Martin Campbell über "Auftrag Rache"
Nach James Bond bringt Regisseur Martin Campbell mit "Auftrag Rache" eine weitere Ikone des Actionfilms auf die Leinwand zurück - Mel Gibson. Und nach dem Action-Thriller wagt er sich demnächst auf neues Terrain: den Superheldenfilm.
Regisseur und Superstar: Martin Campbell mit Mel Gibson beim Dreh von "Auftrag Rache" (Foto: Wild Bunch (Central))
Warum wollten Sie die Kinoversion einer Miniserie drehen, bei der Sie selbst Regie geführt hatten?
MARTIN CAMPBELL: Ich war ursprünglich nicht unbedingt darauf versessen. Aber vor sieben Jahren schlug man mir "Auftrag Rache" vor, und wir bekamen das Geld für ein Drehbuch. Autor Andrew Bovell gelang es tatsächlich, die sechsstündige Miniserie auf einen Zweistünder zu verdichten. Ich ging an die Sache heran, als sei es ein eigenständiger Film. Dann brachte Produzent Graham King den "Departed"-Autoren Bill Monahan an Bord. Von seiner Fassung war Mel Gibson, ein Fan der Serie, so angetan, dass er praktisch sofort zusagte. Letztlich kamen also alle richtigen Elemente zum richtigen Zeitpunkt zusammen.
Gibson hat acht Jahre als Schauspieler pausiert. War es schwierig, ihn zu inszenieren?
Er machte gleich klar, dass er weder Regisseur noch Produzent dieses Films sein wollte. Wie jeder Schauspieler war er extrem kooperativ. Man konnte spüren, wie sehr er wieder in die Schauspielerei einsteigen wollte.
Als Sie "Casino Royale" drehten, waren Sie sich da bewusst, wie bahnbrechend dieser Film für das Actiongenre im Allgemeinen und die Bond-Serie im Besonderen sein würde?
Nein. Wenn man einen Film macht, weiß man nie, ob er funktionieren wird. Wir hatten einfach ein sehr gutes Drehbuch von Paul Haggis. Und wir wollten mit "Casino Royale" einen Bond zeigen, der der Figur der Bücher gerecht wurde und nicht dem Agenten der früheren Filme.
Welche Lektionen aus "Casino Royale" lassen sich auf Ihre künftigen Filme anwenden?
Dass man einer Figur in jedem Moment der Handlung gerecht werden muss. Auch in einem Actionfilm soll sich ein Protagonist immer so verhalten, wie es seinem Charakter entspricht. In der großen Verfolgungsjagd am Anfang des Films ist Bond dem Gejagten unterlegen, er hat bei Weitem nicht die Fähigkeiten und Eleganz wie dieser, er macht Fehler, aber er erreicht sein Ziel mit Mut und Willenskraft. Das war das Entscheidende.
Hatten Sie nach dem überwältigenden Erfolg des Films auch andere Alternativangebote außer "Auftrag Rache"?
Natürlich. Ich hatte ein Remake des französischen Thrillers "36" für Paramount entwickelt, aber die wollten auf einmal nicht mehr. Für Universal sollte ich ein Remake von "Die Vögel" machen, aber dann bekam ich das Angebot, die Comicverfilmung "Green Lantern" zu übernehmen. Und nachdem das Projekt schon startbereit war und ich noch nie einen Superheldenfilm gemacht hatte, wird das jetzt meine nächste Produktion.
Warum dieses Superheldenprojekt?
Grüne Laterne ist eine faszinierende Figur. Denn seine Fähigkeiten sind alle psychologischer Natur. Das macht das Ganze komplexer. Außerdem reist er als einer von ganz wenigen Superhelden auf einen anderen Planeten, so dass man eine ganz neue Welt erschaffen kann. Das alles möchte ich so realistisch wie möglich gestalten. Und letztlich erzählen wir wieder eine Geschichte von den Anfängen eines Helden, so wie "Casino Royale" - aber nicht in der Tonalität eines "Batman Begins", sondern eher wie "Iron Man".
Bei effektlastigen Filmen besteht die Gefahr, dass die Figuren vor lauter technologischem Spektakel untergehen.
Die sehe ich auch. Aber ich bin kein Regisseur der MTV-Generation. Mir geht es einzig und allein darum, eine Geschichte emotional überzeugend zu erzählen. Mein großer Held ist David Lean, wahrscheinlich einer der größten Regisseure aller Zeiten, weil seine Filme visuell überwältigend sind, aber dabei durchentwickelte Geschichten mit überzeugenden Charakteren bieten.
Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal einen Bond zu drehen?
Nein. Ich habe nach "Goldeneye" nur deshalb "Casino Royale" gedreht, weil das Flemings erste Bond-Geschichte war. Sonst fängt man irgendwann an, sich zu wiederholen.
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