1/b150x150.jpg "Ich fühlte mich wie ein Bandleader"

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Wong Kar Wai

"Ich fühlte mich wie ein Bandleader"

In seinem ersten in den USA gedrehten Film "My Blueberry Nights" bleibt Wong Kar Wai seiner poetischen Bildsprache treu.

Großansicht Wong Kar Wai bei seinem ersten US-Filmdreh zu "My Blueberry Nights" (Foto: Prokino/Fox)

Wong Kar Wai bei seinem ersten US-Filmdreh zu "My Blueberry Nights" (Foto: Prokino/Fox)

» Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihrem ersten US-Dreh gemacht?

WONG KAR WAI: Nach fünf Jahren Arbeit an "2046" wollte ich etwas ganz anderes angehen und in einer mir fremden Umgebung drehen, möglichst weit weg von Hongkong. Die größte Herausforderung bestand darin, meinen Anspruch von Genauigkeit und Authentizität zu erfüllen und das vorgegebene Drehtempo einzuhalten. Bei einem Film in einem anderen Land, egal ob Amerika oder Argentinien, will ich den Leuten gerecht werden, was ich auch von meinen westlichen Kollegen erwarte, wenn sie mit chinesischen Charakteren arbeiten.

Zur Vorbereitung bin ich dreimal durch die USA gereist. Trotz aller Unterschiede in Kultur und Sprache gibt es Gemeinsamkeiten, wie bei bestimmten Gefühlen. Abweichungen gibt es weniger um das Was als um das Wie, etwa wie wir Gefühle ausdrücken und mit Situationen umgehen. Vom Team und den Schauspielern habe ich viel gelernt.

Großansicht Norah Jones wird in "My Blueberry Nights" das Herz gebrochen (Foto: Prokino/Fox)

Norah Jones wird in "My Blueberry Nights" das Herz gebrochen (Foto: Prokino/Fox)

» Wollen Sie weiterhin in anderen Ländern und anderen Sprachen arbeiten?

Das ist offen. Aber mir gefällt diese neue persönliche Distanz in der Betrachtungsweise. "My Blueberry Nights" - auch eine Hommage an das US-Kino und die Literatur, die mich beeinflussten - basiert auf einem Kurzfilm. Ich fand es spannend, zu sehen wie die Geschichte in einer anderen Sprache und in einer anderen Welt funktioniert.

» Wie kam es zur Besetzung?

Jude Law stand von Anfang an fest. Einen Song von Norah Jones hörte ich erstmals bei einer Taxifahrt und wollte mehr von ihr wissen. Wir verabredeten uns in New York, ich zeigte ihr den Kurzfilm, und schon war sie im Boot. Beide Schauspieler hauchen den Figuren ihre Persönlichkeit ein. Sie sollten nicht einfach spielen, sondern sich als Teil von ihnen empfinden.

Normalerweise entwickeln Regisseure ihre Vorstellungen, und die Schauspieler tun alles, um die Rolle auszufüllen. Bei uns ging es organischer zu. Ich entwerfe die Idee der Figuren, dann finde ich die Schauspieler, und sie formen die Rolle. Ich habe keine Anweisungen gegeben, sondern nur darum gebeten, mir Möglichkeiten anzubieten, die ich dann "kaufe". Bei der Arbeit fühlte ich mich wie ein Bandleader, der mit mehreren Instrumente experimentiert, damit sie zusammen eine Melodie ergeben.

Großansicht Norah Jones und Jude Law machten allerlei Verrenkungen für ihren Regisseur (Foto: Prokino/Fox)

Norah Jones und Jude Law machten allerlei Verrenkungen für ihren Regisseur (Foto: Prokino/Fox)

» Der Moment, in dem Jude Law die schlafende Norah Jones küsst, gehört zu den schönsten im Film. Was ist das Geheimnis eines guten Leinwandkusses?

Er muss gut aussehen. Niemand darf die technischen Anstrengungen, die dahinterstecken, auch nur ahnen. Diese Kussszene war Dreh- und Angelpunkt für die emotionale Stimmung. Bis die im Kasten war, leisteten wir einen ganzen Tag harte Arbeit. Damit Norah sich nicht den Hals verrenkte, legten wir Kissen unter ihren Kopf, und Jude musste richtige Gymnastikübungen vollbringen.

» Wie steht es um Ihren nächsten Film, "The Lady of Shanghai"?

Die Vorbereitungen laufen, aber es dauert noch, da mehrere Projekte in Entwicklung sind. Ich werde auf jeden Fall kein Remake von Orson Welles' Meisterwerk machen.

» Die Zuschauer gehen weniger ins Kino, gucken lieber DVD. Inwieweit ändert das Ihre Art des Filmemachens?

Vielleicht treffen unsere Filme den Zuschauer nicht mehr an dem Ort, für den sie gedacht sind, das Kino. Sie bleiben für mich aber das beste Ausdrucksmittel für die große Leinwand. Wenn Leute DVDs vorziehen, muss ich ihnen die Freiheit lassen.

Margret Köhler, 23.01.2008, 09:12

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